Berlin - Ein im Profifußball eher seltenes Kunststück ist dem Management von Drittligist Viktoria 1889 Berlin gelungen: Bis zum letzten Moment war der Name des neuen Cheftrainers nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Am Donnerstag um 13.30 Uhr, eine halbe Stunde vor dem ersten Training mit dem neuen Mann, gab der abstiegsgefährdete Aufsteiger die wichtige Personalie bekannt. Die stellt durchaus eine Überraschung dar: Farat Toku aus Bochum ist der Nachfolger des am 20. Februar entlassenen Benedetto Muzzicato, der die Mannschaft zweieinhalb Jahre lang erfolgreich führte, ehe sie in eine heftige Krise geriet. Der 41-Jährige Toku tritt ein schweres Erbe an und wird von den  bisherigen Viktoria-Co-Trainern David Pietrzyk (er leitete die beiden letzten Spiele ad interim) und Richard Krohn unterstützt.

Viktoria, einst euphorisch und mit Erfolg in die Dritte Liga gestartet, später abgestürzt, ist seit sieben Spielen ohne Sieg und hat zuletzt vier Niederlagen in Serie kassiert – die letzte am Mittwochabend im Nachholspiel beim Halleschen FC (1:4), wobei Viktoria zwei Treffer in der Nachspielzeit kassierte. Toku leitete am Donnerstagnachmittag sein erstes Training auf dem Gelände am Wildspitzweg in Mariendorf. Er ist ein in Berlin eher unbekannter Trainer. Sportdirektor Rocco Teichmann sagte: „Aus einer Vielzahl von Bewerbern konnten wir einen kleinen Kreis formen. Farat Toku passt mit seinem Temperament und seiner Qualität optimal zu uns.“ Toku selbst sagte in einem ersten Statement: „Ich stehe für vieles, wofür auch der Klub steht. Ich habe das Gefühl, es passt zwischen uns.“

Beim Trainerlehrgang mit Klose, Neuendorf und Capretti

Toku war einst als defensiver Mittelfeldspieler etwa bei Preußen Münster, Sachsen Leipzig und Wattenscheid 09 aktiv. Seine Vita als Trainer ist noch relativ kurz: Er agierte als Co-Trainer beim Wuppertaler SV, trainierte den SV Wilhelmshaven und war zuletzt von Januar 2015 bis Oktober 2019 als Cheftrainer beim Regionalligisten Wattenscheid 09 tätig. Nach 180 Spielen auf der Bank trat er aber zurück und war seitdem ohne Verein. Im März 2020 begann er den DFB-Fußball-Lehrer-Lehrgang, den er im Mai 2021 erfolgreich absolvierte. Tokus Mitstreiter im 67. Lehrgang waren unter anderem Miroslav Klose, Andreas „Zecke“ Neuendorf und Guerino Capretti, der seit Mittwoch Trainer bei Dynamo Dresden ist.

Laut Viktorias Geschäftsführer Peer Jaekel soll der neue Cheftrainer „kurz-, mittel- und langfristig die Mannschaft und jeden einzelnen Spieler weiterentwickeln“. Jaekel zur Trainerwahl: „Farat Toku hat uns in vielen intensiven Gesprächen mit seiner emotionalen und direkten Ansprache überzeugt.“ Elf Spiele hat Toku nun Zeit, um Viktoria die Dritte Liga zu erhalten. Am Montag geht es zum ebenfalls abstiegsgefährdeten TSV Havelse.