Berlin - Sarah Voss hat es am Mittwoch am Schwebebalken als Erste getan, und es war eine Überraschung. An diesem Freitag wollen es auch Kim Bui und Elisabeth Seitz bei den Europameisterschaften in Basel tun: was anderes anziehen. Lang statt kurz. Enger Ganzkörperanzug statt knappes Badeanzug-Modell. Die Turnerinnen setzen, ausdrücklich unterstützt von Bundestrainerin Ulla Koch und dem Deutschen Turner-Bund (DTB), ein Zeichen gegen Sexualisierung im Sport.

Sie sei immens stolz, dieses Herzensprojekt ihres Teams als Erste präsentieren zu dürfen, schrieb Voss in den sozialen Medien: „Sich wohlfühlen und trotzdem elegant dabei aussehen, warum nicht?“ Die Kleidung einer Turnerin gehört wie jene im Eiskunstlaufen oder der rhythmischen Sportgymnastik immer zum Gesamtkunstwerk, das den Punktrichtern präsentiert wird. Sie ist Teil des künstlerischen Ausdrucks. Daher fragt die 21 Jahre alte deutsche Mehrkampfmeisterin aus Köln auch gleich, zu ihrem selbst designten, in Schwarz und Rot gehaltenen, mit Strass besetzten Langbein-Anzug: „Wie gefällt er euch?“

Ein emanzipierter Schritt

„Wunderschön“, antwortet der DTB. „Stark“, entgegnet Athletensprecher Max Hartung. Die Aktion ist ein Anstoß zum Kulturwandel, ein emanzipierter Schritt. Statt sich weiter in der knappen Bekleidung unter dem Eindruck der Grenzüberschreitung zwischen Ästhetik und Sexualisierung unwohl und nackt zu fühlen, hat Voss eine Alternative aufgezeigt.

Die Wirtschaftsstudentin und ihre Kolleginnen aus dem Nationalteam wollen mit ihren Auftritten in Basel jüngeren Turnerinnen als Vorbild dienen, sich in einer anderen Bekleidungsform ästhetisch präsentieren zu können, ohne sich unwohl zu fühlen. „Ich bin stolz, die Erste zu sein“, sagte Voss, als sie ihre Kür beendet hatte.