Zuzenhausen - Trainer Marco Kurz, erläuterte Pressesprecher Holger Tromp, wolle gleich ein paar Worte in eigener Sache loswerden. Die Eröffnung der turnusmäßigen Pressekonferenz vor dem Pflichtspiel von TSG Hoffenheim gegen den SC Freiburg am Samstag war ungewöhnlich beim Tabellen-17. Denn normalerweise beginnt das Gespräch gleich mit der Fragerunde. Doch TSG-Trainer Kurz hatte auch Ungewöhnliches mitzuteilen, es ging schließlich um die heikle Personalie Tim Wiese.

Der Torwart, sogleich zum Kapitän befördert, polarisiert seit seiner Ankunft von Werder Bremen im Sommer, er sollte der Hoffnungsträger sein für die kühn ausgerufenen Europapokalambitionen des damaligen Managers und Trainers Markus Babbel. Für Wiese wurde Publikumsliebling Tom Starke vergrault, umfangreiche Fanproteste waren die Folge. Die Europapokalambitionen sind längst ad acta gelegt, der formschwache Tim Wiese wurde zum Gesicht des sportlichen Niedergangs. Nun nimmt Kurz den 31-Jährigen aus dem Fokus, wie er sagt: „Tim wird am Samstag nicht spielen.“ Eventuell werde er nicht mal im Kader für das Spiel stehen.

Verlässt Wiese die TSG?

Ob Wiese überhaupt noch einmal für die TSG aufläuft, ist noch nicht geklärt. Wie nun weiter verfahren werde, soll ein weiteres Gespräch mit Wiese und dessen Berater Roger Wittmann zeigen. Er habe Wiese am Donnerstag nach dem Training seine Entscheidung mitgeteilt, erklärte Kurz, der zusammen mit Manager Andreas Müller schon unter der Woche mit Wittmann und Klub-Mäzen Dietmar Hopp über die Personalie gesprochen hat.

„Ich musste den Jungen, die Mannschaft und den Verein schützen“, erklärte Kurz und sprach von einer Vorsorgepflicht, Wiese habe mit dem wahnsinnigen Druck nicht mehr umgehen können. „Ich habe in der Sache Wiese eine wahnsinnige Dynamik in der öffentlichen Wahrnehmung gespürt“, sagte der Trainer und fügte hinzu: „Ich habe Tim die Entscheidung ein Stück weit abgenommen.“ Die Entscheidung sei für alle das Beste, kommentierte Manager Müller, Wiese sei in der jetzigen Situation absolut chancenlos: „Mit dem Druck, in dem er in jedes Spiel geht, um fehlerfrei zu sein, das ist unmenschlich. Das kann er nicht leisten. Deshalb müssen wir nach unserer Verantwortung handeln.“ Dabei muss festgehalten werden, Wieses Leistungen waren schwach, die Kritik berechtigt. Für Wiese ist dieses Aus ein tiefer Fall, für den Verein das Eingeständnis eines großen Fehlers. „Wir erwarten, dass er mit voller Kraft zurückkommt“, sagte Müller. Es klang wie eine Durchhalteparole.

Auf den letzten Drücker verpflichteten die Hoffenheimer am Donnerstagnachmittag Torwart Heurelho Gomes von den Tottenham Hotspurs. Der Portugiese war beim Premier-League-Klub wegen einiger Patzer längst nicht mehr erste Wahl. Mit Gomes kommt Neuzugang Nummer acht in dieser Transferperiode − rechnet man die beiden sofort wieder verliehenen Südamerikaner Guilherme Biteco und Junior Ponce dazu. Von der in Hoffenheim einst so oft bemühten Philosophie, mit eigenen Talenten reüssieren zu wollen, ist nichts mehr geblieben. Die TSG kämpft nur noch ums sportliche Überleben – jetzt ohne Tim Wiese.