In der Kabine des Jahnsportparks herrschte entsetztes Schweigen. Die Fußballer des BFC Dynamo hatten nichts geahnt, und gerade den GAU souverän vermieden: das mögliche Aus im Landespokalachtelfinale gegen Berlinliga-Spitzenreiter Sparta Lichtenberg. Doch nach dem 4:0 (2:0) schockte Dynamo-Trainer René Rydlewicz seine Spieler: Der 45-Jährige trat mit sofortiger Wirkung als Chefcoach des Regionalligisten zurück.

Die Hoffnung auf die Pokal-Titelverteidigung lebt zwar weiter, doch wichtiger als diese Mission war Rydlewicz zweifelsohne die prekäre Lage in der Liga. Dort stecken die Hohenschönhauser nach zuletzt vier Pleiten in Folge mit 0:13 Toren tief im Abstiegskampf. Rydlewicz wollte ein Zeichen setzen und hielt nicht fest an seinem Job. „Das hätte ich als egoistisch empfunden. Ich hänge an dem Klub. Die Menschen sind mir hier ans Herz gewachsen. Dynamo war doch noch aus Jugendzeiten immer mein Verein“, meinte der frühere Bundesligaprofi.

Beim BFC wurde er zum jüngsten Oberligaspieler aller Zeiten, der Klub war nach der Wende auch sein erster Arbeitgeber als Trainer im Erwachsenenbereich. „Eine lehrreiche Zeit. Und auch ein schöne. Immerhin haben wir hier in den letzten zwei Jahren zweimal den Pokal geholt und auch im Vorjahr eine gute Rolle in der Regionalliga gespielt“, sagte Rydlewicz.

Einleuchtende Begründung

Seine Respekt abnötigende Entscheidung erklärte er so: „Es wäre viel verheerender gewesen, wenn uns der Start nach der Winterpause gegen Chemnitz und den BAK misslingt und dann womöglich ein neuer Coach kommen soll.“

So habe ein neuer Trainer die Zeit, in der Vorbereitung neue Impulse zu setzen. „Er kann sein System einstudieren und vielleicht sogar noch ein paar Verstärkungen holen“, fügte Rydlewicz an. Seinen Fußballern gegenüber hatte er vorher nichts über seinen Entschluss angedeutet, damit die sich voll auf das schwierige Pokalspiel konzentrieren konnten.

Das klappte immerhin. Der 4:0-Erfolg durch zwei Tore von Ronny Garbuschewsky (67./76.) sowie Treffer von Marc Brasnic (21.) und Niklas Brandt (35.) geriet aufgrund des Trainer-Abschieds aber ebenso in den Hintergrund wie die Tatsache, dass Patrick Brendel (Schultereckgelenksprengung) und Bilal Cubukcu (Schienbeinbruch) erstmals wieder auf der Bank saßen. „Das hatte aber mehr moralische Gründe. 100 Prozent fit sind sie noch nicht“, verriet Rydlewicz. Dass das Duo die Kollegen trotzdem unterstützen wollte, ist ein Zeichen, dass der Zusammenhalt im Team stimmt.