Trainer Ante Covic und Marko Grujic wollen wieder zusammen jubeln.
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Berlin-WestendDer Erfolg eines Menschen, in welchem Bereich auch immer, hängt nicht nur von seinen physischen oder theoretischen Fähigkeiten ab, sondern ist zu einem sehr großen Teil auch auf seine mentale Stärke zurückzuführen. Gerade im Sport, insbesondere in der Fußball-Bundesliga, kann auf Grund der hohen Leistungsdichte der Vereine die Psyche über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Insofern erscheint der Ansatz von Herthas Cheftrainer Ante Covic, 44, mit seinem in der Länderspielpause reduziertem Kader vor allem Vier-Augen-Gespräche zu führen, als notwendig. Schließlich herrscht bei den Blau-Weißen   nach dem verlorenen Derby gegen den 1. FC Union, und spätestens, seit der Rivale aus Köpenick vergangene Woche auch tabellarisch besser dasteht, eine Melange aus Unzufriedenheit, Frust und Sorge.

Grujics Last

Damit seine Profis wieder zu ihrer Leistungsstärke finden, will der Kroate vor allem in Einzelgesprächen „in die Köpfe der Spieler schauen, um zu sehen, wo es beim ein oder anderen drückt“. Besonders von Liverpool-Leihgabe Marko Grujic, 23, der in der vergangenen Saison Hertha erst defensiv stabilisierte und dann offensiv führte, erhofft sich Covic bereits beim richtungsweisenden Spiel beim FC Augsburg in zehn Tagen eine deutliche Steigerung. „Ich glaube, er hat sich selbst den größten Druck gemacht“, sagt Covic über Grujic, der in dieser Spielzeit bisher nicht überzeugen konnte.

Dabei schien alles in der Vorbereitung auf Grujic, mit dem sich Covic perfekt auf Serbokroatisch verständigen kann, als unumstrittenen Anführer im Mittelfeld hinauszulaufen. Den Sommer durfte der technisch versierte und physische starke 1,91 Meter große Mittelfeldmann auf Grund von Streitigkeiten mit dem serbischen Verband komplett zur Erholung nutzen, statt zur U21-EM nach Italien zu reisen. Hinzu kommt, dass er, anders als in der Vorsaison, als er neu in Berlin aufschlug und elf Spiele wegen verschiedener Probleme verpasste, in dieser Spielzeit bisher verletzungsfrei blieb. „Es war auch für uns überraschend“, sagt Covic und vermutet eine mentale Blockade. „Marko will unbedingt an seine Leistungen aus dem Vorjahr anknüpfen“, erklärt der gebürtige Berliner. Das sei eine Last, „die er sich selber auferlegt hat“.

Um ihn von dieser zu befreien, nahm er ihn am vergangenen Spieltag erstmals aus der Startelf. „Die Pause hat ihm gut getan. In der Länderspielpause will er an sich arbeiten, damit er dahin kommt, wo er war“, erklärt Covic. Grujic will  nicht reden und verweist auf die Pflicht, die Derbypleite und die Lage wieder geradezubiegen. „Meine Eindrücke im Training waren, dass er jetzt noch engagierter ist und durch Leistung wieder vorangehen will“, sagt Covic.