Jonathan Burkardt setzt im Mittelfeld zum Dribbling an.
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Berlin/MoldauStefan Kuntz wich das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Nach dem unter schwierigsten Umständen bestandenen Charaktertest platzte der Trainer der U21-Nationalmannschaft vor Stolz. „Die Leistung war nicht zu erwarten und bei Weitem nicht selbstverständlich“, lobte der 57-Jährige nach dem 5:0 (3:0) in Moldau und bügelte jegliche Kritik wild entschlossen ab: „Ich lasse nicht gelten, dass es nur Moldau war. Wir wissen genau, was in den letzten Tagen alles passiert ist.“

Außerdem avancierte Leverkusens Florian Wirtz zum U21-Rekordspieler. Der Bayer-Profi konnte mit 17 Jahren und 159 Tagen Julian Draxler als jüngsten deutschen U21-Spieler ablösen. Der Mittelfeldspieler agierte aber äußerst glücklos und ließ mehrere gute Gelegenheiten liegen, doch den klaren deutschen Sieg brachte das nicht in Gefahr.

Von der Ungewissheit nach dem positiven Coronatest von Abwehrspieler Stephan Ambrosius ließ sich die U21 auf ihrer Mission EM-Qualifikation nicht aufhalten. Veredelt wurde der gelungene Ausflug ins südosteuropäische Risikogebiet von den Ergebnissen der Konkurrenz. Mit Polen, Rumänien und Tschechien patzten in den anderen Gruppen gleich mehrere auf Rang zwei platzierte Teams.

Die Tür zu einem Platz unter den fünf besten Gruppenzweiten und dem damit verbundenen Ticket für die EM steht nun sperrangelweit offen. Mit zwei Siegen am Dienstag gegen Bosnien-Herzegowina (18.15 Uhr/ProSieben MAXX) und zum Gruppenabschluss am 17. November gegen Wales steht der Reise nach Ungarn und Slowenien nichts mehr im Wege, eventuell kann sich die DFB-Auswahl nun sogar auch ein Unentschieden leisten.

Doch auf dieses Zitterszenario will sich niemand einlassen. „Wir können viel Selbstvertrauen aus dem Spiel gegen Moldau mitziehen. Wir wollen gegen Bosnien an die gute Leistung anknüpfen und dieses Spiel so souverän wie möglich gewinnen“, sagte Joker Jonathan Burkardt forsch bei ProSieben MAXX. Doch Kuntz warnt: „Bosnien wird ein etwas stärkerer Gegner“ als Moldau.

Doch die souveräne Leistung gegen das Gruppenschlusslicht macht angesichts der Umstände auf jeden Fall Mut. „Wir haben nicht fehlerfrei gespielt. Aber das Engagement, die Lauf- und Einsatzbereitschaft waren überragend. Da können wir stolz drauf sein“, bilanzierte Kuntz. Schließlich wusste bis 19 Stunden vor Anpfiff niemand, ob das Spiel überhaupt stattfindet und wer auflaufen kann.

„Es war die ganze Zeit ein Abwarten“, sagte Burkardt: „Wir saßen auf den Zimmern und haben auf die nächste Nachricht gewartet, wussten nicht, wie es weitergeht.“ Schließlich mussten wegen der Corona-Causa neben den zahlreichen ohnehin fehlenden Leistungsträgern noch vier weitere Profis passen. Doch „die Älteren haben das Ding gut in die Hand genommen und die Neuen haben überragend nachgezogen“, meinte Kuntz und lobte die geschlossene Mannschaftsleistung der neu zusammengewürfelten Truppe.

Neben den arrivierten Torschützen Lukas Nmecha (18./ 25., Foulelfmeter) und Salih Özcan (41.) trugen sich Jonathan Burkardt (67.) und Debütant Dominik Kother (90.+2) erstmals in die Schützenliste ein. Damit zeigte sich, dass der Kader in Sachen Quantität durchaus ordentlich bestückt ist. Eine Erkenntnis, die den zuletzt viel gescholtenen Jahrgängen guttun dürfte.