Berlin - Wie motiviert man eine Mannschaft, die alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt? Solch eine Frage stellt sich – zumindest für Außenstehende – bei den Frauen vom deutschen Tischtennis-Champion TTC Berlin Eastside. Die Erfolg verwöhnten Spielerinnen um Cheftrainerin Irina Palina haben in der zurückliegenden Saison zum siebten Mal die Deutsche Meisterschaft gewonnen und dazu zum vierten Mal das sogenannte Triple aus Pokalsieg, Meisterschaft und Triumph in der europäischen Champions League.

Auch individuell waren die TTC-Frauen, die oft von Turnier zu Turnier eilen, einsame Spitze. Shan Xiaona, 38, wurde zusammen mit Petrissa Solja Europameisterin im Doppel. Nina Mittelham, 24, gewann mit Dang Qiu den EM-Titel im Mixed und holte vor wenigen Wochen zum dritten Mal in Serie den Einzeltitel als Deutsche Meisterin. Das war zuletzt Nicole Struse in den Jahren 1989 bis 1991 gelungen. Struse, einst das Nonplusultra im deutschen Frauen-Tischtennis, schaffte insgesamt neun Einzeltitel. Shan Xiaona und die Holländerin Britt Eerland vom TTC spielten bei Olympia in Tokio, wo Nina Mittelham nur der Platz der Reservistin im deutschen Team blieb, das bis in Halbfinale vorgedrungen war.

TTC Berlin Eastside geht selbstbewusst in die neue Saison

Nach diesen glanzvollen Ereignissen folgt nun der Alltag in der Bundesliga. Zum Auftakt am Sonntag besiegte der TTC Eastside den TSV Schwabhausen mit 6:4. Und Alexander Teichmann sucht bei der Frage nach der Motivation den Vergleich mit dem FC Bayern München. „Wir haben im Tischtennis ein Standing wie der FC Bayern. Die sind aber auch nach all ihren Titeln nicht satt, blicken nach vorn und greifen erneut an. Das wollen auch wir.“ Der TTC-Präsident sagte: „Wir halten uns nicht für die Größten, aber wir gehen selbstbewusst in die neue Liga-Spielzeit und wollen so viele Titel wie möglich nach Berlin holen.“

Manager Andreas Hain bringt es auf den Punkt: „Es ist nicht schön, anderen beim Feiern zuzuschauen. Wir wollen einfach Erster sein und immer gewinnen.“ Das Team ist zusammen geblieben. Shan Xiaona, Nina Mittelham, Britt Eerland, Jessica Göbel, Yaping Ding, Kathrin Mühlbach bilden den Kern. Einziger Zugang ist die 21-jährige serbische Nationalspielerin Sabina Surjan, die zuvor in Budapest spielte. Sie ist Linkshänderin, was die taktischen Varianten beim TTC erweitert. Zudem sind die in Corona-Hochzeiten wegen des zu geringen Abstands gestrichenen Doppel wieder erlaubt.

Shan Xiaona, die bei Olympia stark war, wird erst mal in der Bundesliga fehlen, da sie in Japan eine lukrative Turnierserie spielt. Nach der Hinrunde der Liga gibt es Anfang Januar ein zweites Transferfenster. Manager Hain sagt: „Wenn die Rückrundenaufstellungen aller acht Vereine da sind, muss es unser Ziel sein, dass nur einer Meister werden kann – und das sind wir.“