Stegersbach - Hertha BSC startet in die finale Phase der Vorbereitung. Und das im Rahmen eines achttägigen Trainingscamps, für das der Berliner Bundesligist schon zum vierten Mal die österreichische Marktgemeinde Stegersbach als Standort gewählt hat. Die Alpenrepublik ist für viele Teams ein gern gewähltes Vorbereitungsziel, insbesondere weil dort, neben den ausgezeichneten Trainings- und Regenerationsbedingungen, üblicherweise kühlere Temperaturen herrschen als in mancher Ebene. Der Klimawandel macht jedoch auch nicht vor dem Burgenland halt. Aufgrund der Temperaturen verschob Trainer Ante Covic die erste Übungseinheit am Mittwoch auf den frühen Abend – bei immer noch 33 Grad im Schatten.

Schweißtreibende Einheiten sind nicht nur wegen der Hitzewelle programmiert. Covic will im 2 600-Einwohner-Örtchen seinem Team den taktischen Feinschliff verpassen. Und der Fußballlehrer verschärft den Konkurrenzkampf. Er sagt: „Die Jungs wissen, dass sie hart arbeiten und dem Trainerteam etwas zeigen müssen, um sich in die Mannschaft hineinzuspielen.“

Kader auf 23 Feldspieler reduziert

Vorerst nicht mehr beweisen dürfen sich Dennis Jastrzembski, Palko Dardai, Florian Baak und Muhammed Kiprit. Die Youngsters wurden in die U23 zurückversetzt. Auch Julian Albrecht (Sprunggelenk) und Peter Pekarik (Wade) fehlen. Covic geht ab sofort mit 23 Feldspielern und drei Torhütern die Detailarbeit an: Attraktiv, offensiv, und taktisch variabel soll das blau-weiße Spiel fortan sein, der häufig behäbige Spielaufbau der vergangenen Jahre durch schnelleres Umschaltspiel ad acta gelegt werden.

Dass es noch an vielen Stellen hakt, zeigten die Testspiele bei den Zweitligisten Erzgebirge Aue (1:4) und dem VfL Bochum (1:1). Niklas Stark sieht „viele Sachen, die der Trainer verlangt“. Der Innenverteidiger weiß aber, dass sich alle bis zum Pflichtspielauftakt im DFB-Pokal am 11. August beim Regionalligisten VfB Eichstätt steigern müssen. Der Nationalspieler sagt: „Insofern ist es gut, dass wir noch einige Wochen zum Arbeiten haben.“

Preetz buhlt um Lukebakio 

Gut für Covic ist, dass der von ihm bereits angesprochene Konkurrenzkampf bei den Berlinern tobt. In der Defensive steht ihm neben Stark, Karim Rekik und Jordan Torunarigha auch Dedryck Boyata zur Verfügung. Der ablösefrei von Celtic Glasgow verpflichtete Belgier debütierte nach einer Oberschenkelverletzung in Bochum. Wegen seiner „brutalen Zweikampfstärke und seiner Ausstrahlung“, verspricht sich der Trainer noch viel Freude am 28-Jährigen.

Im Angriff geht es - auch ohne den von Preetz zur Fahndung ausgeschriebenen Rechtsaußen - noch enger zu. Mit Watfords Dodi Lukebakio, 21, der im vergangenen Jahr mit zehn Toren für Fortuna Düsseldorf seine Klasse in der Bundesliga bewies, soll sich Herthas Kaderplaner bereits einig sein. Lediglich über die Ablöse feilscht Preetz mit dem Premier-League-Klub noch. Der belgische U-21-Nationalspieler soll um die 20 Millionen Euro kosten und wäre damit der teuerste Einkauf der blau-weißen Klubgeschichte. Bereits zum Hertha-Tross in Stegersbach gehört der 18-jährige Stürmer Daishawn Redan. „Er hat eine Basis, mit der wir arbeiten können“, lobt Covic den Zugang vom FC Chelsea. 

Härtetest gegen Fenerbahce

Die Zeit des Kennenlernens ist spätestens am Donnerstag vorbei, wenn Hertha im 30 Kilometer entfernten Hartberg auf den türkischen Spitzenklub Fenerbahce Istanbul trifft. „Wir wollen das, was wir die gesamte Vorbereitung über einstudiert haben, auch unter hohem Wettkampfdruck abrufen“, erklärt Covic den Härtetest, der so oder so eine Herausforderung wird. Zur Anstoßzeit um 17.30 Uhr sind 35 Grad vorausgesagt.