Manch anderer Trainer wäre bei einem Alleingang wie dem von Sebastian Polter beleidigt gewesen. Urs Fischer (l.) suchte hingegen das Gespräch.
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Berlin-Köpenick - Urs Fischer ist in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswertes Exemplar der häufig so schwer zu verstehenden Trainer-Gilde. Nicht nur, dass der Schweizer, entgegen dem allgemeinen Trend im Profifußball, auf Ehrlichkeit und Klarheit in seinen Aussagen setzt (dafür aber sehr bewusst wählt, welche davon er auch öffentlich äußert), auch für seine Spieler bleibt der Übungsleiter des 1. FC Union stets ansprech- und dadurch greifbar. Die Causa Sebastian Polter dient nun als neuerlicher Beleg für die beeindruckende Chemie zwischen dem Übungsleiter und den Eisernen.

Die Situation war knifflig. Für die Fans des 1. FC Union gibt es keine größere Identifikationsfigur als Polter. Der hatte jedoch, auch zum Ärger mancher Anhänger, den Weg über die Berliner Morgenpost gewählt, um die Unzufriedenheit über seine aktuelle sportliche und vertragliche Situation öffentlich zu machen. Der Tenor: "Im Sommer ist Schluss mit Union." Ein absolutes No-Go, ja, wenn man die Aussagen von Vereinssprecher Christian Arbeit ("Geschlossene Arbeitsverträge sind einzuhalten.") richtig deutet, womöglich sogar ein Vertragsbruch, der sanktioniert werden könnte.

Umso entscheidener war die Art und Weise, wie der Trainer mit dem Thema umgehen würde. Eine unglückliche, womöglich sogar falsche Herangehensweise hätte die Dynamik innerhalb der Mannschaft stören können. Doch Fischer suchte aktiv das Gespräch mit dem Wechselwilligen und berichtete am Sonnabend vom Resultat der Aussprache.

Entscheidende Reaktion

"Zunächst mal", leitete der Schweizer diplomatisch ein, "kann ich es immer verstehen, wenn ein Spieler unzufrieden ist, weil er nicht regelmäßig spielt oder sich anderweitig nicht gewertschätzt fühlt. Ich war selbst Spieler und war selbst auch mal in einer solchen Situation." Doch bei allem Verständnis äußerte Fischer auch Kritik: "Die Art und Weise war nicht in Ordnung. Mit einem solchen  Alleingang bin ich nicht zufrieden. Und das habe ich ihm auch genau so gesagt."

Entscheidend war für Unions Trainer die Reaktion Polters: "Er hat mir deutlich gemacht, dass er bis zum Schluss alles für den Verein geben wird. Damit ist das Thema für mich erledigt." Wir Fischer war diese Reaktion wichtig, denn: "Im Kampf um den Klassenerhalt brauchen wir jeden. Dieses Ziel erreichen wir nur als Team." Auch deshalb ist Polter weiterhin eine Option für die kommenden Spieltage. "Seit ich hier bin, treffe ich alle Entscheidungen immer sportlich und nie aus persönlichen Gründen. Und wir alle können im Leben noch dazulernen", schloss der Fußballlehrer.

Dass die Vereinsführung, anders als Fischer, weitaus verstimmter mit der Causa Polter umgeht, zeigte indes eine weitere Aussage von Sprecher Christian Arbeit: "Niemand ist größer als der Verein." Womit er allerdings Recht hat...