Berlin/Helsinki - Wie man als Trainer der ewig drohenden Leichtfertigkeit entgegenwirkt? Na klar, man weist bei aller Freude über einen auf eindrucksvolle Weise erzielten Erfolg gleich mal darauf hin, dass im Fußball nahezu alles möglich ist. 

Also gab Urs Fischer, der Trainer des 1. FC Union, unmittelbar nach dem 4:0 im Play-off-Hinspiel zur European Conference League gegen Kuopion PS gleich mal Folgendes zu bedenken: „Es ist ein tolles Resultat, klar, es gibt aber noch ein Rückspiel. Und im Fußball kann vieles schnell schiefgehen.“ Allerdings hatte der Schweizer auch ein dickes Lob für seine Mannschaft parat, er sagte: „Wir haben eine sehr gute erste Hälfte gespielt, waren sehr aggressiv, haben uns die Räume erlaufen und haben eine gute Bewegung mit dem Ball gezeigt. KuPS war nach der Pause dominanter, es passte aber zum Spiel, dass wir noch mal mit einem Tor nachlegen konnten.“

Christopher Trimmel weiß natürlich, was Fischer im Nachgang einer solchen Partie von seinen Spielern hören will. Deshalb brachte auch der Österreicher nach dem formidablen Auftritt die obligatorischen, letztlich aber nur bemüht professionell klingenden Warnungen vor dem Rückspiel ein. „Die werden alles nach vorne werfen, werden alles riskieren. Daher sind wir gewarnt und werden das Rückspiel hochkonzentriert angehen“, sagte Trimmel. Das Rückspiel gegen den finnischen Pokalsieger findet am kommenden Donnerstag (20.30 Uhr) im Berliner Olympiastadion statt.

Das war mal wieder Stadion-Feeling

Christopher Trimmel

Vorsicht und Understatement gehören schon lange zu den Grundtugenden der neuen deutschen Spaß-Fußball-Fraktion aus Berlin-Köpenick. Weder Fischer noch Trimmel werden ihre Vorsicht-Formulierungen aber selbst so ganz geglaubt haben. Gleiches gilt für Taiwo Awoniyi, der im Olympiastadion von Helsinki zwei Treffer erzielte. „Es ist noch nicht geschafft. Wir müssen es in Berlin zu Ende bringen“, sagte er. Es müsste aber schon alles Erdenkliche schieflaufen, damit die Gruppenphase des Europapokal-Wettbewerbs vom 16. September an ohne Union Berlin stattfindet.

Die Bilder aus Helsinki demonstrierten auch, welche Möglichkeiten die von vielen skeptisch betrachtete Conference League für die Berliner bieten kann. Ein Stimmungsaufheller immer wieder donnerstags. Die mehreren hundert Fans, obwohl laut Uefa-Regeln gar nicht zugelassen, sorgten im Olympiastadion für eine große Party-Atmosphäre. „Danke an die Fans. Das war ein gelungener Auftakt“, sagte Trimmel. „Das war mal wieder Stadion-Feeling.“

Am Sonntagnachmittag gegen die TSG Hoffenheim

Ausgelassen tanzte auch Max Kruse, neben Awoniyi und Andreas Voglsammer Torschütze, vor der Tribüne mit den Kollegen. Noch im Mai hatte er sich spöttisch über die Conference League geäußert. Inzwischen scheint auch er Spaß an dem erstmals ausgespielten Wettbewerb zu haben. 

Die nächste Charakterprobe folgt für die Unioner, die am frühen Freitagnachmittag nach Berlin zurückkehrten, schon am Sonntagnachmittag. Da geht es gegen die Mannschaft der TSG Hoffenheim, die natürlich über eine andere Qualität verfügt als die mitunter total überforderten Finnen.