Wenn dereinst die großen Rückblicke der Spielzeit 2017/18 verfasst werden, wird diesem 25. Spieltag in Liga zwei besondere Berücksichtigung in den Annalen des 1. FC Union zuteil werden. Sie wissen schon, das ist dieser kleine unbeugsame Klub, der nicht aufhört, den Gesetzmäßigkeiten der Kommerzialisierung Widerstand leisten zu wollen und der diesen Beweis seiner Andersartigkeit gern auch mal eine Liga höher antreten würde. Ein Ansinnen, das aber am Freitagabend am Betzenberg zu Kaiserslautern nach einer hanebüchenen Abwehrleistung und einem selbstverschuldeten 3:4 begraben werden musste.

Sicher, das große Ziel wurde nicht erst auf dem Betzenberg verspielt. Es war aber eben doch der Abend, als das Unheil so dermaßen geballt auf die Köpenicker eindrosch, dass man gefühlt darin das große Scheitern festmachen wollte.

Es war der Abend, an dem die Eisernen mit Sebastian Polter (Achillessehnenriss beim Aufwärmen) und Michael Parensen (schwere Knieverletzung nach einem Zweikampf) zwei Herzblutspieler verloren. Es wurde der Spieltag, an dem der Rückstand auf Rang drei auf sechs Zähler und eine kaum aufzuholende Tordifferenz anwuchs. Zu allem Überfluss war es das Wochenende, an dem sich die Köpenicker von einer Zukunft mit Toni Leistner verabschieden durften und das leicht bockig und entgegen sonstiger Gepflogenheit offen kommunizierten.

Union steht vor einem Scherbenhaufen

Wer nun wem zuerst das sprichwörtliche Schäufelchen aus der Hand schlug, Union seinem Abwehrmann Leistner – indem Trainer André Hofschneider ihn mit Verweis auf „normalen Konkurrenzkampf“ und „bessere Spieleröffnung“ bei Marvin Friedrich gar nicht erst für die Startelf nominierte – oder der 27-Jährige dem Klub, weil er sich partout nicht zu einer Vertragsverlängerung drängen lassen wollte, ehe er nicht weiß, wo und mit wem Union nächstes Jahr spielt, ist dabei unerheblich. Die Auswirkungen sind die gleichen. Leistner, an guten Tagen einer der besten Manndecker der Liga, geht – und das ablösefrei.

Der 1. FC Union steht vor einem Scherbenhaufen, dessen wahre Höhe noch nicht abzuschätzen ist: Umbruch statt Bundesliga. Der Versuch, sich durch die Trennung von Jens Keller den eigentlichen Saisonzielen noch einmal anzunähern, ist nach nur acht Punkten in neun Spielen unter André Hofschneider krachend gescheitert und damit dessen Wirken über den Sommer hinaus kaum mehr vorstellbar. Stallgeruch allein reicht eben nicht aus. Er, der als Getreuer Vereinssoldat zur Stelle war, als Keller im Dezember gehen musste, trägt den Makel des Scheiterns nun in sich und muss aufpassen, dass er in den letzten neun Spielen der Saison nicht als „lame duck“ vorgeführt wird.

Abschied von Steven Skrzysbki 

Zumal Sätze wie „Wir haben eine ansprechende Leistung geboten“ nach so einem Spiel nur Kopfschütteln hervorrufen. Vier Tore erzielten die Roten Teufel zuletzt am 29. April 2016 gegen den bereits feststehenden Absteiger FSV Frankfurt. Union aber kickte beim Schlusslicht und wollte aufsteigen! Worte wie diese bieten dem Team, das erneut versagt hat, ein billiges Alibi. „Die Moral der Mannschaft, auch wie sie die Ruhe über weite Strecken behalten hat, war in Ordnung“, so Hofschneiders Fazit, was doch schon mächtig nach Durchhalteparolen klingt.

Zudem muss sich der 1. FC Union auf den Abschied von Steven Skrzysbki einstellen. Nach dessen Toren 12 und 13 wird nicht nur Schalke Interesse zeigen. 3,5 Millionen Euro Ablöse sind für den neben Kiels Marvin Ducksch führenden Zweitliga-Torjäger eher ein Schnäppchen. Wer dann dem Lockruf des Geldes noch erliegt, wird sich zeigen.

Simon Hedlund und Kristian Pedersen werden dabei oft angeführt. Die Verträge von Stephan Fürstner, Dennis Daube, Daniel Mesenhöler und Michael Parensen laufen aus. Auf einmal muss nun sogar Philipp Hosiner weiter gehalten werden, dessen Abschied im Sommer auch im Raum stand. Sonst hätten die Eisernen im Sommer womöglich nur einen spielfähigen Angreifer, denn bei Polter – wird heute operiert – sollte von einer Rückkehr erst zur Rückrunde 18/19 ausgegangen werden.