Berlin - Es ist knapp eineinhalb Jahre her, als sich Michael Preetz, der Manager von Hertha BSC, auf ein seltenes Experiment einließ. Ein Journalist des Magazins 11 Freunde durfte ihn eine Saison lang hautnah begleiten und die vom Klub ausgerufene „Mission Wiederaufstieg“  authentisch dokumentieren – ohne erst einmal sein Insiderwissen preisgeben zu dürfen.  Erst nach der Spielzeit   war hernach in einer großen Reportage von der  sogenannten Schlüsselpersonalie, die den Namen Markus Babbel trug, viel zu lesen.

Preetz hatte Babbel – damals ohne Job und mit frischem Trainer-Diplom ausgestattet (Gesamtnote: gut) im Mai 2010 nach Berlin geholt. Im Magazin 11 Freunde wurde später vom inneren Zirkel folgende harmonische Geschichte erzählt: „Vor der Zweitliga-Saison hatte sich das Duo Preetz/Babbel zehn  Tage in der Geschäftsstelle verbarrikadiert. Von morgens neun Uhr bis nachts um eins wägen sie Transfers  und Personalien ab, entwickeln Pläne für die Abläufe innerhalb des Klubs, diskutieren und streiten. Ein festes Ritual der beiden wird schon bald das gemeinsame Joggen auf dem Vereinsgelände, bei dem sie den Stand der Dinge besprechen.“

Diese schöne heile Welt klingt inzwischen wie aus einer anderen Zeit. Das gemeinsame Joggen soll sich deutlich gelegt haben, ist zu erfahren. Überhaupt ist die Distanz, die zwischen den beiden Protagonisten des Wiederaufstiegs herrscht, groß geworden. An den Zukunftsplänen scheiden sich inzwischen die Geister. Selbst eine baldige Trennung vom Cheftrainer scheint möglich. Das Thema beherrscht die Diskussionen im Verein und erschwert die Konzentration auf das Wesentliche, den Kampf um den Klassenerhalt, bei dem Hertha BSC heute im Olympiastadion den in Berlin äußerst ungeliebten Rivalen FC Schalke 04 empfängt (20.30 Uhr, Sky).

Frühes Werben

Die Fakten: Als die Mannschaft unter Babbel den Wiederaufstieg souverän geschafft hatte, verlängerte sich dessen Einjahresvertrag automatisch bis Juni 2012 und alle im Verein glaubten an einen langen gemeinsamen Weg. Babbel hatte mit seiner natürlichen, ehrlichen Art schnell eine ungeahnte Aufbruchstimmung rund um den Klub geschaffen. Deshalb warb  Preetz  schon  im Oktober 2011 um Babbel und machte öffentlich, dass man gern über den Sommer 2012 hinaus mit ihm weiter arbeiten wolle.

Der Trainer aber hielt sich stets bedeckt. Er wolle sich auf eine erfolgreiche Hinrunde konzentrieren. Zeit um über seine Zukunft nachzudenken, habe er noch nicht. Dafür, so Babbel, benötige er Ruhe. Eigentlich hat er diese ab und an durchaus, denn er lebt seit Juni 2010 allein in einem Berliner Hotel. Aber er nutzte jede freie Minute, um zu seiner Familie, seiner Frau und den zwei Kindern, in seine geliebte Heimatstadt München zu fliegen. Das brauche er, um abzuschalten von der stressigen Bundesliga, sagte Babbel, als seine Vielfliegerei  Kritik hervorrief.

Preetz stellte aber schnell klar, dass die von ihm angestrebte Vertragsverlängerung nicht davon abhänge, wo der Trainer seinen Lebensmittelpunkt habe. „Das ist Quatsch!“ Der Manager rollte dem Trainer später den roten Teppich aus, sprach davon, dass „der gemeinsame Weg noch lange nicht zu Ende ist“. Auch Babbel reagierte  schließlich und machte ein Zeitfenster auf, was er später als Fehler bezeichnete. Von „zwei, drei Wochen“, sprach er Anfang November, die er für eine Entscheidung benötige.