Schladming - Pal Dardai bleibt sich treu. Seitdem der Ungar Anfang Februar 2015 das Amt des Cheftrainers bei Hertha BSC übernahm und die Profis betreut, setzten die Berliner konsequent auf die Jugend. Seine Handschrift ist auch im zweiten Trainingslager zu erkennen: In Schladming mischen gleich vier Spieler des Jahrgangs 1999 im Bundesligakader mit. Arne Meier, Florian Baak, Julius Kade und Dardais ältester Sohn Palko. Sie alle bekamen zu ihrem 18. Geburtstag Profi-Verträge. Zu den Heranwachsenden pflegt Dardai seit seiner Zeit als U15-Trainer ein besonderes Verhältnis, bezeichnet die Talente gerne alle als seine „Söhne“.

Als Nachfolger von Jos Luhukay rettete Dardai in weniger als einem halben Jahr seinen Herzensverein vor dem dritten Abstieg innerhalb von fünf Jahren. Auch, weil er relativ kompromisslos auf seinen Stil setzte. Sinnbildlich spielte der niederländische Abwehrhaudegen John Heitinga, den Luhukay noch ein halbes Jahr vor seiner Entlassung an die Spree lotste, unter Dardai genau dreimal. Danach ging Heitinga zurück in die Heimat zu Ajax Amsterdam, wo er nach sechs Monaten seine Karriere beendete.

Flink zu Fuß

Hertha hingegen verjüngte sich fortan stetig. Dardai denkt bei Zugängen immer an deren Entwicklungspotenzial. Ein Weg, der für einen Klub wie Hertha BSC mit überschaubaren finanziellen Mitteln fast alternativlos ist. Den einzigen Ü30-Spieler, den Manager Michael Preetz jemals in Dardais Amtszeit verpflichtete, ist der heutige Kapitän Vedad Ibisevic, der in Stuttgart auf das Abstellgleis geraten war.

Auch in diesem Sommer ist das Schema deutlich zu erkennen. Mit Valentino Lazaro wird heute mit größter Wahrscheinlichkeit der fünfte Zugang einen blau-weißen Vertrag unterschreiben. Sein Alter: 22. Bereits zuvor verpflichteten die Berliner die gleichaltrigen Karim Rekik (Marseille) und Davie Selke (RB Leipzig) sowie den 20 Jahre jungen Jonathan Klinsmann (Berkeley). Nur Mathew Leckie (Ingolstadt) tanzt mit 26 Jahren ein wenig aus der Reihe. Dafür ist der australische Flügelspieler flinker zu Fuß, als alle zuvor genannten.

Herthas Ruf als Talentschmiede spricht sich rum

Bereits seit Wochen wird Lazaro als Wunschspieler von Pal Dardai gehandelt. Jetzt bekommt er ihn. Der vielseitig einsetzbare Mittelfeldmann wechselt von RB Salzburg nach Berlin. Dass der Transfer sich so lange hinzog, hatte verschiedene Gründe. Zunächst lagen die Vereine bei den Ablösevorstellungen deutlich auseinander. Salzburg soll acht Millionen Euro für den österreichischen Nationalspieler gefordert, die Berliner wohl eher die Hälfte geboten haben. Preetz konnte die Sache dennoch ruhig angehen, denn Lazaro positionierte sich früh. „Valentino will in die Bundesliga, speziell zu Hertha BSC mit Trainer Pal Dardai. Aus unserer Sicht ist das der richtige Schritt für ihn, damit er sich weiterentwickelt.“, sagte sein Berater Max Hagmeyer vor über einem Monat.

Es scheint, als habe sich Herthas Ruf als Talentschmiede inzwischen auch außerhalb der Bundesliga rumgesprochen. Unter Dardai bekommen Nachwuchskräfte wie Maximilian Mittelstädt, 20, und Jordan Torunarigha, 19, die Chance sich im Profigeschäft zu beweisen. Oft macht Dardai junge Spieler besser, oder wie im Fall von Marvin Plattenhardt sogar zu Nationalspielern.

Bisher hat sich kein Spieler verletzt

Neu ist hingegen, dass Lazaro zunächst nur ausgeliehen wird. Der Sohn einer Österreicherin und eines Angolaners hatte während den Verhandlungen und unter den Augen von Dardai beim Ösi-Cup-Finale gegen Rapid Wien (2:1) am 1. Juni einen Schlag abbekommen. Lazaro biss auf die Zähne, spielte weiter und erzielte das Siegtor. Vor zwei Wochen untersuchte Hertha-Arzt Ulli Schleicher Lazaro das erste Mal in Berlin, stellte einen Außenbandriss im Sprunggelenk fest und empfahl Lazaro eine Auszeit von mehreren Wochen. Auch Branchen-Guru und DFB-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt bestätigte Schleichers Diagnose. Am Dienstag untersuchte Schleicher Lazaro erneut und gab grundsätzlich grünes Licht. Deswegen das unübliche Vertragskonstrukt. Lazaro wird geliehen, bei vollständiger Fitness greift aber eine Kaufpflicht, die bei vier bis fünf Millionen Euro liegen soll.

Dass die Berliner die Alarmglocken läuten hörten, hat gute Gründe. In der Vergangenheit mussten sie öfter mitansehen, wie sich hoffnungsvolle Zugänge direkt in den Krankenstand verabschiedeten, zuletzt Stürmer Selke. Der mit achteinhalb Millionen Euro teuerste Transfer der 125-jährigen Vereinsgeschichte verletzte sich im Training und verpasst den Saisonstart. Mindestens. Im Jahr zuvor verletzte sich Ondrej Duda, der für vier Millionen von Legia Warschau kam. Erst verpasste der Slowake die Hinrunde mit Problemen an der Patellasehne, dann bremste ihn ein Muskelfaserriss. Duda machte in seiner ersten Saison drei Spiele.

2015 kam Mitchell Weiser von den Bayern, zog sich in der Vorbereitung in Schladming eine Innenbanddehnung zu, die ihn vier Wochen zurückwarf. Beim nächsten Lazarus haben sich die Berliner abgesichert. Lazaro soll Ende August fit sein. Bleibt er gesund, könnten die Fans Gefallen am spielfreudigen und torgefährlichen 22-Jährigen finden. Und noch eine gute Nachricht für Herthas Anhänger: Bisher hat sich beim Training in der Steiermark kein Spieler verletzt.