Bad Kleinkirchheim - Trainingslager sind bei Spielern üblicherweise verhasst. Anstrengend sind sie und meist abgeschieden gelegen. Bad Kleinkirchheim macht da keine Ausnahme, ganze zehn Tage hat sich der 1. FC Union hier in Kärnten einquartiert. Bäcker, Bergbahn, Billa. Viel mehr bietet der Ort in den Nockbergen im Frühsommer nicht. Nur ganz hartgesottene Trainerlieblinge finden es hier „sehr angenehm, weil man sich hier in Ruhe auf Fußball konzentrieren kann“.

Aber Trainingslager sind nicht nur aufgrund der sportlichen Übungsinhalte ein notwendiges Übel. Ihre besondere Wirkkraft entfalten sie abseits des Platzes. „Wir schaffen Ziele nur, wenn wir ein Gefühl füreinander entwickeln und uns kennen“, sagt Stephan Fürstner, der aus Fürther Zeiten bekanntermaßen weiß, wie ein Aufstieg in die Bundesliga gelingen kann.

Und am besten lernen sich Leute eben kennen, wenn sie jede Menge Zeit miteinander verbringen. „So ein Trainingslager ist noch etwas anderes, weil du da 24 Stunden beieinander bist. Da kommst du der Mannschaft viel näher“, sagt Marcel Hartel, der jüngste der bislang fünf Zugänge.

„Die Mannschaft ist korrekt, sie hat mich gut aufgenommen“

Für ihn gilt das gleiche wie für Grischa Prömel, Peter Kurzweg, Marc Torrejón und Akaki Gogia. Sie müssen eine Beziehung zu ihren Mitspielern aufbauen und ein Gespür für den Charakter des Teams entwickeln. Wem es in der sportlich so ausgeglichenen Zweiten Liga gelingt, von Beginn an als geschlossene Einheit aufzutreten, der hat gute Chancen, sich im ersten Saisondrittel einen Vorsprung zu erarbeiten.

Der 21 Jahre alte Hartel ist da guter Dinge: „Die Mannschaft ist korrekt, sie hat mich gut aufgenommen.“ Nach acht Bundesligaeinsätzen für den 1. FC Köln in den vergangenen zwei Jahren hofft er bei Union auf Spielpraxis. „Ich möchte sehr viel dazu lernen, die Zweite Liga kennenlernen, reifer und erwachsener werden“, sagt er.

Riskante Spielweise

Obwohl die Stammelf bis auf den abgewanderten Innenverteidiger Roberto Puncec unangetastet geblieben ist, findet Michael Parensen, dass es sich um einen „relativ großen Umbruch innerhalb der Mannschaft handelt“. Ein halbes Dutzend Kollegen hat sich verabschiedet, und es sind schließlich nicht nur die Fußballer auf dem Feld, sondern auch die Menschen in der Kabine, die das Wesen einer Mannschaft prägen. Parensen selbst ist dafür das beste Beispiel: Schon vergangene Saison war seine Rolle lediglich die einer Aushilfe. Doch auch in seinem neunten Union-Jahr geht er voran. Als erster steigt er am Montagmittag aus dem Teambus und checkt im Hotel Die Post ein. Wie Fürstner ist auch Parensen einer, an dem, sich die Jüngeren und Neuen orientieren.

Ihr Trainer Jens Keller gehört zu denjenigen, die überzeugt sind, dass sich eine Mannschaft nirgends so gut zusammenfindet, wie auf dem Fußballplatz. Teambildende Fackelwanderungen sind in den nächsten eineinhalb Wochen daher nicht zu erwarten, auch spaßiges Herabrutschen von Wildwasserbergbächen wird es nicht geben. Firlefanz. Das gemeinsame Leiden auf dem Rasen, wenn die Körper auf physische Höchstleistung getrimmt werden, das schweißt schon genug zusammen, so die Keller-Devise.

Kein Trainingslager ohne Späße und Sprüche

Darüber hinaus kann sich der Coach auf seine Spieler verlassen, die sich auch ohne sein zwanghaftes Zutun um die Integration der Neuen kümmern. „Es ist die Aufgabe der alten Spieler, alle Mannschaftsteile zusammenzufügen“, sagt Fürstner. Die jüngeren Führungsfiguren wie Steven Skrzybski und Sebastian Polter tragen ihren Teil ebenfalls dazu bei. Natürlich haben die beiden Dart-Fans eine Zielscheibe eingepackt – und Neuling Hartel hat schon eine Ahnung, worauf er sich zwischen und nach den Trainingseinheiten einstellen muss: „Die Jungs nehmen das ernst.“ Vorab hat er schon mal mit Skrzybski geübt. Ob das reicht, damit die Pfeile nicht kreuz und quer fliegen?

Ein Trainingslager wäre kein Trainingslager, wenn es ohne Späße und Sprüche auf Kosten anderer auskäme. Aber da ist Hartel nicht bange, als Kölscher Jung fühlt er sich gewappnet. „Ich bin eine lockere Person, ich nehme nicht alles ernst, was gesagt wird“, beschreibt er sich.

Geht es nach Keller, wird er diese Unbekümmertheit auch auf dem Platz zeigen. Er solle seine Spielweise durchziehen, hat Keller dem Offensivspieler vor der Verpflichtung mitgeteilt, also: das Risiko eins gegen eins oder gar eins gegen zwei eingehen, die Schnittstellenbälle spielen und den Torabschluss suchen. So eine Spielweise birgt viele Fehlerquellen. Aber sie kann zum Siegtor führen, wenn das Gefühl für die Mitspieler das richtige ist.