Treue Mitglieder von Hertha BSC: Eiserne Hochzeit mit Hertha

Die Liste war lang. 27 Herthaner wurden auf der Mitgliederversammlung für 25 Jahre Vereinstreue geehrt, feierten sozusagen Silberne Hochzeit mit ihrem Lieblingsklub. Andreas Kersten, einer der Jubilare, sagte in einer kurzen Rede: „Ich habe kürzlich mit meinem Vater dessen 90. Geburtstag gefeiert. Ich habe gesagt: Papa, ich bin ein wenig neidisch. Du konntest zu Lebzeiten zwei Deutsche Meisterschaften mit Hertha feiern. Das will ich auch. Aber bis zum 90. Geburtstag habe ich ja noch Zeit…“

Sein Alter verriet Kersten dem Auditorium in der Messehalle 20 nicht. Interessant, so ging mir durch den Kopf, wäre eine Statistik, ob die treuen Herthaner auch im Privatleben ihren Frauen oder Freundinnen so lange treu geblieben sind. Oder scheiterten gerade Beziehungen und Ehen wegen der unbändigen Zuneigung der Männer zu ihrer Herzensdame namens Hertha?

40 Jahre Mitgliedschaft

Sei es wie es sei: Es folgten fünf Herthaner, die 40 Jahre ihre Mitgliedsbeiträge einzahlen, also die Rubin-Hochzeit feierten mit der Hertha. Mächtig gewaltig! Woher kommt nur diese Treue? Sind diese Anhänger nie fremdgegangen? Etwa mit Tennis Borussia, Hertha Zehlendorf (das würde ja noch gehen!), Tasmania oder gar mit dem 1. FC Union in Köpenick?

Neun Herthaner waren 50 Jahre mit dem Klub innig verbunden, also die Goldene Hochzeit. Die zu erreichen, wünschen sich ja viele Ehepaare im Privatleben – und das bei möglichst bester Gesundheit. Doch es gab beim Treff in der Messehalle beim inzwischen auf 32.800 Mitglieder angewachsenen Verein noch eine tolle Steigerung in Sachen Liebe und Treue. Manfred Lunk ist 60 Jahre dabei (Diamantene Hochzeit!!!) und Dr. Günter Schüler sowie Bernd Bröde feierten die Eiserne Hochzeit mit Hertha, sind 65 Jahre Mitglied! Also seit 1950!

Was haben die beiden nicht alles erlebt! Was haben sie erdulden müssen mit ihrer Alten Dame? Es gab viel Freude, aber auch Krach und Leid und vielleicht auch mal kurzzeitige Trennungsgedanken. Dr. Schüler, der erste promovierte Spieler in der 1963 geschaffenen Bundesliga, war als 16-jähriger bei Hertha eingetreten. Zwischen 1952 und 1963 spielte er 233 Mal in der Oberliga Berlin für Hertha und kam 1963/64 zu einem Bundesligaeinsatz – beim 3:2-Sieg gegen Saarbrücken. Hans-Günter Schimmöller, Hans-Joachim Altendorff, Helmut Faeder, Carl-Heinz Rühl und Uwe Klimaschefski hießen einige seiner Mitspieler gegen Saarbrücken. Dr. Schüler war später als Oberarzt an einer Berliner Klinik tätig.

Und Bernd Bröde spielte für die Erste Amateurmannschaft von Hertha. Einer, der beide Jubilare kennt, ist Lothar Heinze. Der wurde schon 2014 für 65 Jahre Hertha geehrt und war 2004 zudem „Herthaner des Jahres“. „Das ist schon eine große Liebe zu einem Verein“, sagte mir Heinze (80), „die wird immer bleiben! Die ist sehr stabil und nicht zu erschüttern.“ Lothar Heinze hatte einst auch mit Schüler und Bröde einige Male zusammen gespielt. Was hat ihre Liebe zu Hertha nicht alles aushalten müssen!

Der Skandal von 1971

Sechs Abstiege aus der Ersten Bundesliga, davon ein Zwangsabstieg wegen Zahlung überhöhter Gehälter und Handgeld. Den Bundesligaskandal 1971, die unsägliche Relegation 2012 in Düsseldorf. Trainerentlassungen in Serie, Geldprobleme und Zittern um die Lizenz… Der Treue zum Partner konnte all das nichts anhaben. Ein Phänomen.

Aber es gab ja auch einiges zu feiern: Berliner Meisterschaften, oft sofortige Aufstiege nach den Abstiegen, die Vizemeisterschaft 1975, den Einzug ins Uefa-Cup-Halbfinale 1979 oder die Champions League 1999/2000, den Ligapokal, den Schwarzwaldcup…

Manchmal, das weiß auch Lothar Heinze ganz genau, wurde die innige Beziehung zu Hertha arg strapaziert. Doch wer dann die Eiserne Hochzeit feiern kann, der besitzt Durchhaltevermögen, Nerven wie Drahtseile, eine stabile Gesundheit, ein sehr großes Herz und eben einen tollen Partner. Schön, dass es solche Leute gibt. Glückwunsch auch von mir!
Darauf ein eisernes Ha-Ho-He!