Überragender Torwart: Rafal Gikiewicz sichert Unions Sieg gegen Köln trotz privater Sorgen

Große Worte sind leicht gesprochen, große Taten folgen ihnen selten. Weshalb jeder vernünftige Presseabteilungsmitarbeiter Fußballspielern zu bescheidenen Nichtaussagen rät. Rafal Gikiewicz hat mit diesem Normalverhalten so seine Probleme. Das macht aber nichts, da der Torwart seit dem Wechsel zu Union im Sommer hält, was er verspricht. Aktuelles Beispiel: Der beste Angriff der Liga war gegen ihn machtlos, das 2:0 war sein achtes Spiel ohne Gegentor. Wie prognostiziert.

„Köln hat Simon Terodde, Union hat Rafal Gikiewicz“, lautete seine Ankündigung vorher, „zwei Spiele gegen Gikiewicz − Terodde kein Tor“, sein treffendes Fazit danach. Dabei waren die Tage vor dem Spiel aus privaten Gründen sehr belastend gewesen. „Es war eine schwierige Woche“, sagte er. „Die Vorbereitung war für mich nicht einfach.“ Denn seine Frau musste vergangenes Wochenende ins Krankenhaus, deshalb verpasste er die Generalprobe gegen den FC Basel. An diesem Sonnabend wird sie operiert.

Lob von Marcel Hartel

Mit Rafal Gikiewicz haben die Eisernen endlich auch einen Spieler, der zwischen den Pfosten über Sieg und Niederlage entscheiden kann. Der 31-Jährige ist einer, der auch mal die hundertprozentigen Chancen vereitelt. So wie die beiden Möglichkeiten von Dominick Drexler in der ersten Hälfte und die von Jhon Cordoba sowie besagtem Terodde in der zweiten. Gleichzeitig erledigt er die Pflichtaufgaben souverän, ebenso beschleunigt er bei Gelegenheit den Spielaufbau wie mit seinem Abwurf, der Marcel Hartels 1:0 einleitete. Dass sich Jakob Busk in der Winterpause (vergeblich) um einen Wechsel bemühte, verwundert nicht. An Unions Nummer eins gibt es auch für ihn kein Vorbeikommen. „Rafal hat ein überragendes Spiel gemacht“, lobte Hartel nach dem Sieg gegen Köln.

Gikiewicz trägt dazu bei, dass sein Trainer Urs Fischer auch das Aufeinandertreffen mit St. Pauli am kommenden Montag (20.30 Uhr) „relativ entspannt angeht“, obwohl neben beiden Außenverteidigern − Christopher Trimmel und Ken Reichel sind gesperrt − Stürmer Sebastian Polter wohl fehlen wird. Sein verletzter linker Fuß wurde am Freitag untersucht, die ersten Anzeichen nach der Partie deuteten auf einen Ausfall hin. Sebastian Andersson steht als Ersatz bereit, die Abwehrseiten sollen von Christopher Lenz und Julian Ryerson besetzt werden. „Ich gehe davon aus, dass sie vorbereitet sind“, sagte Fischer. „Die Jungs haben in der Vorrunde gezeigt, was sie leisten können.“

Wenn doch mal was durchrutscht, ist Gikiewicz zur Stelle. Möglich, dass Union dank ihm am Ende der Saison der einzige Klub ist, dem Terodde kein Tor eingeschenkt hat. Gegen Duisburg, Heidenheim und den HSV hat er noch eine zweite Chance, die anderen Vereine sind bereits bedient. „Mein Gefühl war gar nicht optimal, ich hatte Glück“, erklärte der Torhüter. So forsch seine Versprechen sind, so bescheiden sind seine Leistungsselbsteinschätzungen. „Ich wurde ein paar Male angeschossen. Das war wie beim Volleyball.“ Man könnte auch sagen: Seine Reflexe waren großartig. „Wir haben das Spiel dominiert, aber es nicht geschafft, das in Tore umzumünzen“, befand Kölns Trainer Markus Anfang.

Selbstbewusstes Tiefstapeln beim 1. FC Union

Die Union-Belegschaft überzeugte indes in der hohen Kunst des selbstbewussten Tiefstapelns. Tenor: Der Sieg gegen Köln sei verdient, der Ausfall des Stammtrios dank des tollen Kaders kein Problem, aber Aufstiegsfavoriten seien trotzdem nur der HSV und Köln. In der Tat haben die Kölner im Stadion an der Alten Försterei den stärkeren Eindruck hinterlassen, die Unioner kamen außer dem Führungstor nur auf zwei weitere richtig gute Angriffe (Pass in die Tiefe von Grischa Prömel auf Reichel und Hackenpass von Hartel zu Prömel beim Nachspielzeitkonter).

Doch haben die Köpenicker eben so gespielt, wie es nötig war, um dieses eine Spiel gegen den direkten Konkurrenten zu gewinnen. Was das für die Saison bedeute, wurde Gikiewicz gefragt. Er hatte schließlich Ende November in einem unbeobachteten Moment als erster vom Aufstiegsziel geredet. „Die Konzentration geht“, sagte er nun, Blick zur Seite, „von Spiel zu Spiel.“ Der Rest der Ausführung ging in seinem Lachen unter.