Berlin - Borussia Dortmund hat am Donnerstagabend im Berliner Olympiastadion auf eindrucksvolle Weise das DFB-Pokalfinale für sich entschieden. Die vor Talent strotzende Elf von Edin Terzic besiegte RB Leipzig nach einer formidablen ersten Hälfte 4:1 (3:0) und sicherte dem Klub den fünften Titelgewinn in diesem Wettbewerb. Der von Milliardär Dietrich Mateschitz vorangetriebene Klub mit den Bullen als Markenzeichen bleibt dagegen weiter ohne eine wirklich wertvolle Trophäe.

Übrigens: Die Medaillen überreichte nach der Partie nicht etwa Fritz Keller, der wohl nur noch bis zum kommenden Montag amtierende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, nein, den Job übernahmen eine Nachwuchsfußballerin und ein Nachwuchsfußballer. Ein DFB-Sprecher hatte dazu schon am Nachmittag folgende Erklärung in die Welt gebracht: „Fritz Keller hat entschieden, dass kein Offizieller des DFB auf dem Platz stehen wird. Es soll eine Geste der Verbundenheit zwischen Amateur- und Profifußball sein. Es ist eine Solidaritätsaktion und ein Zeichen, das rausgesendet werden soll in allen Krisen, die der DFB hatte.“ Wobei das mit dem „hatte“ wohl nicht ganz der Wahrheit entspricht, der DFB steht nämlich erst am Anfang der Krisenbewältigung. Aber das nur am Rande eines Spiels, das für diese Organisation für gewöhnlich ja das Spiel des Jahres ist.

Reus luchst Kampl den Ball ab

Im Vorlauf der Auseinandersetzung zwischen dem Traditionsverein aus dem Westfälischen und der Fußballunternehmung aus Sachsen hatten die Statistiker wieder allerlei interessante Zahlen aufbereitet. RB verteidigt so gut und so hoch wie keine andere Mannschaft in der Bundesliga, war da zu lesen, schlägt die besten Flanken, bringt es im Schnitt auf 16 Torschüsse pro Spiel, braucht aber doch ziemlich viele Versuche, um einen Treffer zu markieren. Die Borussia wiederum hat die besten Balldiebe in ihren Reihen, dazu die besten Dribbler. Und beim Abschluss sind sie super effektiv.

Tja, was soll's, Zahlen, nichts als Zahlen, möchte man meinen. Bei so einem Finale, bei einem so wichtigen Spiel, zählt doch zuvorderst die Tagesform, die Nervenstärke der Akteure und natürlich auch die taktische Finesse des jeweiligen Fußballlehrers. Aber nach fünf Minuten stellte die Schwarz-Gelben tatsächlich ihre Klasse bei der frühen Balleroberung unter Beweis. 

Marco Reus, der schon in den vergangenen Wochen mitunter Weltklasse-Leistungen auf den Platz gebracht hatte, luchste Kevin Kampl an der Mittellinie den Ball ab. Er passte auf Erling Haaland, der den Ball sogleich auf Mo Dahoud weiterpasste. Das ging alles so schnell, dass die Leipziger nicht mehr zur Ordnung fanden, die Welle nicht mehr brechen konnten, und schließlich das Pech hatten, dass Jadon Sancho den Angriff zum Abschluss brachte. Der Engländer machte aus halblinker Position einen kurzen Schlenker nach innen und drehte das Ding mit dem Innenrist zum 1:0 in die lange Ecke.

Haaland schüttelt Upamecano ab

Beim Torjubel der Schwarz-Gelben wurde einem mal wieder bewusst, wie schrecklich Fußball vor einer Geisterkulisse ist. Da war kein ohrenbetäubender Lärm zu vernehmen, nur der Applaus von den Kluboberen auf der Tribüne und das Geschrei der Trainer und Ersatzspieler. Wie schrecklich, noch dazu dieses fürchterliche Regenwetter – dieses hochklassige Spiel hatte eine andere, eine typische DFB-Pokalfinal-Atmosphäre verdient. 

AP/Woitas
Einfach nicht zu halten: Dortmund Erling Haaland.

Aber zurück zu den Zahlen, zurück zu dem Faktor Effizienz. Die Leipziger hatten nach dem Rückstand gute Ansätze, ein paar verheißungsvolle Freistoßsituationen in gegnerischer Strafraumnähe, aber dann kam dieser unglaubliche Haaland. Reus hatte den Norweger mit einem Pass in Bewegung gebracht, Haaland ging sofort in das Laufduell mit Dayot Upamecano, wobei Letztgenannter eine ungewohnte Erfahrung machte. Da war einer schneller als er, kräftiger als er, sodass er nach dem ersten Körperkontakt sogleich auf dem Hintern landete. Haaland hingegen blieb obenauf, legte sich den Ball zurecht und schlenzte diesen an Peter Gulasci vorbei ins Tor (28.). 

Nagelsmann vercoacht sich

Braucht diese Mannschaft tatsächlich einen neuen Trainer? Marco Rose wird im Sommer ja übernehmen. Diese Mannschaft gab mit ihrem Auftritt an diesem Abend aber eine klare Antwort auf diese Frage. Sie lautet: Nein! Unmittelbar vor der Pause war Reus erneut Initiator eines Konters, legte zwei Meter vor Gulasci quer auf Sancho, der die Sache locker zum 3:o zu Ende brachte. Schiedsrichter Felix Brych nahm dabei im Nachhinein die Abseits-Entscheidung seines Linienrichters zurück. Gut so!

Julian Nagelsmann, der Trainer der Leipziger, hatte sich schlussendlich mit einer Doppelspitze (Hee-Chan Hwang, Alexander Sörloth) total vercoacht, korrigierte dies in der Halbzeitpause mit zwei Wechseln. Der künftige Bayern-Coach brachte Yussuf Poulsen und Christopher Nkunku, der nach einem groben Stellungsfehler von Mats Hummels sogleich eine sehr gute Chance zu einem Treffer der Hoffnung hatte, aber mit seiner Direktabnahme nur die Querlatte streifte.

Sancho verdaddelt die Entscheidung

Die Offensive von RB entwickelte nun weitaus mehr Torgefahr, was ursächlich aber auch auch mit dem doch eher passiven Verhalten der Dortmunder zu tun hatte. So konnten Poulsen, Nkunku und die später ebenfalls noch eingewechselten Emil Forsberg und Konrad Laimer zumindest noch andeuten, dass ihr Trainer sie zu Unrecht nicht von Beginn an gebracht hatte. Nachdem Thorgan Hazard um einen Schritt am 4:0 vorbeigeschlittert war (66.), traf Forsberg nur den Pfosten. Nkunku wiederum legte in der 71. gekonnt auf Dani Olmo ab, der mit einem rasanten Schuss aus 18 Metern schließlich Bürki überwinden konnte. 

Dem BVB mangelte es in dieser Spielphase an Energie und Schärfe, musste gegen Ende der Partie doch noch das eine oder andere Mal zittern. Auch weil Sancho in der 84. Minute viel zu lässig eine Großchance verdaddelte. Der Leichtsinnige tat sich allerdings nur vier Minuten später wieder als Vorarbeiter hervor, spielte im rechten Moment auf Haaland, der trotz oder wegen seines Ausrutschers den Schlusspunkt zum 4:1 setzte.