Flinke Füße: Laufveranstaltungen sind 2020 bislang wegen Corona rar, was schlecht für Athleten, Freizeitläufer und Veranstalter ist.
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BerlinDie Liste der Top-Athleten, die die Petition „Save the Events – Rettet unsere Läufe“ unterstützen, wird länger. Am Donnerstag kamen die deutschen Marathon-Rekordhalter Irina Mikitenko und Arne Gabius dazu. Zuvor hatten sich Alina Reh und Philipp Pflieger der Aktion angeschlossen, die von der Interessengemeinschaft der Straßenlaufveranstalter German Road Races angestoßen wurde. 

Die Spitzenläufer betreffe die Absage zahlreicher Lauf-Events im Zuge der Corona-Krise doppelt, „weil sie natürlich Einnahmequellen aus dieser Ecke haben“, sagt der Berliner Athleten-Manager Christoph Kopp, der die Elitefelder verschiedener deutscher Straßenrennen koordiniert. „Die Krise hat ein großes Loch in den Veranstaltungskalender der Läufe gerissen“, meint die frühere World-Marathon-Majors-Siegerin Mikitenko. „Ich finde es sehr traurig, dass die Politik nichts unternimmt, um den Laufsport zu unterstützen. Es ist sehr wichtig, dass über Jahrzehnte gewachsene Laufveranstaltungen erhalten bleiben und dass das finanzielle Überleben der Spitzenathleten und der Veranstalter sowie aller Beteiligter gesichert wird“, fordert die 47-Jährige, die 2008 den Berlin Marathon gewann.

Bei Straßenläufen sind die Profis meist Zugpferde für die Medien, die Masse des Feldes sind Freizeitläufer. Sie können seit Monaten nirgendwo starten. „Wichtig ist, dass Veranstalter, die sich jetzt schon mit der Umsetzung von kleineren Läufen beschäftigen, finanziell nicht im Regen stehen gelassen werden. Deren Mut darf nicht bestraft werden“, sagt Kopp. „Wünschenswert wäre, dass die politischen Entscheider die meist hervorragenden Hygienekonzepte einzelner Veranstalter individuell prüfen und nicht gleich mit einem allgemein gehaltenen Verbot antworten.“

Großveranstaltungen wie etwa der Berlin Marathon sind zumindest im Corona-Hilfe-Paket, das der Senat für den Profisport geschnürt hat, berücksichtigt. Viele Arbeitsplätze hängen an diesem Event. Die meisten kleineren Laufveranstaltungen wie etwa die 10 Kilometer von Berlin fallen jedoch durchs Raster. „Viele Veranstaltungen, die vielleicht nur ein, zwei Angestellte haben, stehen schlicht vor dem Aus“, sagt Kopp. Wenn etwa Vereine veranstalten, aber wegen der Corona-Absagen keine Startgebühren einnehmen, „dann ist, zack, die Veranstaltung weg, ein Problemkreislauf beginnt“.

Damit im Laufsport nicht alles stillsteht, hat der Berliner mit SCC-Events- und Marathon-Renndirektor Mark Milde Läufe für Topathleten „an versteckten Ecken produziert“, Anfang Juni und Mitte Juli auf dem Schmöckwitzer Damm in Berlin-Rauchfangswerder, im September soll es einen Zehn-Kilometer-Lauf geben. „Wir bemühen uns, dass Eliteläufer starten können“, sagt Kopp, „sie wollen ja auch ihren Sponsoren zeigen, dass sie noch leben.“

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