Berlin - Als Johannes Thiemann bei noch 4:44 Minuten im letzten Viertel auf die Bank ging, hätte sich unter normalen Umständen jeder Zuschauer von seinem Sitz erhoben und applaudiert. Praktisch im Alleingang hatte der Center das Spiel im letzten Viertel gegen Panathinaikos Athen gedreht und Alba Berlin mit 64:57 in Führung gebracht. 14:4 stand es im Duell Thiemann gegen Athen, dabei vier Dreier in 2:22 Minuten versenkt und die Vorarbeit für das geleistet, was seine Mitspieler nachhause brachten: den 74:65-Sieg in der Euroleague.

Offensichtlich aber ist Alba Berlin eine Mannschaft, der zu lange Spielpausen gar nicht gut bekommen. Wie sonst konnte man nach sechs spielfreien Tagen eine erste Halbzeit erklären, bei der der 28:34-Rückstand noch eins der positiven Dinge im Spiel waren. Neben der Tatsache, dass bei diesem knappen Ergebnis nach dem Seitenwechsel praktisch noch alles möglich war, zählten die hundertprozentige Freiwurf- sowie die gute Zweierquote (57,1 Prozent) zu den Dingen, die im Spiel der Berliner zu gefallen wussten.

Alba Berlin mit schlechten Wurfquoten

Die anderen Zahlen aber drückten das aus, was Alba Berlin bis dahin fehlte: Rhythmus. Nur zwei von 15 Dreierversuchen gingen rein, neunmal wurde der Ball im Angriff vertändelt, weder Maodo Lo noch Peyton Siva oder Jonas Mattisseck konnten eine Struktur in das Berliner Offensivspiel bringen. Korberfolge resultierten zumeist aus Einzelaktionen, nur fünfmal ging ihnen ein Pass eines Mitspielers voraus. Dabei ist doch Alba Berlin mit 19,92 Assists pro Partie das zweitbeste Team der Euroleague, wenn es um das Verteilen von direkten Vorlagen für die Mitspieler geht.

Dahingehend erinnerten die ersten beiden Alba-Aktionen im dritten Viertel an den Basketball, den die eigenen Fans so schätzen. Aus guten Pässen resultierten zwei Berliner Distanztreffer. Plötzlich fielen die Dreier, lief der Ball gut durch die eigenen Reihen und wurden weniger Fehler produziert. Die Folge: Mit einem knappen 50:53-Rückstand ging es in die Schlussminuten. Und dann startete Johannes Thiemann sein Privatduell, für das er am Ende zwar nicht von Zuschauern in der Halle, aber von den Teamkollegen ausgiebig gefeiert wurde.