Fabian Hambüchen ballte die Hand, brüllte seine Zufriedenheit heraus, ließ sich feiern von Kollegen wie Kontrahenten. Diesen kurzen Moment des persönlichen Triumphs gönnte sich der Turner nach seiner schönen Reckübung, die aber statt des erhofften Beitrags zu einem Teamerfolg am Ende nichts weiter war als eine gelungene Generalprobe für Hambüchens Einzelfinals. Die deutsche Männerriege, vor zwei Jahren noch Europameister und WM-Dritter, kam im olympischen Vergleich der acht weltbesten Mannschaften nur auf einen enttäuschenden siebten Platz.

Lediglich Frankreich sammelte weniger als die 268,019 Punkte des deutschen Quintetts mit Hambüchen, Marcel Nguyen, Philipp Boy, Sebastian Krimmer und Andreas Toba. Olympiasieger wurden die klar überlegenen Titelverteidiger und Weltmeister aus China (275,997), die in der Qualifikation nach etlichen Fehlern noch nur Sechste geworden waren. Silber ging zunächst unter dem ohrenbetäubenden Gejohle der Zuschauer in der North Greenwich Arena an die Gastgeber aus Großbritannien (271,711).

Das deutsche Hassgerät

Wenig später jedoch verwandelte sich der Jubel in ein ebenso ohrenbetäubendes Buuuhh-Geheul. Japan hatte nach der letzten Wertung für den dreimaligen Mehrkampfweltmeister Kohei Uchimura am Seitpferd Protest eingelegt – mit Erfolg. Die Wertung wurde korrigiert und die Japaner bekamen schließlich 271,952 Punkte zugesprochen. Damit gewannen sie wie 2008 in Peking Silber. Das Nachsehen hatte die Ukraine (271,526), deren Turner schon ihren vermeintlichen dritten Platz gefeiert hatten.

Die Deutschen hatten den Wettkampf an ihrem Hassgerät, dem Seitpferd, beginnen müssen und sich dort gleich zu Beginn knapp sieben Punkte Rückstand auf China eingehandelt. Gerätepartner Großbritannien, eigentlich ein für das deutsche Team schlagbarer Gegner, zog mit knapp sechs Punkten Vorsprung davon. „Das war sehr ärgerlich, wir haben keinen guten Start hin gelegt, und das hat sich dann durch den ganzen Wettkampf gezogen“, sagte Marcel Nguyen.

Boy: "Mein Traum ist vorbei"

Größter Pechvogel war Philipp Boy, der sowohl am Seitpferd als auch am Reck vom Gerät musste. Der Vizeweltmeister im Mehrkampf von 2011 hatte sich in der Qualifikation eine Knöchelverletzung zugezogen und konnte sich für kein Einzelfinale qualifizieren. Im Finale war er unter Schmerzen angetreten. Was genau in seinem Fuß kaputtgegangen sei, müsse er noch herausfinden, sagte Boy nach dem enttäuschenden Abschneiden. „Aber viel mehr ist sowieso im Kopf und im Herzen kaputtgegangen. Ich hatte zwei Wahnsinnsjahre, und gerade in diesem Jahr verkacke ich, das ist für einen Sportler natürlich das Schlimmste. Mein Traum ist vorbei.“

Nach Platz vier vor vier Jahren in Peking und zwei dritten Plätzen bei den Weltmeisterschaften 2007 und 2010 hatten die deutschen Turner gehofft, zum ersten Mal nach 24 Jahren endlich wieder eine olympische Teammedaille gewinnen zu können. Zumal mit Fabian Hambüchen ihr Vorturner anderthalb Jahre nach seinem Achillessehnenriss wieder zu alter Stärke zurückgefunden hat.

Chancen für Hambüchen und Nguyen

Doch kaum, dass der eine Leitwolf zurück ist, schwächelt der andere. Philipp Boy plagt sich schon die ganze Saison über mit gesundheitlichen Problemen. Er sagte: „Ich weiß nicht, ob der Körper mir damit etwas mitteilen will, ich bin in diesem Jahr von einer Scheiße in die nächste gekommen.“

Vorwürfe von den Kollegen gab es keine. Er sei „stolz auf Philipp“, sagte Marcel Nguyen, „ich weiß, dass er sich zusammengerissen hat“. Fabian Hambüchen befand: „Jeder hat heute sein Bestes gegeben, schade, dass es nicht geklappt hat, nicht mit der Medaille, sondern mit den Übungen.“

Fabian Hambüchen und Marcel Nguyen haben immerhin noch weitere Chancen, ihre Träume im Turnen bei Olympia wahr werden zu lassen: Am Mittwoch treten beide im Mehrkampffinale an, Nguyen hat sich zudem für die Einzelfinals am Boden (Sonntag) und Barren (7. August) qualifiziert. Und Hambüchen, Reckweltmeister von 2007, will an seinem Paradegerät (7. August) endlich die ersehnte olympische Einzelmedaille gewinnen.

Er sagte am Montag nach dem Team-Finale: „Ich habe alle meine Geräte gut durchgebracht, das macht mir Mut.“