Durch die eine Tür kommt die Zukunft, durch die andere geht die Vergangenheit, die es beim 1. FC Union nicht geschafft hat, Gegenwart zu werden. Die Zukunft ist Collin Quaner, 23. Der Stürmer vom Absteiger VfR Aalen ist der fünfte Zugang von Union. „Es gab ein paar andere Anfragen, aber es war nicht schwer, mich für Union zu entscheiden“, sagt er. „Der Klub ist ein Arbeiterverein. Das verkörpere ich auch. Ohne Fleiß kann man nichts erreichen.“

Vergangenheit ist das Offensivtrio Uzan Tugay, 21, (nach Erfurt), Pascal Wedemann 21, und Tim Oschmann, 20, (zu Kaiserslautern II), das zeitgleich mit der Ankunft des Neuen das Stadion An der Alten Försterei verlässt. Alle drei waren mal im Trainingslager der Profis dabei, durchsetzen konnten sie sich nicht, die Auflösung der U23 brachte ihren Abschied. Die Trikots mit ihren Namen tragen sie über den Armen, als Stücke der Erinnerung. In dem regen Treiben wäre beinahe einer übersehen worden: Kenny Prince Redondo, 20, deutsch-spanischer Mittelfeldmann des Drittliga-Absteigers SpVgg Unterhaching, hat sich mit Manager Nico Schäfer getroffen.

Auch Quaner ist kaum älter als das scheidende Trio, kann aber auf eine lange Erfahrungsliste verweisen: Fortuna Düsseldorf, Arminia Bielefeld, Hansa Rostock, FC Ingolstadt und VfR Aalen. „Collin bringt viele Dinge mit, die man als Stürmer braucht. Größe, Athletik, Durchschlagskraft und Schnelligkeit“, findet Union-Coach Norbert Düwel. „Er wird uns in der Offensive unberechenbarer machen.“

„Ich habe gelernt, mental stark zu bleiben“

Sechs Tore hat der 1,91 Meter große Angreifer vergangene Saison erzielt, drei vorbereitet. Auffällig ist, dass er dann zu Form auflief, als der Druck am größten wurde. Fünf Treffer und zwei Vorlagen gelangen ihm in den letzten elf Saisonspielen, als sich die Abstiegsschlinge immer enger um den Aalener Klub zog – darunter das zwischenzeitliche 1:0 bei Union am 28. Spieltag. „Ich habe gelernt, mental stark zu bleiben“, sagt Quaner. Schon mit Bielefeld war er 2011 aus der Zweiten Liga abgestiegen, und nun mit Aalen.

Für die Zukunft soll lieber der ehemalige Arbeitgeber als Vorbild dienen, den er vor einem Jahr auf Platz zehn verlassen hat, und der nun Zweitligameister wurde. „Das Wichtigste ist, eng zusammenzurücken und auch neben dem Platz als Mannschaft aufzutreten“, sagt der Angreifer. Ingolstadt habe das gezeigt. Deshalb würde er gerne sein bisheriges Vagabundendasein aufgeben. „Mein Ziel ist es, über einen längeren Zeitraum mit einer Mannschaft zusammen zu sein“, sagt er. Der Vertrag gilt bis 2017, eine Ablöse wurde nicht bezahlt.

Die große Frage ist, ob er als Ersatz oder als Partner für Sebastian Polter kommt. Der egalisierte übrigens im April Quaners Führung kurz vor Schluss per Elfmeter. Polters Verbleib in Köpenick ist fraglich. Derzeit sieht es nicht so aus, als ob Mainz den Leihspieler freigeben möchte. Physisch ähneln sich die beiden großen und sehr athletischen Angreifer, aber das spricht aus Quaners Sicht nicht gegen die gemeinsame Arbeit. „Die Liga wird von Jahr zu Jahr stärker, deshalb hoffe ich, dass der Verein ihn halten kann“, sagt der Neu-Unioner.

Urlaub hat er nicht eingeplant, sondern sich die To-do-Liste vom Athletiktrainer abgeholt. Als Nächstes will er eine Wohnung in Stadionnähe finden, und vielleicht ein paar Tage entspannen. Denn egal, ob als Polters Partner oder als Ersatz: die Anforderungen sind hoch.