Mitte April gab der TSV Rudow bekannt, seine Volleyballerinnen nicht weiter finanzieren zu können. Alles aus, alles vorbei, obwohl sie in der Zweiten Bundesliga doch immerhin Platz sechs belegt hatten? Außenangreiferin Alina Fröhlich, 34, und ihre Mitspielerinnen vom TSV Rudow wollten sich damit nicht einfach abfinden. So nahmen sie die Sache selbst in die Hand. Sie motivierten Freunde und Angehörige, sammelten am Alexanderplatz, an der Gedächtniskirche und auch beim Finalspiel der BR Volleys um die Deutsche Meisterschaft vor der Schmelinghalle fleißig Spendengelder in ihrem selbst gebastelten Rettungsschirm. „Am Anfang war das schon ein komisches Gefühl, wenn man neben jemandem steht, der für sein tägliches Brot bettelt, und bei uns geht es darum, Volleyball zu spielen“, sagt Alina Fröhlich.

Der Mut zum Nassauern hat sich aber offensichtlich gelohnt, auch weil sich dadurch das Management vom Köpenicker Sport Club zum Handeln animiert sah. De facto zur Eingliederung der Volleyballerinnen des TSV Rudow in den KSC. Ja, man könnte von „Mut“ sprechen, sagt Martin Simon, der Teammanager vom KSC, der am Montag einen Lizenzantrag für eine neue zweite Mannschaft in der Zweiten Bundesliga gestellt hat. Genauso gut könne aber auch von „Größenwahn“ die Rede sein, fährt Simon fort. Denn schließlich bangt der Köpenicker SC nach dem sportlichem Abstieg und wegen der finanziellen Probleme derzeit ja auch um die Spielberechtigung, allerdings um die in der Ersten Liga. Im schlimmsten Fall wäre Berlin im Frauenvolleyball also komplett aus der Bundesliga verschwunden.

„Eigentlich hatten wir die Idee wieder verworfen, weil wir dachten, das können wir nicht stemmen“, gibt Simon zu. 27.000 Euro beträgt der Etat, den man in der Zweiten Liga mindestens aufbringen muss. Darüber hinaus müssen die Köpenicker noch 320 000 Euro für die erste Mannschaft zusammenzukratzen. „Die Mädels aus Rudow hatten aber selbst schon 10.000 Euro gesammelt, das ist schon stark“, sagt er.

Für die Köpenicker ist die neue Zweitligamannschaft ein Zugewinn. Bislang hatte der Verein nur ein Erst- und Drittligateam, jetzt ist eine bessere Durchlässigkeit für junge Spielerinnen gegeben. „So können wir auch an der Talententwicklung arbeiten“, sagt Simon. Auch den ehemaligen Rudowerinnen ist das ein großes Anliegen. „Uns würde es Spaß machen, junge Spielerinnen mit auszubilden“, sagt Annika Kummer, 22, die selbst mal beim KSC in der Regionalliga spielte.

Simon hofft darauf, aus diesem Zusammenschluss ein längerfristiges Engagement zu machen. Viel hängt dabei aber nun davon ab, wie sich die Volleyball Bundesliga (VBL) in Bezug auf Köpenicks Erstligateam entscheidet. „Wir haben den Köpenickern in Aussicht gestellt, dass sie in der Liga verbleiben können. Die Entscheidung darüber wird aber auf Grundlage der wirtschaftlichen Lizenzierung getroffen“, sagt Daniel Sattler, Manager der Ersten Bundesliga bei der VBL. Bis zur Bundesligaversammlung am 5. Juni hat der KSC also noch einige Hausaufgaben zu erledigen.