Das Gesicht zur Lage: Hertha-Trainer Ante Covic beim Training umringt von Journalisten.
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Berlin-CharlottenburgWenn es eng wird für einen Trainer, also seine Entlassung wahrscheinlicher ist als die Fortsetzung seines Engagements, schlägt die Stunde der Protokollanten beziehungsweise die Stunde der Mimik- und Wort-Deuter. Wann erscheint der Trainer beim Training? Wie guckt er dabei? Was sagt er? Wo ist der Manager? Wer nimmt an der Krisensitzung teil? Wie guckt der Manager? Was sagt der Manager? Und so fort.

Im Fall des Bundesligisten Hertha BSC wurde für den Montagmorgen Folgendes festgehalten. 9.07 Uhr: Manager Michael Preetz (Pokerface) kreuzt vor der Geschäftsstelle auf, verschwindet nach einer kurzen Unterredung mit dem Pressesprecher Max Jung (wirkt angespannt) in der Mannschaftskabine. Aus ebendieser tritt um 9.55 Uhr Trainer Ante Covic. Gebeugter Gang. Ernster Blick. Alles andere wäre nach dem desaströsen 0:4 in Augsburg am Tag zuvor auch verfänglich, Hertha BSC ist mit gerade mal elf Punkten nach zwölf Spieltagen Tabellenfünfzehnter.

Covic gibt sich kämpferisch

In Covics Schlepptau: sein Trainerstab und seine Mannschaft, wenngleich alle Beobachter davon ausgehen, dass diese Mannschaft schon bald nicht mehr seine sein wird. Covic gibt trotz der prekären Lage Auskunft, gibt sich kämpferisch. „Es geht darum, wenn man die Möglichkeit bekommt, die Jungs geradezubiegen, dass man das macht“, sagt der 44-Jährige. Und: „Aufgeben gibt es nicht in meinem Leben. Einfach kann jeder.“

Da war doch was. Ach ja, genau die gleichen Worte hatte doch Niko Kovac gewählt – und war neun Tage später nicht mehr Trainer des FC Bayern. Der gebürtige Berliner Kovac, der jetzt als Nachfolger des Vollblut-Herthaners Covic gehandelt wird. Genauso wie der erst neulich aus China zurückgekehrte Roger Schmidt oder Jürgen Klinsmann, der sich ja erst vor Kurzem über Investor Lars Windhorst beim „Big-City-Club“ (Windhorst) in Position gebracht hat. Aber dazu später. Nach 44 Minuten ist das Auslauftraining der Hertha-Profis jedenfalls vorbei. Alle ab in die Kabine. Parallel, so die Vermutung der Beobachter, soll sich die Klubführung zu einer Krisensitzung verabredet haben.

Noch einmal sind also alle Augen auf Ante Covic gerichtet gewesen. Auf diesen umgänglichen Zeitgenossen, der sich allerdings den Vorwurf gefallen lassen muss, nur in Ansätzen das Potenzial dieser Mannschaft freigesetzt zu haben. Der zwar mit seiner offenen Art, aber offensichtlich nicht mit seiner Trainingslehre bei den Profis angekommen ist, ja, letztendlich gescheitert ist. Ja, nicht jeder erfolgreiche Nachwuchscoach kann einfach Bundesligatrainer sein.

Als entscheidende Figur rückte am Montag beim Hauptstadtklub indes ein anderer in den Fokus der Aufmerksamkeit, nämlich der bereits erwähnte Preetz. Einmal mehr ist der 52-Jährige als Manager einer Krise gefragt, die er aus seiner verantwortungsvollen Position heraus selbst mit hervorgerufen hat. Denn einmal mehr lag er allem Anschein nach bei der Besetzung des Trainerpostens total daneben.

Das muss ich erst mal sacken lassen.

Michael Preetz

So wie im Herbst 2009, als er Lucien Frave durch Friedhelm Funkel ersetzte und im darauffolgenden Frühjahr in der blau-weißen Fangemeinde der Abstieg in die Zweite Liga zu beklagen war. So wie in der Spielzeit 2011/12, als er zunächst Michael Skibbe, dann auch noch Otto Rehhagel  verpflichtete und sich der Klub letztendlich erneut mit der Zweitklassigkeit auseinandersetzen musste. Nur Pal Dardai und mit Abstrichen Jos Luhukay erfüllten im Endeffekt die Erwartungen, nahmen über einen längeren Zeitraum etwas Druck vom Manager, der beim Scouting von Spielern ein weitaus besseres Händchen zu haben scheint. Er müsse das „erst mal sacken lassen“, hatte Preetz am Sonntagabend in Augsburg noch gesagt, um sich am Montag bedeckt zu halten. Er weiß: Noch einen Fehlgriff kann und darf er sich nicht erlauben, sonst wird er in schließlich selbst eines Tages als Fehlgriff wahrgenommen.

Nach dem Einstieg von Investor Lars Windhorst gibt es bei Hertha BSC bei der Fahndung nach einem neuen Cheftrainer neben ihm und Präsident Werner Gegenbauer allerdings wohl neue Mandatsträger. Windhorst natürlich, der bei der Besetzung der sportlichen Führungskräfte nicht das letzte, aber bestimmt ein gewichtiges Wort haben dürfte. Und womöglich ja auch Klinsmann, der von Windhorst in den neunköpfigen Aufsichtsrat der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA berufen wurde. Dass der ehemalige Bundestrainer bei der strauchelnden selbst in die sportliche Verantwortung rückt oder als Interimslösung einspringt, ist allerdings, da mag das Gerücht noch so aufregend sein,  doch eher unwahrscheinlich.