London is calling. The Loftus Road. Seit 1917 die Heimat des englischen Zweitligisten Queens Park Rangers. Um 16.45 Uhr machte sich am Freitag der Flug BA 985 von Tegel auf den Weg nach Heathrow. Mit an Bord die Kicker des 1. FC Union, die am heutigen Sonnabend um 14.30 Uhr Ortszeit ihr finales Vorbereitungsspiel für die am 5. August beginnende Zweitligasaison bestreiten. Die Vorfreude beim Union-Anhang war   schon bei der Bekanntgabe des Kicks riesig. Ein Spiel im Mutterland des Fußballs! Fußballherz, was willst  du mehr?

Etwas mehr als 1 500 Tickets gingen direkt in Köpenick über den Ladentisch. Zahlreiche Fans hatten sich zuvor schon   beim englischen Meisterschaftszweiten  von 1976 eingedeckt.  Das Einzige, was die Vorfreude ein klein wenig trübte, war die Tatsache, dass Londons Polizeibehörden den geplanten Fanmarsch von der Hammersmith Station hin zum Shepard’s Bush untersagte. Der Prudential Ride, ein weltweit beachtetes Radsportrennen, beschäftigt die Ordnungskräfte vollauf. Da noch deutsche Fans begleiten zu müssen, kam für die Bobbys nicht mehr in-frage. Schade. Und doch wird das Stadion an der Loftus Road in ein kräftiges Rot getaucht werden. 

Wahrgewordener Traum

Nun wird ein Traum wahr für viele Anhänger. Mit internationalen Spielen waren die Eisernen ja nicht  gesegnet. Da besteht Nachholbedarf in den Köpfen. Ihre zu DDR-Zeiten einzige wirkliche Europacup-Teilnahme machte 1968 der Prager Frühling zunichte. Der Überraschungs-FDGB-Pokal-Sieger durfte nicht gegen FK Bor ran, weil die Uefa  die Auslosung streng nach West-Ost-Blockgesichtspunkten wiederholte. Die Partie gegen den neu zugeteilten Gegner Dynamo Moskau fand nicht statt, weil alle Klubs aus dem Ostblock auf Druck von sowjetischer Seite her den Europapokal in der Spielzeit dann boykottierten.  Dabei waren die Eintrittskarten für den Kick gegen Lew Jaschin und Co. bereits gedruckt.

Die Liebe zum britischen Fußball ist bei den Rot-Weißen jedenfalls riesig. Das weiß auch Sebastian Polter, der ja  selber für knapp zwei Spielzeiten das Trikot der Super Hoops (Super-Reifen) trug. „England ist einfach geil, das ist nicht vergleichbar mit deutschen Stadien. Du bist als Fan viel näher dran an den Spielern. Was auch für uns Spieler richtig geil ist, weil du die Fans direkt hinter Bande sitzen hast. Man könnte sich direkt mit denen umarmen. Das ist was Besonderes. Auswärts kann das aber durchaus mal das ein oder andere Wortgefecht geben, wo ein Fan dich beschimpft oder beleidigt. Damit muss man auch umgehen können, aber generell ist das schon geil“, sagte der 27-Jährige, der sich natürlich auch darauf freut, seinen Spezi Toni Leistner wiederzusehen. Der wechselte diesen Sommer ja zu den Super Hoops.  Für Profis ist die Insel nach wie vor ein Paradies. „Man kann da ein paar Cent mehr verdienen, so ehrlich muss man schon sein“, meinte Polter.

Besondere Bierregeln

Auf einige Besonderheiten müssen sich die Unionfans übrigens dabei einstellen. Mit dem Rauchverbot werden nicht alle ein Problem haben. Doch die Trinkgewohnheiten auf der Insel kollidieren mit deutschem Stadionbrauchtum. Alkohol wird zwar ausgeschenkt, aber er darf nicht mit Blick auf das Spielfeld genossen werden. Ob das alles eine Frage des Respekts vor dem Spiel ist  −  würde zu den Briten passen  −  oder nur der Sicherheitsaspekt im Vordergrund steht   −  so bleiben Becherwürfe aus  −  ist   unerheblich. Bier gibt es nur vor dem Spiel und in der Halbzeit, und es muss außerhalb des Tribünenbereichs konsumiert werden.  

Unter der Woche hatten die Eisernen schon in den Wettkampf-Modus geschaltet. Mit Geheimtraining und erstmaliger Kaderreduzierung für einen Testkick. Nach dem  Vormittagstraining am Freitag und einem gemeinsamen Mittagessen machte sich das Team auf den Weg zu ihrem Airbus-Flug. „Wir haben uns vorbereitet wie auf ein Punktspiel“, gab der neue Abwehrchef Marvin Friedrich zu. Nur 20 Mann flogen mit in die britische Hauptstadt zur Generalprobe für die Liga, die die Köpenicker entgegen ihren sonstigen Gewohnheiten nicht in heimischen Gefilden bestreiten.

Spannende Torwartfrage

Für Trainer Urs Fischer ist es die letzte Gelegenheit zu testen, welcher Formation er eine Woche später gegen Erzgebirge Aue das Vertrauen schenken darf. Die Vorbereitung war ja durch einige  Verletzungssorgen getrübt. Florian Hübner,  Joshua Mees und Felix Kroos plagten sich mit Blessuren herum, ihr Ligastart ist in der Schwebe. Spannend  ist zudem noch die Torhüterfrage. Fischer wollte da keine Klarheit schaffen nach außen. Sollte Rafal Gikiewicz wie zuletzt schon gegen Norwich City (2:1) und Girondins Bordeaux (1:1) auch gegen den Championship-Klub den Kasten hüten, hätte Jakob Busk das Nachsehen gegenüber dem polnischen Neuzugang. Umgekehrt würde es aber nicht automatisch heißen, dass der Däne das Rennen macht, falls er die Generalprobe bestreitet. Da hätte Fischer lediglich die Entscheidungsverkündung vertagt.