Treue Anhänger: Fans von TuS Makkabi feuern den Berlin-Ligisten an.
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Die Freude musste raus. Wolfgang Sandhowe jubelte, genoss die Schulterklopfer auf dem Weg zur Kabine des TuS Makkabi Berlin, nahm die Glückwünsche zum 2:1-Sieg gegen Berlin United dankbar und mit einem breiten Lächeln entgegen. Die blaue Mütze, die der Trainer während der vorangegangenen gut 90 Minuten getragen hatte, hielt der 65-Jährige in der Hand, ließ Sonne auf sein Haupt fallen. Durch den Erfolg verteidigte Makkabi die Tabellenführung in der Berlin-Liga.

Sprachkurse für die Spieler

Für Außenstehende war das vor der Saison nicht unbedingt zu erwarten, denn die Fluktuation im Sommer war groß. Zwölf neue Spieler mussten eingebaut, sechs Abgänge kompensiert werden. Dazu der neue Trainer. Doch der Umbruch führte nicht zum Stotterstart. „Wenn man sich die Vorbereitung anschaut und das, was der Trainer mit den Spielern macht, ist der Erfolg nicht so ganz überraschend“, sagt Ben Isakow.

Seit Mai ist der 24-Jährige Sportlicher Leiter bei Makkabi und hat die Veränderungen im Kader, dessen Kern gehalten wurde, bewusst herbeigeführt. Das geschah in enger Abstimmung mit Sandhowe, einem erfahrenen Coach. Der 65-Jährige hat auch schon den aktuellen Drittligen 1. FC Magdeburg trainiert. In der vergangenen Saison betreute er Türkiyemspor, bot sich im Sommer dann selber Makkabi an.

Sandhowe erwartet auch Professionalität. Damit müssen seine Fußballer erst einmal zurechtkommen. „Die Spieler sind das Pensum des Trainers am Anfang noch nicht gewohnt gewesen“, sagt Isakow, „deshalb sind wir positiv erfreut, wie sie bislang damit umgehen.“ Auch mit einer wichtigen Regel, die Sandhowe einfordert: Die Sprache auf dem Platz ist Deutsch. Nicht ganz so einfach, wenn sich der Kader aus zehn Nationen speist.

Zwei Brasilianer und zwei Japaner sind in diesem Sommer dazugekommen. Die vereinheitlichte Kommunikation ist Sandhowe wichtig, Makkabi unterstützt die Spieler. Ein Sprachlehrer kommt aus dem Verein, Kurse an Volkshochschule sind möglich. Und wenn es trotzdem noch Verständigungsprobleme gibt, kann Assistenztrainer Ousmane Bangoura einspringen. „Ousmane agiert als Übersetzer, trägt aber auch so einen großen Teil bei, dass das Team funktioniert. Er leitet auch teilweise die Trainingseinheiten“, sagt Ben Isakow.

In der Halbzeitpause des Spiels gegen Berlin United bereitete Bangoura Einwechselspieler Diego Lima De Mello auf den Einsatz vor. Der Angreifer belohnte die Arbeit des Assistenten später mit dem Siegtreffer. Gern wird Erfolg im Fußball mit dem Trainer in Verbindung gebracht. Beim TuS Makkabi ist es das Trainerteam, das aus Sicht des Sportlichen Leiters einen sehr guten Job macht.

Die Zuschauer jedenfalls können sich bisher nicht beschweren. Laufintensiven und offensiv ausgerichteten Fußball lässt Trainer Sandhowe spielen. Im Durchschnitt fallen fast vier Tore pro Partie. Gegen Berlin United sind es am frühen Sonntagnachmittag drei, die Mannschaft kann in der zweiten Halbzeit einen 0:1-Pausenrückstand zum Sieg drehen. Bessere Werbung in eigener Sache hätten die Spieler vor den rund 100 Zuschauern gar nicht machen können.

Neuaufbau der Jugendarbeit

Erst recht nicht für den an der Seitenlinie stehenden Nachwuchs. Seit dieser Saison wird bei Makkabi die Jugendarbeit wieder intensiviert, drei Teams sind im Spielbetrieb aktiv. Aber: „Die reinen Ergebnisse sind bisher eher ernüchternd“, sagt Ben Isakow. Vor der Begegnung der ersten Männermannschaft mussten Kinder des TuS Makkabi eine 1:29-Niederlage gegen ein Team aus Schöneberg hinnehmen und später den neugierigen Zuschauern erklären, wie es dazu kam. Sie wirkten dabei aber keineswegs entmutigt. Das erwartet Ben Isakow auch vom Umfeld, er sieht die Nachwuchsarbeit als Langzeitprojekt und bittet um Geduld. „Die Eltern müssen uns die Zeit geben, um wachsen zu können. Man hat in den vergangenen Jahren manchmal zu schnell aufgegeben“, sagt der Sportliche Leiter.

Der TuS Makkabi wolle eine gut strukturierte und funktionierende Jugendarbeit, um davon in Zukunft profitieren zu können. Eine Identität schaffen wollen die Fußballer des Mehr-Sparten-Vereins, die von der ersten Männermannschaft bis zu den Bambini gelebt wird. Im aktuellen Erfolg in der Berlin-Liga waren am Sonntag wieder mal große Teile des Makkabi-Kicker vereint. Ein Zustand, der aus Sicht der Vereinsspitze noch eine Weile Bestand haben darf.