Berlin - Man hätte durchaus schönere Dinge machen können an diesem herrlichen Ostersonntag, als die Bundesliga-Partie zwischen Hertha BSC und Hannover 96, die letztlich mit 0:0 torlos endete, vor Ort im Olympiastadion zu verfolgen. Sich beispielsweise mit einer Kaltschorle in den Mauerpark setzen oder bei einer Bootstour über die Spree das vorsommerliche Frühlingswetter genießen.

Wahrscheinlich wäre es sogar aufregender gewesen, sich einen einstündigen Power-Point-Vortrag über das Klosterleben im Mittelalter anzusehen oder eine fünfstündige Autofahrt ohne funktionierendes Radio zu bewältigen. Ein Hertha-Fan brachte es schon vor dem Anpfiff auf den Punkt: „Das war ein so schöner Tag, dass es Hertha schwerfallen wird, diesen zu ruinieren“, schrieb der Anhänger auf Twitter. „Aber jut, sprechen von Hertha…“

Mit Bundesliga-Fußball hatte das wahrlich wenig zu tun, was die beiden Krisenklubs aus der Hauptstadt und das Schlusslicht aus Hannover vor 38.916 Zuschauer über weite Strecken boten. Was hätte man auch groß erwarten sollen von zwei Mannschaften, die mit fünf respektive acht Niederlagen in Folge in das Spiel gingen.

Anfang der Woche hatten sich die Berliner Klubbosse um Geschäftsführer Michael Preetz und Pal Dardai darauf verständigt, dass der Ungar nach der Saison nach vier Jahren und drei Monaten seinen Cheftrainer-Stuhl räumen muss. Es ist geplant, dass der 43 Jahre alte Fußballfachmann vom Sommer 2020 an wieder im Nachwuchsbereich tätig ist. Als sein Name um 17.54 Uhr bei der Mannschaftsaufstellung vorgelesen wurde, brandete Applaus auf. Die Fans in der Ostkurve feierten das Urgestein mit lauten Sprechchören.

„Das hat er sich verdient“, sagte Davie Selke nach dem Schlusspfiff. Überhaupt sei die Stimmung gut gewesen. „Es war schade, dass wir den Fans das Siegtor leider nicht schenken konnten.“ Dardai fand: „Die Reaktion der Fans war toll, aber das war ja heute noch kein richtiger Abschied. Ich bin noch Trainer."

Dardai gibt Lazaro einen Denkzettel

Gegenüber der 0:2-Pleite in Hoffenheim nahm Pal Dardai vier Änderungen vor: Die wiedergenesenen Niklas Stark und Marko Grujic sowie die zuvor gesperrten Ondrej Duda und Vedad Ibisevic starteten für Petar Pekarik, Maximilian Mittelstädt, Davie Selke und Valentino Lazaro. Während die letzten drei genannten Profis allesamt zumindest auf der Bank platznahmen, stand Lazaro gar nicht erst im Kader. Das überraschte schon, schließlich war der Österreicher in den vergangenen Partien stets gesetzt. Das sei, erklärte Dardai, ein „kleiner Denkzettel, eine kleine Denkpause“. Lazaro sei „müde“, hatte der Noch-Trainer vor der Partie bei Sky erklärt, er brauche für die Partie allerdings „Krieger“. Wenn „alles gut“ laufe, werde Lazaro kommende Woche zurückkehren.

Krieger hatte Dardai in seinem fünftletzten Pflichtspiel als Hertha-Cheftrainer allerdings keine gesehen. Eher, um im dardaischen Sprachjargon zu bleiben, harmlose Wehrdienstverweigerer. Trost- und einfallslos war das, was seine Spieler zeigten. Im ersten Durchgang hatte Hertha zwar deutlich mehr vom Spiel, fand gegen tiefstehende und nach vorne völlig harmlose Gäste aber kaum Lücken. Mit viel Wohlwollen fanden die Hertha-Mitarbeiter in der Halbzeitpause drei Torchancen, die sie auf den drei Videoleinwänden zeigen konnten. Einen Schuss aus spitzem Winkel von Mathew Leckie aus der 14. Minute, den 96-Torwart Michael Esser an den Pfosten lenkte und dann unter sich begrub sowie eine Chance von Waldemar Anton kurz vor der Pause, den Herthas Keeper Rune Jarstein zur Ecke lenkte (45.). Sogar eine Pirouette von Salomon Kalou im Halbfeld wurde gezeigt, um den Fans zumindest ein paar Möglichkeiten zeigen zu können.

Hertha zittert um Niklas Stark

Nach dem Wiederanpfiff hatte Duda die beste Möglichkeit. Der Slowake setzte einen Volleyschuss allerdings über das Tor, nachdem Ibisevic ihn auf dem rechten Flügel nach Vorarbeit mit der Hacke in Szene gesetzt hatte. Nach 90 Minuten stand ein 0:0 auf der Anzeigetafel. „Besser ein Punkt als gar keiner“, befand Vedad Ibisevic. Der Kapitän machte aber auch klar, dass das unter dem Strich zu wenig sei.

„Dass die Mannschaft derzeit nicht von Selbstvertrauen strotzt, ist aufgrund der letzten Wochen klar. Jeder einzelne hat mit sich zu kämpfen und an Selbstvertrauen verloren. Die Fans haben uns gesagt, dass sie unbedingt wieder einen Dreier wollen. Das wollen wir auch und werden alles dafür tun am nächsten Wochenende.“ Am Sonnabend geht es allerdings zum Überflieger-Team nach Frankfurt. Fehlen könnte da Niklas Stark, der kurz vor Schluss mit einer Sprunggelenksverletzung raus musste.