Als die Eisbären Berlin am vorvergangenen Wochenende für die Champions Hockey League in den Wellblechpalast in Hohenschönhausen zurückkehrten, spürten die eingefleischten Fans wieder diese Atmosphäre, die sie bis zum Ende der Saison 2007/2008 so genossen haben: Die Zuschauer heizten ihrem Team ein, bis die Ohren schmerzten. Es roch es nach Bratwurst. „Das Familiäre ist ein bisschen weniger geworden“, weiß Fan Ralf Czygan, der seit über einem Vierteljahrhundert die Mannschaft begleitet.

Zum Saisonstart der Deutschen Eishockey Liga in die Arena

Das ändert nichts daran, dass er am kommenden Freitag wieder mit seiner Trommel in die Arena pilgert, um die Eisbären beim Saisonstart der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gegen Meister München zu unterstützen. Sein Platz ist in der Fankurve, wo die meisten stehen, die vor zehn Jahren auch schon den Klub angefeuert haben. Unter den Zuschauern werden sich aber auch viele finden, die in der Arena einen unterhaltsamen Abend erleben wollen. Ein Event, das sich von anderen Veranstaltungen in der Stadt abhebt.

Für die Verantwortlichen des Vereins, der von der Anschutz Entertainment Group (AEG) aus Los Angeles gesteuert wird, war das ein ganz wesentlicher Grund für den Umzug. „Wir wollten mehr Zuschauer zum Eishockey bringen und als Verein wachsen“, sagt Geschäftsführer Peter John Lee, der im Jahr 2000 bei den Eisbären als Manager anheuerte und die Erfolgsgeschichte mit sieben Titeln in neun Jahren verantwortet. In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Mitarbeiter mehr als verdoppelt. Derzeit arbeiten in der Geschäftsstelle schräg gegenüber der Halle knapp 30 Leute.

Eisbären-Management erhofft sich mehr Zuschauer

Das beste Marketing machten damals die Spieler selbst. Am 14. September 2008 fertigten die Eisbären die Augsburger Panther im Spitzenspiel 11:0 ab. „Der sportliche Erfolg ist bei einem solchen Neustart ganz entscheidend“, sagt Lee. Von insgesamt 13,1 Millionen Besuchern in der Arena machten 4,3 Millionen Eishockeyzuschauer rund ein Drittel aus.

Selbst Fans wie Czygan, die beim Abschied aus Hohenschönhausen Tränen in den Augen hatten, waren beeindruckt, „wie gut das Eishockey angenommen wurde“. Im Jahr des Umzugs ergab eine Umfrage, dass die Eisbären der bekannteste deutsche Verein abseits des Fußballs sind. Noch immer ist der Wellblechpalast als Trainingshalle die sportliche Heimat. „Mit dem Umzug ist es aber einfacher geworden, zu unseren Spielen zu kommen“, sagt Geschäftsführer Lee.

Eisbären gelten als bekanntester deutscher Eishockey-Verein

Natürlich hat sich über die Jahre auch die Preispolitik geändert. „Im Welli haben wir uns auch geärgert, wenn es mal teurer geworden ist. Es beschwert sich ja niemand, wenn das im Rahmen bleibt, das gehört ja dazu“, sagt Fan Czygan. „In der Halle sind die Preise für Eintritt, Essen und Trinken aber explodiert.“ 2013 gingen die Fans in der entscheidenden Saisonphase sogar in den Streik, weil sie die Dauerkartenpreise für überzogen hielten.

In jenem Jahr gewannen die Berliner ihren letzten Titel, es folgten teils sehr durchwachsene Jahre. Auch wenn die Zuschauer in dieser Zeit nicht mehr wie automatisch in die Halle strömten, kamen selbst bei Partien gegen weniger attraktive Gegner selten unter 10.000 Besucher. In der vergangenen Saison lag der Schnitt bei 11.300. Die Eishockeyfamilie hat sich in zehn Jahren also mehr als verdoppelt.