Hertha-Trainer Bruno Labbadia.
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BerlinPreisfrage: Wer war der letzte Gegner von Hertha BSC in der Bundesliga, bevor das Corona-Virus den Wettbewerb stoppte? Es war der SV Werder Bremen, der am 7. März vor der stattlichen Kulisse von 58 028 Zuschauern im Olympiastadion bei Hertha ein 2:2 erreichte. Es war das letzte Spiel unter Leitung von Trainer Alexander Nouri. Es stammt aus einer anderen Zeit.  70 Tage nach diesem Duell tritt Hertha am Sonnabend zu seinem ersten Geisterspiel in der Vereinsgeschichte bei der TSG 1899 Hoffenheim an (15.30/live auf Sky und in der Konferenz auf Sky Sport News HD).

In der 30 000 Zuschauer fassenden Arena werden neben den Spielern und Trainern nur rund 300 Menschen sein, die alle eine Funktion ausüben. Auf einer virtuellen Pressekonferenz mit dem neuen Cheftrainer Bruno Labbadia, der seit dem 9. April im Amt ist, und mit Manager Michael Preetz, konnte man erahnen, vor welcher Herkulesaufgabe die Verantwortlichen stehen.

Windhorst kündigt Investment an

Sportlich erscheint die Lage noch immer schwierig, Hertha steht mit 28 Punkten auf Rang 13 und besitzt nur sechs Zähler Abstand auf den Relegationsrang 16. Niemand weiß in diesen Tagen, auf welchem Level die Mannschaft und auch die Gegnerschaft ist. Dennoch können sie alle bei Hertha aufatmen, denn kaum ein anderer Klub der Ersten Liga hat im Moment so große finanzielle Sicherheit wie die Berliner – ausgenommen die Riesen der Branche wie Bayern München, Dortmund oder RB Leipzig.

Investor Lars Windhorst macht es möglich. Zwei Tage vor dem Restart der Liga sagte der 43-Jährige in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung: „Wir sind bereit, nochmals einhundert, einhundertfünfzig Millionen Euro Eigenkapital zu investieren, wenn der Bedarf bestehen sollte.“ Bislang hat der Unternehmer 224 Millionen Euro investiert und dafür 49,9 Prozent der Anteile der Hertha BSC GmbH&Co.KGaA erworben. Das gibt Manager Preetz und Trainer Labbadia in naher Zukunft die Chance, auf dem Transfermarkt tätig zu werden, der eine große Unbekannte ist.

Labbadia, der vierte Hertha-Coach in dieser verrückten Spielzeit, muss nun aus den großen Möglichkeiten das Beste machen und mit dem Druck, der durch das Investment entsteht, klarkommen. Die aktuelle Lage sei „eine totale Herausforderung“, ja „ein Blindflug“ ins Ungewisse, sagte Labbadia. Der 54-Jährige wirkte während der Video-Konferenz sehr engagiert und konzentriert. Wohl noch nie zuvor musste ein Hertha-Coach, zumal noch ein neuer Mann, mit so vielen Widrigkeiten und Unwägbarkeiten leben wie Labbadia. In den rund fünf Wochen seiner Amtszeit fand nur in der letzten Woche ein Mannschaftstraining statt, zuvor waren wegen Corona nur Übungsstunden in Kleingruppen erlaubt.

Rückkehr in die KIndheit

Vor dem Spiel in Hoffenheim kommt Labbadia auf fünf Einheiten mit der gesamten Gruppe. Der Trainer, der Wert legt auf Gespräche mit den Profis, gern mal einen Spieler in den Arm nimmt, musste Abstand halten. Seit Sonntag sind alle im Hotel Palace untergebracht und auf zwei Etagen in Einzelzimmern kaserniert. Labbadia: „Auch beim Essen müssen wir ja Abstand halten, aber wir machen das Beste aus der Situation und jammern nicht.“ Als alle am Sonnabend ein Geisterspiel simulierten und Elf gegen Elf im leeren Olympiastadion übten, sei das „ein komplett anderes Raumgefühl für alle“ gewesen, berichtete der Trainer, „ab und an sind die Spieler deshalb zusammengeknallt“.

Auch er selbst, so Labbadia, musste sich neu orientieren. Wochenlang hatte man nur acht Leute vor sich, plötzlich wieder 22.“ Ohne Fans zu spielen, müsse man ausblenden. „In der Kindheit haben wir alle ja auch nicht vor 50 000 gespielt.“ Am heutigen Freitag werden alle – Spieler, Trainer und Betreuer – noch mal auf das Virus getestet. Bislang waren alle Tests negativ. Zum Spiel in Hoffenheim sagte Labbadia: „Jeder ist auf dem Platz gefordert. Ich liebe es, mehr den Ball zu haben als der Gegner.“ Manager Michael Preetz machte deutlich: „Wir wollen die Saison zu Ende spielen und eine sportliche Entscheidung.“ Zu guter Letzt freute sich Labbadia, dass die Trainer nun doch von der Maskenpflicht beim Spiel befreit sind und verriet eine Personalie: „Im Tor wird Rune Jarstein stehen.“