U19 vor Bundesliga-Aufstieg : Hilfe zur Selbsthilfe

Berlin - Aufstrebende Jungfußballer aus eigener Ausbildung? In dieser Spielzeit beim 1. FC Union: Fehlanzeige. Am letzten Spieltag durfte Lukas Lämmel, 19 Jahre alt, und seit einem Jahr mit einem Profivertrag ausgestattet, seine erste Zweitligaminute absolvieren. Seit Eroll Zejnullahus Debüt am 1. Februar 2013 hat sich kein Union-Talent mehr in die Profi-Elf gespielt.

Nun, nach dem Saisonende wurde Jens Keller noch mal nach der nicht vorhandenen U23 gefragt. „Das ist beim 1. FC Union ein heikles Thema“, antwortete er nur und bat um eine andere Frage. Mehrfach hatte der Union-Cheftrainer im Laufe seines ersten Jahres in Köpenick geklagt, wie schwierig es sei, Talente einzubauen. Weil der Verein seit 2015 keine Ausbildungsmannschaft mehr hat, in der diejenigen Spieler Erfahrung sammeln können, die zu alt für die Nachwuchsteams sind und noch nicht reif für die Profis. Immerhin Entwicklungshemmnis  Nummer zwei könnte an diesem Sonntag beseitigt werden, indem die U19 in die Bundesliga aufsteigt. Als Tabellenführer der Regionalliga trifft sie am vorletzten Spieltag auf den Zweiten − und zwar nicht irgendwo. Gespielt wird um 12 Uhr gegen den Halleschen FC im Profi-Stadion An der Alten Försterei.

Schon der kurzfristige Wechsel der Spielstätte vom FEZ ins große Stadion genügt als Hinweis, welche Bedeutung der angepeilte Aufstieg für den Klub hat. „Das wäre wichtig, um unserem Anspruch gerecht zu werden“, sagt Janek Kampa. Seit 2015 leitet er mit Hermann Andreev das Nachwuchsleistungszentrum. Voriges Jahr scheiterte das älteste Nachwuchsteam von Union als Tabellenzweiter in der Relegation, der erste Platz hingegen bedeutet den direkten Aufstieg. „Für uns ist es eine Notwendigkeit, in der U19-Bundesliga zu spielen“, sagt Kampa.

Mit der Bundesligazugehörigkeit könnte im Ausbildungssystem  eine Lücke geschlossen werden. Sie dient  als Lockmittel: Zu welchem Verein Eltern ihre Kinder schicken, hängt auch von den Berufsaussichten ab. Die Jugendbundesliga fungiert als Schaufenster, in der sich Talente präsentieren können. Wer diese Plattform nicht bieten kann, hat im   Wettbewerb um junge Fußballer einen Nachteil. Der Markt in Berlin ist umkämpft, er hat sich  in den Bereich der 13- und 14-Jährigen verlagert.