Grüezi. Da sind wir wieder. In Köpenick rollt wieder das Bällchen. Oder besser gesagt: rollte. Denn schon am Sonntag verschwand Aufstiegstrainer Urs Fischer mit seinen Profis wieder aus dem Blickfeld, schlug im beschaulichen Bad Saarow bis Mittwoch sein Domizil auf. Dort absolviert der frischgebackene Bundesligist das erste von zwei Vorbereitungstrainingslagern vor dem Ligastart am 17./18. August gegen Leipzig.

Der Startschuss am Sonnabend war von ungewöhnlich großem Medieninteresse gekennzeichnet – im Vergleich zu den Vorjahren. Drei Ü-Wagen, diverse Kamerateams sowie eine illustre Anzahl altgedienter Berliner Fotografen und lokaler Berichterstatter säumten bei hochsommerlichen Temperaturen die Spielfeldränder der Trainingsplätze hinter dem Stadion. Um dem Andrang Herr zu werden, hatten die Köpenicker sogar eigens sieben Ordner engagiert. Neue Zeiten, neue Sitten.

Abdullahis Passprobleme

Der einzige, der sich aber absolut treu bleibt, ist Urs Fischer, der Trainer der Eisernen. Das Credo von der harten Arbeit bleibt sein persönliches Mantra. Sein Schichtbeginn war wie immer um 7 Uhr. „Das habe ich auch in der Schweiz immer so gemacht, als ich Trainer wurde“, meinte der 53-Jährige. Er wird, das ist schon mal klar, sich nicht verändern in seinem Stil und seiner Arbeitsweise, nur weil er jetzt in Deutschlands Eliteliga unterwegs ist.

Der Trainingsstart mit 26 Mann ließ aber manch Kiebitz staunend zurück. Wer ist denn das alles? Dabei fehlten mit Rafal Gikiewicz, Sebastian Andersson sowie Cihan Kahraman drei bekannte Gesichter, sowie mit Marcus Ingvartsen (23/Genk) ein Zugang, die alle nach ihren Länderspieleinsätzen eine Urlaubsverlängerung bekamen. Nummer fünf der Abwesenden hat mit Passproblemen zu kämpfen. Der Nigerianer Suleiman Abdullahi hängt in seiner Heimat fest, hatte es auch am Sonntag noch nicht nach Köpenick geschafft. Offenbar mahlen die Mühlen der Bürokratie in Westafrika nicht gerade rasend.

Das muntere Rätselraten (Who is who?) verstärkten natürlich die beiden zu Jungprofis beförderten Eigengewächse Maurice Opfermann und Laurenz Dehl. Erkennungsdienstfreundlich zeigte sich allein Sheraldo Becker (24, Den Haag), der mit frisch gefärbtem roten Haarstreifen im schwarzen Schopf auffiel.

Aber sonst? Es tummelten sich mit Florian Flecker (23/Hartberg), Julius Kade (20/Hertha) – der glänzte im ersten Trainingsspiel gleich mit zwei Toren und zeigte, dass er nicht zur Zählmasse gehören möchte –, Moritz Nicolas (21/Gladbach), Robert Andrich (24/Heidenheim) und Anthony Ujah (28, Mainz) sowie dem 1,89 m großen Keven Schlotterbeck (22/Freiburg) gleich sechs weitere Zugänge auf den Übungsplätze hinter dem Stadion.

Letzterer – erst am Sonnabend auf Leihbasis verpflichtet – soll die durch den Abgang von Marvin Friedrich entstandene Lücke in der Innenverteidigung schließen. Auch wenn Manager Oliver Ruhnert derzeit nach Kräften daran arbeitet, Friedrich aus Augsburg zurückzuholen. Noch liegen die Ablösevorstellungen – die Fuggerstädter fordern vier Millionen Euro – arg weit auseinander.

Weniger auseinanderliegend sind da die Erwartungshaltungen. „Jeder tippt uns als Absteiger, aber das ist wohl normal“, sagte Stürmer Anthony Ujah, der mit 109 Bundesligaspielen und 27 Toren wohl prominenteste Zugang der Eisernen. Dagegen gelte es als Team anzuarbeiten, für Überraschung zu sorgen, meint der frühere Mainzer, der in den ersten beiden Tagen andeutete, dass Union den von Fischer gewünschten Geschwindigkeitszuwachs in ihm ebenso gefunden hat wie im Niederländer Becker.

Fischer zeigte sich beim Start nach zweiwöchigem Amerika-Trip und Heimaturlaub gut erholt, voll Vorfreude und Dankbarkeit. „Es ist nicht alltäglich, dass ein Bundesliganovize noch vor der ersten Übungseinheit seinen Kader nahezu komplett hat und sich daher aufs Wesentliche – üben, üben, üben – und schon jetzt auf die taktischen Elemente konzentrieren kann. Da muss ich Oliver Ruhnert ein Kompliment machen. Der hat sich nach dem Aufstieg jeden Tag reingekniet. Es hilft uns sehr, wenn wir von Anfang an als Team komplett zusammenarbeiten können. Denn das müssen wir, um in dem neuen Terrain zurechtzukommen“, sagte Unions Chefcoach.