Trend Floorball: Schneller Teamsport, der am schnellsten wächst

Also Jungs, wir haben das so gewollt“, beginnt Jan Kratochvil seine Trainingsansprache. „Die Red Devils sind keine Übermannschaft. Die sind ausrechenbar“, schwört der Coach des Floorballbundesligisten BAT Berlin sein Team auf das nächste Pokalspiel ein.

Er zeigt den Spielern mit Hilfe einer weißen Taktiktafel, wie der Gegner aus Wernigerode zu überlisten ist. Rund 20 junge Männer stehen vor ihm, hören zu, fragen dazwischen, hüpfen von einem Bein aufs andere, so, als könnten sie es nicht abwarten, es gleich mal auszuprobieren. Wenige Minuten später zappelt der Ball nach schneller Kombination und straffem Schuss im Tor. „So kann's gehen“, freut sich der Spielertrainer und schickt die nächste Formation aufs Feld.

Beim Floorball jagen fünf Feldspieler mit einem Karbonschläger einem 23 Zentimeter kleinen, durchlöcherten Kunststoffball hinterher, um ihn in einem Tor in Eishockeyformat unterzubringen. Das schnelle Spiel, das vor allem Elemente des Eishockeys übernahm, wurde unter dem Namen Uni-Hockey bekannt und gehört zu den schnellsten und am schnellsten wachsenden Teamsportarten der Welt.

Rund 10.000 Spieler

In Deutschland gibt es rund 10.000 lizenzierte Floorballspieler. In Berlin hatten Studenten der FU Berlin 1994 den 1. Floorball Club gegründet und sich kurz darauf der SG BA Tempelhof-Schöneberg, kurz BAT, angeschlossen. An diesem Wochenende will das Team von Kratochvil Historisches schaffen: „Wir wollen deutscher Pokalsieger werden“, sagt er.

Sein Team gehört zu den vier Vereinen, die am Sonnabend und Sonntag in der Sömmeringhalle den begehrten Pokal ausspielen. Ein solch wichtiges Turnier in dieser jungen Sportart hat es in Berlin noch nie gegeben.

Der Grund: Die Floorballmusik wird in anderen Bundesländern gespielt, vor allem im Osten, wo es die meisten Spitzenvereine gibt. Erster Gegner für die Berliner ist am Sonnabend in der Sporthalle in Charlottenburg (17 Uhr) der aktuelle Bundesligadritte Wernigerode.

Von der Papierform her eine klare Angelegenheit für die Harzer, denn Berlin steht derzeit nur auf dem neunten Platz. Aber: „Wir haben Wernigerode in der Hinrunde zu Hause geschlagen. Das macht uns Mut“, sagt Keeper Tom Nebe.

Dass sich Berlin in diesem Jahr überhaupt für die Endrunde qualifiziert hat, ist eine besondere Geschichte. Im vergangenen Jahr hatte BAT eine unerwartet erfolgreiche Saison. Obwohl das Team durch den Weggang mehrerer wichtiger Spieler stark verjüngt wurde, hatte es in der Bundesliga den Sprung bis ins Halbfinale der Play-offs geschafft und stand zudem im Pokalfinale. Der Gegner damals – der 13-fache Meister Weißenfels – ging im ersten Drittel standesgemäß mit 4:0 in Führung. Doch dann drehten die Berliner auf, schafften das 4:4, das 5:5 und standen plötzlich in der Verlängerung – die Pokalsensation vor Augen. „Doch dann haben wir durch ein Eigentor unglücklich mit 5:6 verloren“, sagt Kratochvil.

Fällt der Zuschauerrekord?

Sie hätten am liebsten die Zeit noch einmal zurückgestellt. Alles auf Anfang, um es dann besser zu machen. Aber wie? Eine kleine List half: Sie bewarben sich um die Austragung des Final Four in diesem Jahr. Denn der Gastgeber ist automatisch für die Endrunde qualifiziert. Die erste Hürde ist genommen. „Nun Wernigerode schlagen – und im Endspiel ist alles möglich“, sagt Kratochvil.

Beinahe wäre die Pokalendrunde aber noch geplatzt. „Wir fanden keine passende Halle, die mindestens 2 000 Zuschauer fassen muss,“ erklärt Kratochvil. Sechs Monate lang hatten sie gesucht und sich gleich mehrere Absagen eingefangen. „Das war frustrierend“, erinnert sich der Coach. Doch schließlich erhielten sie die Zusage für die Sporthalle in der Sömmeringstraße.

Im Floorballverband und bei den teilnehmenden Vereinen ist man nicht minder froh, dass es mit dem Turnier in Berlin nun doch klappt. Ein Floorballfest in der Hauptstadt, „das wird unseren Sport weiter pushen“, glaubt Keeper Nebe. Die Region Berlin und Brandenburg habe sich mit 14 Vereinen und rund 800 Spielern in den vergangenen Jahren als eines der Floorballzentren etabliert, sagt der Präsident des Verbandes Floorball Deutschland, Jan Hoffmann: „Nun ist es an der Zeit, dass wir den Sport in Berlin auf die große Bühne heben.“

Dafür haben sich die Ausrichter neben den Pokalspielen ein buntes Rahmenprogramm zusammengestellt. Geplant sind etwa ein Floorballmatch zwischen Eishockeyspielern und Floorballern, ein Nachtturnier für Hobbyspieler, ein Talentepokal und von Nationalspielern geleitete Workshops. Am Sonntag dann die Finals, bei den Herren „am besten mit Berliner Beteiligung“, hofft Kratochvil. Vor allem dann sollte ein weiterer Traum in Erfüllung gehen: „Wir hoffen, dass wir zu den Finals die magische Zahl von 2 000 Zuschauern erreichen.“ Das wäre deutscher Floorballrekord.“