Dodi Lukebakio (l.) schob frech den Ball über die Linie, obwohl Krzysztof Piatek nach starkem Solo das Tor selbst hätte machen können. Trotzdem jubelten beide gemeinsam.
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BerlinBruno Labbadia hatte eine schöne Fahrt nach Hause zu seiner Familie in Hamburg. Denn in seinem emotionalen Gepäck war nicht nur Wiedersehensfreude für seine Liebsten, sondern auch ein gutes Gefühl, dass es in Zukunft eine ziemlich gute Sache mit Hertha BSC werden kann. Der erfahrene Bundesliga-Trainer hat nämlich an diesem Wochenende mal eben mit dem 2:0-Sieg über den Champions-League-Anwärter Bayer Leverkusen gleich drei alte, hässliche Klischees über diese blau-weiße Mannschaft weggeräumt.

Da wäre die Rückrunde, die seit elf Jahren immer schlechter war als die Hinrunde. Mit dem Dreier gegen Bayer hat Hertha 22 Punkte seit Januar geholt, drei mehr als in der ersten Saisonhälfte.

Da wäre das masochistische Auskosten von Negativläufen. Nach drei Niederlagen gegen Dortmund (0:1), Frankfurt (1:4) und Freiburg (1:2) wurde die schwarze Serie schnell beendet.

Da wäre außerdem noch dieser „Luft-Raus-Gedanke“. Zu oft hat Hertha in der Vergangenheit kurz vor Saisonende Spiele einfach hergeschenkt.

Für die blau-weißen Fans ist das eine wichtige Sache. Für Labbadia ist diese Vergangenheitsbewältigung aber kein Thema. Der Cheftrainer, der mitten in der Corona-Zwangspause das Team übernahm, schaut lieber nach vorne. „Um ehrlich zu sein, wir arbeiten schon seit zwei, drei Wochen mit Blick auf die neue Saison“, sagt er. Doch dieses Spiel gegen Leverkusen war selbst für Labbadia „erstaunlich“. Trotz widrigster Umstände mit jetzt dreizehn Ausfällen und einer unglücklichen Niederlage in Freiburg rafften sich die Spieler zusammen.

„Nach dem Freiburg-Spiel waren alle enttäuscht, doch alle haben sich in nur drei Tagen mental hochgefahren“, erklärt der Coach. Er betont dabei die enorme Laufleistung zum Saisonende. „123 Kilometer, das ist ein Topwert!“ Dann kommt er zum Wesentlichen: „Die Mannschaft hat eine enorme Disziplin gezeigt, ist geschlossen aufgetreten. Gegen bessere Gegner kannst du nur im Team gewinnen. Das haben alle Spieler überragend umgesetzt.“

Den Teamspirit sah man beim 2:0 deutlich. Als Stürmer Krzysztof Piatek durch den Strafraum marschierte, hätte er den Treffer einen Meter vor der Linie selbst machen können. Dodi Lukebakio übernahm frech das finale Ballschieben ins Gehäuse. Den Torklau nahm der polnische Nationalstürmer seinem Kollegen aber nicht übel. Die beiden jubelten gemeinsam.

Labbadia scherzte über die kuriose Szene: „Ich als ehemaliger Stürmer hätte ihn wohl weggegrätscht.“ Diese authentische Lockerheit des Trainers tut dieser Mannschaft richtig gut. Wenn Labbadia am Dienstag wieder aus Hamburg von seinem Mini-Heimaturlaub zurückkommt, geht die Vorbereitung auf den nächsten Topgegner Gladbach los. Sein gutes Gefühl wird dann nicht aufgebraucht sein.