Torsten Mattuschka: VSG Altglienicke statt 1. FC Union Berlin

Es ist durchaus wörtlich zu nehmen, dass Torsten Mattuschka die letzte Ausfahrt nimmt. Das bisherige Fußballerleben des 35-jährigen Kultkickers bewegte sich stets zwischen den Fixpunkten Energie Cottbus und 1. FC Union Berlin. Dass er jetzt für die wohl letzten beiden Jahre seiner Karriere beim Aufsteiger in die Oberliga VSG Altglienicke im Berliner Südosten anheuerte, ist da nur logisch. Sein zukünftiger Arbeitsplatz liegt unmittelbar an seiner bisherigen sportlichen Hauptschlagader Lausitz–Köpenick.

Ab sofort schnürt Mattuschka also in der fünfthöchsten Spielklasse seine Kickschuhe. Statt Dynamo Dresden oder Hansa Rostock in der vergangenen Saison heißen die Gegner jetzt FC Strausberg oder Tennis Borussia Berlin. „Ich habe immer noch Bock auf Fußball“, sagt er zur Begründung, warum er auf einen Anschlussvertrag bei seinem bisherigen Arbeitgeber in Cottbus verzichtet. Nach dem Abstieg in die Regionalliga hätte er beim Neuanfang als Spieler keine Rolle mehr gespielt.

In Altglienicke soll das zukünftig anders sein. Der Aufsteiger aus der Berlinliga strebt nach Höherem und hat sich mit Spielern verstärkt, die ihre besten Jahre hinter sich haben, aber noch nicht bereit für den Ruhestand sind. Neben Mattuschka, der mit seinem Talent einst zu gut für die Zweite Liga war, aber nicht den Fleiß für die Bundesliga hatte, verpflichtete der Klub auch den ehemaligen Unioner und Mattuschka-Kumpel Björn Brunnemann vom Regionalligisten BFC Dynamo. Kevin Pannewitz, der bei Rostock einst als zukünftiger Bundesliga-Profi gehandelt wurde, dann aber sein Gewicht nicht in den Griff bekam, kickte schon in der vergangenen Saison für Altglienicke.

Für Mattuschka geht es bei seinem Engagement in Altglienicke freilich um mehr, als das Publikum zu begeistern und Freistöße ins Eck zu zwirbeln, so wie einst beim 1. FC Union, den er 2014 nach Unstimmigkeiten mit Trainer Norbert Düwel verließ. Offenbar hat er jetzt den geeigneten Ort gefunden, um auch die Karriere nach dem Kicker-Dasein in Schwung zu bringen. Nebenbei soll er nämlich die A-Jugend des Klubs mitbetreuen sowie den Trainerschein machen. Und weil das Salär in der Oberliga auch für einen verdienten Spieler wie Mattuschka recht überschaubar ist, arbeitet er zusammen mit seiner Frau in der Marketingabteilung eines Vereinssponsors. „Es ist schön, nach Berlin zurückzukehren“, freut sich Rückkehrer Mattuschka. Auch wenn er sich noch daran gewöhnen muss, nicht nach Köpenick zu fahren, sondern die Ausfahrt nach Altglienicke zu nehmen.