Berlin49 Jahre nach dem Spiel-Klau folgte der Tor-Klau – wieder einmal hat Inter Mailand für reichlich Frust bei Borussia Mönchengladbach gesorgt. Bei Trainer Marco Rose schlug dieser nach dem unglücklichen 2:3 (1:1) am Dienstag und dem verpassten vorzeitigen Einzug ins erste Königsklassen-Achtelfinale seit 1977 schnell in Trotz um. „Wir müssen dann eben bei Real die nötigen Punkte holen“, sagte Rose, als wäre das ein Klacks.

„Wir sind voll dabei und fahren sogar als Tabellenführer nach Madrid“, sagte Rose und wirkte dabei wie ein kleiner trotziger Junge, der seine tiefe Enttäuschung über die erste Champions-League-Niederlage in dieser Saison zu überspielen versuchte. „Jeder auf diesem Planeten kennt Real Madrid und weiß, was die für eine Qualität haben. Trotzdem wollen wir weiterkommen.“

Dafür muss das Überraschungsteam der Champions League am kommenden Mittwoch in Madrid einen Punkt holen, um die K.o.-Runde aus eigener Kraft zu schaffen und nebenbei weitere gut zehn Millionen Euro zu den bereits eingenommenen rund 32 Millionen zu scheffeln. Selbst ein Punkt wie beim 2:2 im Hinspiel hätte daran nichts geändert. Insofern mutete die Aufregung über den nicht gegebenen Ausgleich von Alassane Plea in der 83. Minute etwas seltsam an. Doch Roses Ärger war enorm.

Die Entscheidung des niederländischen Schiedsrichters Danny Makkelie, den dritten Treffer von Champions-League-Topscorer Plea nicht anzuerkennen, war höchst umstritten. Breel Embolo stand bei Pleas Schuss unmittelbar vor Inters Torhüter Samir Handanovic ganz knapp im Abseits und soll den Keeper dabei behindert haben, was knifflig zu entscheiden war. „Er behindert ihn nicht“, schimpfte Rose auch weit nach dem Spiel noch, als hätte dieser Ausgleich Gladbachs Weiterkommen bereits gesichert. Überhaupt war der ehrgeizige Gladbach-Coach mit dem Unparteiischen eher unzufrieden.

Vor Romelu Lukakus erstem von zwei Treffern zum 2:1 (64.) verlor Marcus Thuram im Mittelfeld unglücklich den Ball. „Da hätte man auch auf Foul entscheiden können“, monierte Rose. Differenzierter war die Meinung einiger seiner Spieler. Christoph Kramer und Valentino Lazaro sahen einen „unnötigen Ballverlust“ und Kramer sprach bei der umstrittenen Szene zum vermeintlichen 3:3 von „keiner klaren Fehlentscheidung“: „Mit einer Gladbach-Brille sage ich, dass der Torwart den Ball sieht und er so oder so reingegangen wäre. Wenn das Ding auf der anderen Seite fällt, bin ich wahrscheinlich der Erste, der reklamiert.“

Zwar hätte ein Punkt nicht für den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale genügt, dennoch war das aberkannte Tor Sinnbild für einen neuen frustrierenden Tag gegen Inter. Schon 1971 hatten die Nerazzurri indirekt für ein nachhaltiges Club-Trauma gesorgt. Das furiose 7:1 im Landesmeistercup war seinerzeit wegen eines Büchsenwurfs auf Roberto Boninsegna annulliert worden. Etliche Borussen warfen Inters damaligem Star-Stürmer Schauspielerei vor. Durch ein 0:0 im Wiederholungsspiel schied Gladbach damals aus.

Am Jahrestag des Wiederholungsspiels in Berlin verschwor sich wieder einiges gegen die Borussia. Ohne das überraschende 0:2 von Real Madrid zuvor bei Schachtjor Donezk, das gegen Gladbach 0:6 und 0:4 unterlegen gewesen war, hätte Borussia schon ein Punkt gegen Inter genügt. Allen drei Inter-Toren gingen mehr oder weniger schwere individuelle Fehler voraus, das aberkannte 3:3 war dann der negative Höhepunkt einer unglücklichen Partie.

Hinzu kommt die Gruppen- und Spielplankonstellation, die Gladbach nun ein Endspiel beim Königsklassen-Rekordsieger Madrid beschert. Und das aktuell nur drittplatzierte Team von Toni Kroos muss gewinnen, um das Achtelfinale zu schaffen. Auch darauf reagierte Rose mit Trotz: „Wir müssen auch, also können wir auch.“