Bei der Siegerehrung: Emma Hinze, Pauline Grabosch und Lea Sophie Friedrich feiern ihre Goldmedaille. 
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BerlinNach der rasanten Fahrt ins Regenbogentrikot fielen sich die Golden Girls mit der Deutschland-Fahne jubelnd in die Arme: Mit vereinten Kräften hatten Emma Hinze, Pauline Grabosch und Lea Sophie Friedrich den ersten WM-Titel in dieser Disziplin seit dem folgenschweren Unfall von Kristina Vogel im Jahr 2018 gewonnen und den deutschen Fahrern bei der Bahnrad-WM in Berlin einen Traumstart beschert. In Finale ließen Hinze und Grabosch in 32,163 Sekunden dem Team aus Australien (32,384) keine Chance. „Es ist sicher überraschend. Hätte mir das jemand vor zwei Jahren gesagt, hätte ich ihm den Vogel gezeigt“, sagte Bundestrainer Detlef Uibel: „Die Mädels sind von heute auf morgen mit der Verantwortung relativ gut klar gekommen. Ich bin stolz, dass sie miteinander arbeiten und nicht gegeneinander.“ 

Wie gut der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) das Karriereende Vogels und ihrer früheren Team-Kollegin Miriam Welte kompensiert hat, bewies vor allem Hinze. Die 22-Jährige sicherte die Qualifikation für das Finale um Gold mit einer beeindruckenden Schlussrunde, die selbst Vogel nicht gelungen war. „So schnell ist auf dieser Position noch nie eine Frau gefahren. Das war richtig schnell, richtig stark gefahren“, sagte Uibel. Im Finale war auf sie erneut Verlass. Bronze ging an Russland, das überraschend den Endlauf um Gold verpasst hatte.

Männer-Vierer qualifiziert sich für Tokio

Zufrieden war Uibel auch mit dem Auftritt der Männer. Stefan Bötticher (Chemnitz), Eric Engler (Cottbus) und Maximilian Levy (Berlin) räumten als Sechste letzte Zweifel an der Olympia-Teilnahme aus. „Das war das Minimalziel, wir haben das gut gelöst. Es ist ein gutes Ergebnis“, sagte Uibel. Für einen Höhepunkt sorgten in der Vorschlussrunde die Niederlande, die den Weltrekord auf 41,275 Sekunden verbesserten. Die alte Bestmarke (41,871) hatte ein deutsches Trio im Dezember 2013 in Mexiko aufgestellt. Den Titel veredelten die Oranje-Fahrer mit einem erneuten Weltrekord im Finale (41,225).

Der wiedererstarkte Vierer der Männer fuhr in der Qualifikation in 3:50,304 Minuten deutschen Rekord und löste zugleich das Ticket für Tokio. „Es ist eine Last abgefallen“, sagte Bundestrainer Sven Meyer. Am Ende musste sich das Quartett Felix Groß (Feuchtwangen), Theo Reinhardt (Berlin), Nils Schomber (Neuss) und Domenic Weinstein (Villingen-Schwenningen) mit Rang sieben begnügen. Eine überragende Leistung zeigten die mitfavorisierten Dänen, die auf dem Weg ins Finale ihren wenige Stunden zuvor aufgestellten Weltrekord nochmals auf 3:46,203 Minuten verbesserten.

Wechselfehler beim Frauen-Vierer

Der Vierer der Frauen beendete die Qualifikation in 4:15,477 Minuten auf Rang sieben. Das Quartett mit Franziska Brauße (Öschelbronn), Lisa Brennauer (Durach), Lisa Klein (Saarbrücken) und Gudrun Stock (München) zeigte lange einen konstanten Lauf, ein Wechselfehler am Ende sorgte allerdings für Chaos. „Die Form stimmt eigentlich. Ich hoffe, dass wir zeigen können, was wir draufhaben“, sagte Brennauer. Auch die Frauen starten im Sommer in Tokio. Im nicht-olympischen Scratch-Rennen der Frauen siegte zum dritten Mal Kirsten Wild. Für die Niederländerin war es der insgesamt siebte WM-Titel. Die 19-jährige Charlotte Reißner (Gera) belegte den 16. Platz.