Berlin - Die Pläne für einen Umbau des Olympiastadions werden immer konkreter. Statt des Neubaus einer Fußball-Arena auf dem Olympiagelände oder in Ludwigsfelde scheint die dritte Option für eine attraktivere Spielstätte von Hertha BSC nun das favorisierte Modell zu sein. Der Berliner Bundesliga-Club hatte die Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. „Das Ergebnis hat uns auch überrascht“, erklärte Manager Michael Preetz. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller hofft auf eine gemeinsame Lösung mit Hertha, um den Club in der Hauptstadt zu halten.

Wie sieht ein möglicher Umbau aus?

Preetz nannte bereits Details. Spielfeldabsenkung und steilere Tribünen bis ans Spielfeld heran sollen für eine stimmungsvollere Atmosphäre sorgen. In den Fankurven könnte zwischen Steh- und Sitzplätzen variiert werden, eine lange Videoleinwand würde den Oberring abhängen. So könnte die Kapazität zwischen 55.000 und 70.000 Zuschauern wechseln. „Wir gehen jetzt die nächsten Schritte an. Es kann sich jeder vorstellen, dass es eine wahnsinnig spannende Zeit wird“, erklärte Preetz.

Wer trägt die Kosten?

Das Land Berlin ist Eigentümer der Arena. Müller hat eine Kostenbeteiligung des Senats bereits in Aussicht gestellt. Allerdings müsste Hertha einen Eigenanteil liefern. Wie die Kostenteilung konkret aussehen soll, dafür gibt es verschiedene Modelle. Eins sieht vor, dass sich Hertha mit langfristigen Mietzahlungen an der Refinanzierung beteiligt. Der Club könnte auch privates Geld zuschießen, das später mit der Miete verrechnet wird.

Wie hoch sind die Kosten?

Eine offizielle Zahl, was der Umbau kostet, kann zum gegenwärtigen Stand der Planung noch nicht vorliegen. Das von Hertha BSC beauftragte Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner (gmp) rechnet mit 150 Millionen Euro. Die Rekonstruktion der 1936 eingeweihten Arena von 2000 bis 2004 hatte 242 Millionen Euro gekostet. 196 Millionen kamen damals vom Bund, der Rest vom Land Berlin.

Wie lange würde der Umbau dauern?

Innensenator Andreas Geisel sprach in der „Bild“-Zeitung von mindestens 15 Monaten. „Wir sind natürlich an einer kurzen Bauzeit interessiert“, sagte Geisel. Wahrscheinlich wird aber noch länger gebaut. Auf jeden Fall müsste Hertha für mehrere Monate in einer Ersatzspielstätte antreten. Möglich sei ein temporäres Stadion auf dem Maifeld neben dem Olympiastadion in Richtung des Glockenturms. „Das ist durchaus möglich und finanzierbar“, sagte Geisel.

Welche Rolle spielt der Denkmalschutz?

Eine große. Das Ergebnis ist bei der aktuellen Umbauvariante zur WM 2006 sichtbar. Da endet schon mal eine Treppe an einer Raumdecke, weil sie nicht abgerissen werden durfte. Allerdings würden auch schon die Sitze im Unterring nicht mehr dem Denkmalschutz entsprechen, bemerkte Geisel: „Der Denkmalschutz ist hart im Äußeren und oberen Rang.“ Der für den Denkmalschutz zuständige Kultursenator Klaus Lederer sagte in der „Berliner Zeitung“ (Montag): „Ich weiß nicht, ob die Machbarkeitsstudie unter Beachtung des geltenden Denkmalschutzes erstellt wurde.“

Was passiert mit der Leichtathletik?

Die Neugestaltung müsse „nicht zwingend“ das Aus für Leichtathletik-Veranstaltungen bedeuten, erklärte der Regierende Bürgermeister Müller. Es könne auch in einem Fußballstadion eine flexibel rückbaubare Tartanbahn geben: „Das wird jetzt ausgelotet.“ Das 1998 eröffnete Stade de France in Paris hat verschiebbare Tribünen, die Leichtathletik-Wettkämpfe möglich machen. Geisel hält auch einen Umbau des Jahn-Sportparks zum Leichtathletik-Zentrum für möglich. Der nationale und der Berliner Leichtathletikverband haben bereits heftig gegen die Umbaupläne protestiert. (Jens Mende, dpa)