Der BFV startet eine Kampagne, um ein Zeichen gegen die Verrohung der Sprache in der Gesellschaft und auch auf den Berliner Fußballplätzen zu setzen.
Grafik: Berliner Fußball-Verband

BerlinAuch 2020 steht der Berliner Fußball-Verband im Kampf gegen Gewalt und Diskriminierung auf und neben den Spielfeldern vor einer riesigen Herausforderung. Zudem gibt es eine neue Kampagne gegen Sexismus. „Wir sind alle aufgefordert anzupacken“, betonte BFV-Präsident Bernd Schultz auf dem Neujahrsempfang des BFV am Samstag im Stadion An der Alten Försterei. Nach mehreren Attacken gegen Schiedsrichter, Spielabbrüchen und einem Streik der Referees hatte der BFV bereits ein Maßnahmenpaket beschlossen, jetzt soll auch noch mehr öffentlich auf die Probleme aufmerksam gemacht werden.

Der aufrüttelnde Trailer „Sprache ist Gewalt - Zeig Respekt!“ zum Auftakt der Kampagne gegen Sexismus macht den Anfang. Drei weitere Filme zu Problemfeldern folgen. „Sexistische oder diskriminierende Äußerungen, aber auch Ausdrücke wie Schlampe oder Nutte dürfen nicht ignoriert oder gar verniedlicht werden“, heißt es auf der Homepage des Verbandes. „Der letzte Vorfall, Gewaltandrohung gegenüber einer Spielerin im Juniorenbereich, veranlasste uns, diese Kampagne ins Leben zu rufen“, erklärte Christine Lehmann, stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Frauen- und Mädchenfußball im BFV.

Hauptthema: Stärkung der Schiedsrichter

Die Stärkung der Schiedsrichter bleibt im neuen Jahr ein Hauptthema im Berliner Amateur- und Jugendfußball. Schiri-Chef Jörg Wehling bezeichnete die Stimme unter den Unparteiischen als „gemischt“, freute sich aber über die ersten positiven Ergebniss. Weitere Maßnahmen sollen kurz- und mittelfristig greifen.

„Wir müssen dabei auch unsere eigene Fortbildung in die Pflicht nehmen. Uns fehlt dort noch der richtige Umgang beim Konfliktmanagement“, sagte Wehling. Auch die Kommunikation zwischen dem Verband und den Vereinen sei ausbaufähig. Insgesamt müsse man einen langen Atem dabei bewahren. „Das sind Themen, die uns nicht in der nächsten Woche verlassen werden“, sagte Wehling.

Das Präsidialmitglied verwies darauf, dass trotz der jüngsten Vorfälle alle vier Schiedsricher-Ausbildungslehrgänge ausgebucht sind: „Damit hätten wir nicht gerechnet.“

Herausforderung für die Gesellschaft

Der Berliner Staatssekretär für Sport, Aleksander Dzembritzki, nahm auch die „gesellschaftliche Mitte“ in die Verantwortung. „Das ist eine Herausforderung für die Gesellschaft. Wir müssen die Menschen auffordern, sich für Fairplay einzusetzen“, sagte der SPD-Politiker. Man dürfe nicht wegschauen, wenn auf oder neben dem Platz die Gewalt eskaliere. Der 51-Jährige brachte zudem die Polizei als Helfer ins Spiel. „In den Fußballregeln wird das Thema Gewalt nicht behandelt. Das regelt das Strafgesetzbuch“, sagte Dzembritzki.

Ein deutliches Zeichen gegen Gewalt und Ausgrenzung setzte der Fußball-Verband bei der Vergabe des „Goldenen Fußballs 2020“ an den Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg. Mit dem LSVD besteht seit 2011 eine Kooperation, um unter anderem gegen Homophobie beim Fußball anzutreten. Christian Rudolph vom LSVD betonte ganz pragmatisch den notwendigen Respekt, der dazugehöre, um Gewalt zu vermeiden. „Wichtig ist, dass Offenheit da ist und sich gegenseitig zuzuhören. Dann ändert sich auch etwas.“