Die unglückliche Partnerschaft zwischen den Eisbären Berlin und Cheftrainer Jeff Tomlinson wurde beendet. Stefan Ustorf, Sportlicher Leiter, sagte: „Jeff ist ein guter Trainer. Aber leider hat die Konstellation hier nicht gepasst.“ Ein wenig überraschend kam die Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt schon. Zuletzt hatte die Mannschaft in drei Spielen acht Punkte gesammelt. Wenn auch mit wenig ansehnlichen Leistungen.

Ab Donnerstag liegt es jetzt an Uwe Krupp, die Eisbären wieder so richtig auf Playoff-Kurs zu bringen. Seit seiner Entlassung bei den Kölner Haien im Oktober wurde er immer wieder als Idealbesetzung gehandelt. Allerdings gab es trotz der anhaltenden Eisbären-Misserfolge kaum Anzeichen dafür, dass zum ersten Mal seit Uli Egen im Januar 2002 ein Eisbären-Trainer während der Saison gehen muss.

Es schien vielmehr, als wolle man die Dauerkrise aussitzen. Gerne präsentieren sich die Eisbären schließlich als große Familie. Und hier jemanden wehzutun, fällt besonders schwer. Zumal Peter John Lee eingestehen muss, dass er sich bei dieser so wichtigen Personalie entscheidend vergriffen hat.

Aura eines Cheftrainers

Gerade das letzte Spiel gegen die Hamburg Freezers am vergangenen Sonntag machte aber deutlich, dass es doch ernsthafte Beziehungsprobleme in der sonst so heilen Eisbären-Welt gibt. So intensiv wie lange nicht mehr pfiffen die Fans ihre Mannschaft aus. Wie einst im Wellblechpalast vergnügte man sich mit Wasserbällen, um die Unzufriedenheit mit der Mannschaft auszudrücken. Ralf Czygan, der die Mannschaft seit Jahrzehnten als Trommler begleitet, sagte kurz vor der Trennung: „Die Mannschaft nimmt den einfach nicht ernst.“

Bereits bei der Verpflichtung Tomlinsons war eine derartige Entwicklung zu befürchten. Tomlinson, von allen Beteiligten immer nur Tommer gerufen, konnte nie wirklich die Aura eines Cheftrainers entwickeln. Vielmehr wirkte er wie der Kumpeltyp, der er bereits als Nachwuchscoach bei den Eisbären Juniors war.

Viel schlimmer aber noch: Man hatte nicht wirklich das Gefühl, dass hier ein echter Bandenchef agiert, der die Mannschaft beeinflussen kann. Zahlreiche Verletzungen behinderten die Arbeit. Für die schwachen Auftritte der jüngeren Vergangenheit, in denen es kaum noch Verletzte gab, hatte selbst er keine Ausreden mehr parat. Tomlinson wirkte wie ein Getriebener seiner Mannschaft.

Blasse Bilanz in Köln

Unter Krupp dürfte sich das ziemlich schnell ändern. Von Tomlinson trennen ihn nicht nur 21 Zentimeter an Körpergröße. Im deutschen Eishockey besitzt der gebürtige Kölner einen ungleich höheren Stellenwert. Er zählt zur überschaubaren Gruppe der deutschen Eishockeyspieler, die schon mal den Stanley-Cup ? die NHL-Meistertrophäe ? in die Höhe strecken durften. Zudem war er es, der die deutsche Nationalmannschaft rund um die Heim-WM 2010 zu den ansehnlichsten Auftritten der jüngeren Vergangenheit coachte.

Die Bilanz als Trainer in Köln wirkt hingegen blass. Zwei Mal ist er mit den favorisierten Haien im Playoff-Finale gescheitert ? 2013 gegen die Eisbären, 2014 gegen Ingolstadt. Dass die Mannschaft über diese Enttäuschungen nicht hinweggekommen ist, zeigte sich am katastrophalen Start in diese Saison. Darauf folgte Krupps Entlassung.

Nachhaltig aufpoliert

Allerdings hat der 810-fache NHL-Spieler das Image des Kölner Eishockeys doch nachhaltig aufpoliert. Pierre Pagé, der Berliner Erfolgstrainer, galt ihm dabei immer als Vorbild. Erfahrene Spieler, gerne auch mit internationaler Erfahrung, taugten dem Nachwuchs als Vorbild. Der sich in Köln in den letzten Jahren weitaus besser entwickelte als in Berlin. Für Krupp waren die Eisbären in ihren besten Jahren stets ein Vorbild für die ganze Liga. Man darf erwarten, dass er das während seiner Schaffenszeit das einstige Vorzeige-Projekt in Sachen Eishockey-Nachwuchs wiederbeleben möchte.

Allerdings dürfte dabei auch ordentlich Reibung entstehen. Uwe Krupp ist ein Macher und Machtmensch zugleich. In Köln genoss er stets große Freiheiten bei der Kaderzusammenstellung. In Berlin hingegen wird er eng mit Manager Lee und Ustorf als Sportlichem Leiter zusammenarbeiten müssen. Zumal das Verhältnis zwischen Krupp und seinem neuen Vorgesetzten nicht immer als das beste galt. Nach eine Zeit der gespielten Harmonie braucht es aber vielleicht genau das, um die Eisbären wieder in die richtige Spur zu bringen.