Transfercoup: Der 1. FC Union holt Siebatcheu als Nachfolger von Awoniyi

Die Eisernen schließen die Lücke im Angriff mit dem Klassemann von den Young Boys Bern. Zudem vermeldet der Klub die Vertragsverlängerung mit Sheraldo Becker.

Von Bern nach Berlin: Theoson-Jordan Siebatcheu.
Von Bern nach Berlin: Theoson-Jordan Siebatcheu.imago/Geisser

Der 1. FC Union Berlin hat offenbar einen exquisiten Ersatz für Taiwo Awoniyi gefunden, für den Stürmer, der von einer Ausstiegsklausel in seinem Vertrag mit dem Bundesligisten Gebrauch gemacht hat und künftig das Trikot des Premier-League-Klubs Nottingham Forest tragen wird. Bei dem Nachfolger des Nigerianers handelt es sich um Theoson-Jordan Siebatcheu.

Der 26-Jährige spielte zuletzt für den BSC Young Boys, avancierte in der vergangenen Saison mit 22 Toren in 32 Ligaspielen zum Torschützenkönig der Schweizer Super League und soll dem Vernehmen nach rund sechs Millionen Euro kosten. Womit er nach Awoniyi, der für 6,5 Millionen Euro von Liverpool gekommen war und für 20 Millionen Euro zu Forest gegangen ist, der zweitteuerste Spieler in der Geschichte des Klubs wäre. Es sei denn, es werden im Erfolgsfall Boni-Zahlungen fällig, dann wäre Siebatcheu in dieser Kategorie schließlich sogar die Nummer eins.

Nicht ganz so wuchtig wie Awoniyi, aber filigraner

Das Boulevardblatt Blick hatte zuerst über den Vorgang berichtet. Siebatcheu, der für Frankreich im Jahr 2017 zwei U21-Länderspiele bestritten hat, sich später aber dazu entschloss, als Senior für die amerikanische Nationalmannschaft spielen zu wollen, wird am Donnerstag in Berlin zum obligatorischen Medizincheck erwartet. Über die Laufzeit des Kontrakts wurde nichts bekannt, was bei den Eisernen schon eine gewisse Tradition hat.

Der Transfer darf fraglos als Coup bezeichnet werden, weil Siebatcheu seit seinem Wechsel von Stade Rennes nach Bern im Sommer 2020 eine bemerkenswerte Entwicklung vollzogen hat und dies natürlich nicht unbemerkt blieb. Der Transfer zeigt aber auch, dass Unions Kaderplaner Oliver Ruhnert für den Fall eines Abschieds von Awoniyi schon längst wieder vorgesorgt hatte. Womöglich ist das hier sein nächster großer Wurf.

Siebatcheu jedenfalls ist, wie die Schweizer Kollegen bestätigen und wie sich in der vergangenen Saison bei den Aufritten der Young Boys in der Champions League (sechs Einsätze, zwei Tore) gezeigt hat, ein Klassestürmer. Vielleicht nicht ganz so wuchtig wie Awoniyi ist er, aber filigraner im Umgang mit dem Ball, noch einen Tick beweglicher und nahezu beidfüßig, wenngleich er mit seinem rechten Fuß noch etwas klarer im Abschluss ist.

Auch Ligakonkurrent Borussia Dortmund soll sich ja ausführlich mit dem 1,90 Meter großen, in Washington D.C. geborenen Stoßstürmer beschäftigt haben, entschied sich letztlich aber gegen Siebatcheu und für Sébastian Haller, der vor wenigen Tagen für 31 Millionen Euro von Ajax Amsterdam zu den Schwarz-Gelben wechselte. Der Preisunterschied ist in Anbetracht der durchaus ähnlichen Qualitäten beider Stürmer vor allen Dingen eins: ein Witz – bei dem vielleicht am Ende nur die Eisernen lachen.

Noch eine gute Nachricht für die Anhänger

Übrigens brachten die Eisernen für ihre zahlreichen Anhänger am Mittwoch noch eine weitere gute Nachricht in die Welt. Sie lautet: Sheraldo Becker hat seinen an sich bis in den Sommer 2023 datierten Vertrag verlängert. Um wie viele Jahre, bleibt allerdings (siehe Siebatcheu) das Geheimnis der beiden Parteien.

„Ich fühle mich bei Union wirklich sehr wohl. Wir haben in den letzten Jahren Unglaubliches zusammen erreicht, und gemeinsam mit dem Verein und der Mannschaft habe auch ich mich weiterentwickelt. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit“, sagte der Stürmer, der im Besonderen in der Rückrunde mitunter herausragende Leistungen auf den Platz brachte und demzufolge auch das eine oder andere Angebot vorliegen hatte. Aber nein, Becker bleibt, und könnte mit Siebatcheu ein Angriffs-Duo bilden, das in der kommenden Saison in Sachen Unberechenbarkeit und Durchschlagskraft sogar das Duo Awoniyi-Becker übertrifft.