Voriges Jahr standen sich im Wimbledon-Finale Novak Djokovic und Roger Federer (Bildmitte) gegenüber.
Imago Images

Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg fällt Wimbledon aus. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie wird das bedeutendste Tennis-Turnier der Welt in diesem Jahr auch nicht zu einem anderen Termin nachgeholt, wie die Organisatoren am Mittwoch mitteilten. Ursprünglich sollte der Rasen-Klassiker vom 29. Juni bis 12. Juli in London ausgetragen werden. Nun soll die 134. Auflage der prestigeträchtigen Veranstaltung vom 28. Juni bis 11. Juli 2021 stattfinden. 

Die Tennis-Organisationen ATP und WTA teilten kurz nach der Absage von Wimbledon mit, dass der komplette Tourbetrieb bis zum 13. Juli ausgesetzt wird. Damit fallen auch die vier deutschen Rasen-Turniere in Stuttgart, Halle/Westfalen (beide Männer) sowie Berlin und Bad Homburg (beide Frauen) aus. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte Ian Hewitt, Vorsitzender des All England Lawn Tennis Club. Angesichts der dramatischen Auswirkungen der Pandemie sei es aber im Sinne der öffentlichen Gesundheit die richtige Entscheidung.

Kein Tennis an der Hundekehle im Juni

Zuvor war bereits die komplette Sandplatz-Saison inklusive der French Open in Paris, die Ende Mai starten sollten, abgesagt worden. Der französische Tennisverband hatte die French Open eigenmächtig und offenbar ohne Absprache auf 20. September bis 4. Oktober verlegt - und dafür mächtig Kritik eingesteckt. Nur eine Woche zuvor enden die US Open, die angesichts der dramatischen Coronavirus-Situation in New York aber ebenfalls fraglich erscheinen.

Die Rückkehr der Weltklasse-Tennisspielerinnen an die Hundekehle verzögert sich damit auf unbestimmte Zeit. Am Mittwoch sagten die Veranstalter das vom 13. bis 21. Juni terminierte Rasenturnier ab. „In der aktuellen Situation ist einzig entscheidend, die Ausbreitung der Corona-Pandemie möglichst schnell zu stoppen. Die Gesundheit aller steht an oberster Stelle. Das hat auf der Tennistour natürlich genauso Gültigkeit wie im täglichen Leben“, sagte Turnierdirektorin Barbara Rittner.

Wenn sich die Lage entspannt

Die Organisatoren prüfen nun alle Möglichkeiten, um das Turnier auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr auszutragen. Die Verschiebung auf einen späteren Termin sei eine Option, „aber nur dann, wenn sich die Lage soweit entspannt, dass auf der WTA-Tour wieder ohne Bedenken gespielt werden kann“, sagte Rittner.

Die 46-Jährige hatte bereits im Vorfeld betont, dass eine Absage nicht das endgültige Aus für das Turnier bedeuten würde. „In Berlin haben wir unglaubliches Glück, weil wir einen Titelsponsor (bett1) gefunden haben, der komplett hinter uns steht. Das Turnier ist ein Projekt, das langfristig geplant ist“, sagte Rittner. Auch „bett1“-Geschäftsführer Adam Szypt unterstreicht die Langfristigkeit der Unterstützung: „Auch wenn es jetzt etwas länger dauert, werden wir auch in den kommenden Jahren Weltklasse-Damentennis in Berlin fest verankern.“

Boris Becker ist nicht einverstanden

Der dreimalige Wimbledon-Champion Boris Becker hatte sich dafür ausgesprochen, die Wimbledon-Entscheidung bis Ende April hinauszuzögern. „Geduld ist eine Tugend“, hatte der 52-Jährige gesagt und dafür via Twitter deutliche Kritik eingesteckt. Wann die Tennis-Tour überhaupt wieder zu einer Normalität zurückfinden kann, ist in der Tat fraglich. In kaum einer anderen Sportart sind Spieler, Trainer und Schiedsrichter so sehr auf weltweite Reisefreiheit angewiesen.

Der Boss der Australian Open zeichnete bereits ein Horrorszenario. „Meine persönliche Sicht ist, dass es für das Tennis schwer wird, in diesem Jahr noch mal zurückzukommen“, sagte Craig Tiley dem Sydney Morning Herald. „Wir müssen für den schlechtesten Fall planen und auf das Beste hoffen.“ Becker dagegen meinte: „Wir sollten mit der Schwarzmalerei aufhören...natürlich wird dieses Jahr noch Tennis gespielt.“ Doch wann das sein wird, ist mehr denn je offen.