Hertha-Kapitän Vedad Ibišević war in Freiburg in seinem Element, diskutierte mit dem Schiedsrichter und erzielte ein Tor. 
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Freiburg/BerlinVedad Ibišević hat in Freiburg Geschichte geschrieben. Für keinen anderen Klub erzielte der Bosnier in seiner Karriere mehr Tore als für Hertha BSC. Sein verwandelter Elfmeter zum zwischenzeitlichen 1:1 war sein 44. Bundesligatreffer für die Berliner. Insgesamt traf der Mittelstürmer nun 126-mal in der höchsten deutschen Spielklasse. Freude über seine neue blau-weiße Bestmarke kam bei Ibišević trotzdem nicht auf. „Es ist traurig und schade um unsere gemeinsame Arbeit“, sagte er nach der 1:2-Niederlage beim SC Freiburg, „wir haben viel investiert, uns aber mit individuellen Fehlern das Leben schwer gemacht.“

Tatsächlich präsentierte sich das durch viele Ausfälle dezimierte Team von Trainer Bruno Labbadia im Vergleich zur 1:4-Heimpleite gegen Eintracht Frankfurt wieder verbessert. Hertha agierte mit den Breisgauern, die noch um die Teilnahme an der Europa League kämpfen, lange Zeit auf Augenhöhe und sah sich durch den strammen Schuss von Dodi Lukébakio aus 20 Metern in den Winkel schon auf der Siegesstraße (52.).  Doch weil der Video-Assistent in der Entstehung des Angriffs ein Foulspiel von Vladimír Darida an Jonathan Schmid erkannt hatte, nahm Schiedsrichter Tobias Stieler nach Ansicht der Bilder das Tor zurück. Statt 1:0 stand es nur zehn Minuten 0:1 aus Berliner Sicht, nachdem Torhüter Rune Jarstein einen nicht unhaltbaren Freistoß von Vincenzo Grifo nur an, statt um den Pfosten lenkte.

„Wir haben die Fehler gemacht in Phasen, in denen wir voll am Drücker waren“, ärgerte sich Labbadia. Die Enttäuschung sei groß: „Jeder Spieler in der Kabine wusste, dass wir das Spiel eher für uns entscheiden mussten. Aber die Fehler waren da, deswegen sind wir enttäuscht.“ Der zweite unterlief Darida, als er nur fünf Minuten nach Ibiševićs Rekordtreffer den Ball am eigenen Strafraum vertändelte und Nils Petersen zum Siegtreffer einlud. „Wir probieren einen Spielstil an den Tag zu legen, indem die Spieler dazu aufgefordert sind, mutig zu sein“, erklärte Labbadia, „das waren falsche Entscheidungen. Das gehört dazu.“ Fußball sei nun mal ein Fehlerspiel. 

Sieben Tore auf Élber 

Drei Niederlagen in Serie stehen bei Hertha nun zu Buche. Mit den beiden noch ausstehenden, schweren Spielen gegen Leverkusen und in Mönchengladbach droht der Hauptstadtklub mit fünf Pleiten in die Sommerpause zu gehen – und noch vom Stadtrivalen 1. FC Union in der Tabelle überholt zu werden. 

Hertha kämpft also gegen den Trend. Ibišević, der im August 36 Jahre alt wird, wiederum um einen neuen Vertrag.  Dabei treibt ihn auch die Jagd nach einem weiteren Rekord an. Giovane Élber rangiert in der ewigen Torschützenliste der besten Ausländer der Bundesliga mit 133 Toren auf Rang drei, nur Claudio Pizarro (197) und Robert Lewandowski (233) trafen noch häufiger. Er sei auch überrascht, „dass es immer wieder für 90 Minuten reicht“, erklärte Ibišević, der zuvor 43-mal für die TSG Hoffenheim, 33-mal für den VfB Stuttgart und sechs Tore in jungen Jahren für Alemannia Aachen erzielte.

Ob der Routinier tatsächlich noch mal einen neuen Vertrag bekommt, schloss Manager Michael Preetz zuletzt genauso wenig aus wie die Weiterbeschäftigung von Peter Pekarík, 33, dessen Arbeitspapier ebenfalls ausläuft, aber unter Labbadia zu den Stammspielern zählt. „Wir haben uns wiedergefunden. Es macht wieder Spaß“, erklärte Ibišević den Labbadia-Effekt nach einer turbulenten Saison, der trotz der Niederlage auch in Freiburg auszumachen war.