Berlin - Als der Stabhochsprung-Weltmeister von 2013 von der Anlage schlürfte und überraschend gerade sein vorzeitiges Hallensaison-Ende am Fernsehmikrofon verkündete hatte, waren die beiden Trainingspartner noch mittendrin. Während Raphael Holzdeppe nach fünf Fehlversuchen bei sechs Sprüngen lediglich 5,42 Meter in die Ergebnisliste brachte, strebten Torben Blech und Bo Kanda Lita Baehre am Freitagabend beim Istaf Indoor Berlin nach ganz anderen Höhen. Blech hätte im letzten Sprung sogar gewinnen können, wurde am Ende Zweiter. Schon fünf Tage zuvor, bei der Istaf-Veranstaltung in Düsseldorf, hatten die beiden Athleten des TSV Bayer 04 Leverkusen jeweils eine Saisonbestleistung erzielt, Blech aber mit seinen 5,86 Metern für großes Aufsehen gesorgt.

Nie zuvor war er in einem Wettkampf höher gesprungen. Aber: „Natürlich kann man jetzt nicht immer erwarten, die 5,86 Meter zu springen“, sagte Blech bereits einen Tag vor dem Istaf Indoor in der Hauptstadt. Wenngleich die Vorfreude auf den Wettbewerb in Berlin bei ihm sehr groß gewesen war. Am liebsten wäre er nach Düsseldorf direkt in die Arena am Ostbahnhof gefahren, um dort direkt weiterzuspringen. Doch er und sein Leverkusener Teamkollege mussten sich bis zum Freitag gedulden und starteten um 17.20 Uhr als erste Athleten in den Wettkampf. Zwei Stunden später waren sie noch immer mittendrin, hatten jeweils im zweiten Versuch die 5,62 Meter überquert.

Genau so, wie sie es aus dem Training kennen. Es ist überliefert, dass sie sich auch dort regelmäßig duellieren. „Wenn wir im Krafttraining Übungen oder gegeneinander Sprints machen, es ist immer so, dass jeder den Wettkampf sucht. Und das kitzelt, das kitzelt Bo, das kitzelt mich“, sagt Torben Blech, „das ist auch zur Vorbereitung auf einen Wettkampf grundlegend wichtig, weil wir schon so ein bisschen mit Biss und Leidenschaft im Training unterwegs sind. Ich glaube, dass ist auch ein bisschen das Rezept zum Erfolg. Im vergangenen Jahr ist Bo extrem hoch gesprungen, jetzt bin ich erst mal höher gesprungen.“

Malaiko Mihambo mit Jahresweltbestweite

Nicht von ganz ungefähr. 2019 hatte sich der frühere Zehnkämpfer auf Stabhochsprung spezialisiert. Im Mehrkampf habe er eine sehr gute Grundausbildung genossen, bringe eine gute Grundgeschwindigkeit mit. „Ich war schon immer der Typ, der sehr gut springen kann, Weitsprung, Hochsprung“, sagt er. Die Sprungkraft und sein sehr weiter Absprung sind seine große Stärke, die Umsetzung vom Anlauf in den Absprung hat ihm von Anfang an gut gelegen und sei wichtig, „um das ganze System in Fahrt zu bringen“, so Blech. Aber: „Alles was danach passiert, war vor zwei Jahren wie bei einem Mehrkämpfer.“ Und es ist immer noch nicht das Gelbe vom Ei.

Im Training habe er mit Trainerin Christine Adams, eine frühere Stabhochspringerin, vor allem im vergangenen, im schwierigen Corona-Jahr sehr viele Dinge besser gemacht. Insbesondere haben sie an den turnerischen Elementen, der Aufrollphase in die im Stabhochsprung so wichtigen I-Position gearbeitet. Und trotzdem sei bei den ganzen turnerischen Elementen, die Trainingspartner Bo Kanda Lita Baehre sensationell mache, noch Potenzial. Dennoch war für Baehre in Berlin bei 5,72 Meter das Ende des Wettkampfs erreicht.

Während die Sprinter schon längst die Arena am Ostbahnhof verlassen hatten und Lisa Mayer im Finale über 60 Meter nur knapp den Sieg verpasste, kämpften im Weitsprung Malaiko Mihambo und im Stabhochsprung noch zwei deutsche Männer um den Triumph beim Istaf Indoor. Denn neben Blech präsentierte sich überraschend auch Oleg Zernikel sehr stark, hatte bis zur Höhe von 5,72 Meter, die für ihn einen neuen persönlichen Rekord bedeutete, keinen Fehlversuch. Während der erste Versuch von Weltmeisterin Mihambo mit der Jahresweltbestweite von 6,77 Meter auch von ihr selbst bis zum Ende des Wettkampfs gegen 20 Uhr nicht überboten werden konnte und sie nach Düsseldorf auch in Berlin gewann, kämpften die deutschen Stabhochspringer mit der Höhe von 5,80 Metern.

Zernikel scheiterte, Blech schaffte es mit dem zweiten Sprung. Zum Sieg aber sollte es nicht reichen, der Philippino Ernest John Obiena hatte die identische Höhe bereits im ersten Versuch überquert. Torben Blech aber hatte auch eine Woche vor seinem 26. Geburtstag gezeigt, dass seine Leistungskurve steil nach oben zeigt.