Triumph der Opa-Truppe: Altstars Mattuschka und Brunnemann steigen mit Altglienicke auf

Vorübergehend gab sich der regionale Fußball-Held etwas knauserig. Torsten Mattuschka, 36, gab mitten auf dem grünen Rasen im Hans-Zoschke-Stadion seine ersten Aufstiegs-Interviews, als ein kleines blondes Mädchen kurz unterbrach: „Kann ich Dein Trikot haben?“, fragte es. „Nee“, sagte Mattuschka, der frühere Cottbuser und Unioner Profi, „geht nich’.“ Dabei hätte er sogar ein Ersatzhemd dabei gehabt: Nachdem er mit seiner Mannschaft VSG Altglienicke beim 2:2 gegen Lichtenberg 47 den letzten nötigen Punkt geholt hatte, hatte er mit den Kollegen weiße T-Shirts übergestreift: „Aufstieg 2.0“ stand drauf in blauer Farbe und „Nie mehr Oberliga“.

Erst in der Kabine reifte im allürenfreien, künftigen Regionalliga-Kicker Mattuschka der edle Spender heran. Noch im Trikot, aber ohne das Shirt reichte er im vollendeten Stil eines Oberkellners das Altglienicker Getränk zum Fest: Kümmerlinge aus der Großhandelspackung. „Jetzt freuen wir uns“, sagte der Mann, den alle nur Tusche nennen, „uns so richtig einen reinzukippen.“

In zehn Jahren aus der Kreisliga

Nicht minder anmutig war er schon auf dem Platz vorangegangen: Den Ausgleich hatte er mit seinem Eckball auf den kaum weniger prominenten Kollegen Björn Brunnemann, 36, früher St. Pauli und Union, vorbereitet, die 2:1-Führung hatte er selbst erzielt. „Die old Bastards, oder Asterix oder Obelix passt auch. Brunne eins, ich das zweite“, sagte Mattuschka, „wir haben ja jede Menge erlebt. Im Endeffekt ist es ja bums. Aber in diesen Spielen musst du vorangehen, wann denn sonst?“ Es war knapp am Ende, aber „der dreckige Punkt reicht ja für den Aufstieg“, es ist der eine Vorsprung auf Optik Rathenow  − bei einer um 20 Tore schlechteren Trefferbilanz. „Vor zehn Jahren haben wir noch Kreisliga gespielt und nächste Saison fahren wir zu Energie Cottbus“, schwärmte Daniel Böhm, „das ist noch gar nicht greifbar für uns.“

Der kleine Mann mit dem kahlrasierten Kopf, der sichtbar Sonne mitgenommen hat in diesem Frühling, steht hinter der Mannschaft aus dem Berliner Süden, die so rasant von Aufstieg zu Aufstieg eilt. Etwa 350 000 Euro hatte er in der vergangenen Saison eingesammelt, um auch so berühmte Berliner Kicker wie Brunnemann und Mattuschka in die Niederungen der Oberliga zu lotsen, wo weniger Leute zu den Spielen kommen, als einst bei Union zum Training.

Im Schnitt spielt Mattuschka zu Hause nun vor gut 350 Fans. „Das war nicht ohne Risiko. Es gab am Anfang ja viel Kritik, dass wir die Opas verpflichten, aber ohne die wären wir nicht aufgestiegen“, sagt Böhm.  Obwohl gerade Brunnemann vor einigen Wochen für Aufruhr sorgte, als er aktenkundig wurde: Sein nobler Mercedes wurde nachts in Treptow auf dem Dach abgelegt. Als die Polizei anrückte, stand Brunnemann mit einem Freund daneben und hat unter Alkohol nur gerätselt, wer das Auto wohl gefahren ist. „Das hat eine sehr hohe Geldstrafe gegeben“, sagt Böhm, „aber nach wie vor ist er ja in dem Verfahren erstmal nur Zeuge.“

Zuverlässiger hat der Kollege gewirkt. „Bei Zuschauern geht viel über Mattuschka, der zieht Leute“, sagt Böhm. Nun muss er in aller Eile die Regionalligatauglichkeit Altglienickes klarmachen. „Vor allem bei den Gegebenheiten: Jeder, der mal bei unseren Spielen war, weiß, dass wir sehr sehr schwierige Bedingungen haben, fast kreisligamäßig“, sagt Mattuschka, „wichtig ist auch, dass wir einen vernünftigen Trainingsplatz kriegen.“ Für die Partien werden die Altglienicker vorerst in den Jahn-Sportpark ausweichen müssen, ab der Folgesaison hoffen sie, in ihrer Nähe ein taugliches Amateurstadion zu bekommen.

Sechs kommen, elf gehen

Weiter fortgeschritten sind die personellen Planungen für die kommende Saison. „Wir können ja jetzt nicht irgendwelche Stars verpflichten, die aus der zweiten Liga kommen“, sagt Böhm, „’nen größeren Spieler als Mattuschka zu holen, ist relativ schwer. Da müssten wir ja Pizarro kaufen.“ Mit sechs Spielern aus der Regional- und der Dritten Liga hat er Absprachen getroffen, ein siebter hat erst das Saisonfinale abgewartet. Dafür müssen elf Spieler weichen, weil der Verein auf Professionalisierung drängt − mit mehr Training und Einheiten schon vormittags statt wie bisher am Abend.

Wachsam linsen die Altglienicker immer auf den großen Nachbarn 1. FC Union. „Ein Farmteam wollen wir nicht werden, wir wollen unsere Identität bewahren“, sagt Böhm, „aber nach dem Wegfall der U23 von Union wären wir nicht abgeneigt, wenn Leistungsträger aus der A-Jugend von Union zu uns kommen. Sonst wären wir ja bescheuert.“