Ein Bild mit Symbolkraft: Neven Subotic verabschiedet sich am Sonnabend von seinem Kollegen Grischa Prömel. 
Foto: City-Press

BerlinManchmal nimmt das Leben seltsame Wendungen. Im Fußball sogar noch öfter. Wer hätte vor rund 13 Monaten gedacht, dass die Eisernen einen Profikicker vom Schlage eines Neven Subotic unter ihre Fittiche nehmen könnten. Als Aufsteiger klang das schon nach einer echten Hausnummer. Zumal der 31-Jährige ja nicht zum Abkassieren nach Köpenick kommen wollte, sondern mit dem festen Willen, zum Wunder vom Klassenerhalt beizutragen. Ein Unterfangen, das nicht als Kurzzeit-Engagement angedacht war. 

Das Wunder Klassenerhalt wurde geschafft. Aber der Innenverteidiger, der diese Leistung als mit einer Meisterschaft vergleichbar ansieht, wird Köpenick verlassen. „Auf seinen Wunsch hin“, wie Trainer Urs Fischer am Sonnabend noch einmal ausdrücklich betonte.  Am Freitag hatte Union bekannt gegeben, dass der serbische Ex-Nationalspieler nicht mit ins am Montag beginnende Trainingslager der Eisernen ins bayrische Bad Wörishofen fährt. In das wohl auch Suleiman Abdullahi nicht mitreist. Ein mögliches Ausleihgeschäft mit Eintracht Braunschweig scheint so gut wie in trockenen Tüchern zu sein. 

Mees und Becker treffen gegen Dresden

Zurück zu Subotic. Der WM-Teilnehmer von 2010 sei für Gespräche mit anderen Vereinen freigestellt. Das deutet auf Verhandlungen hin, die man nicht mal so eben mit einem Kurztrip quasi um die Ecke erledigen kann. Fenerbahce wird ja gerne als mögliches Ziel genannt. Aber auch die MLS oder gar Japan hätten bestimmt ihren Reiz für den alten Fahrensmann.

Über die Beweggründe muss man wohl nicht groß spekulieren. In der zweiten Saisonhälfte war Subotic in Fischers Mannschaftsgefüge immer mehr ins zweite Glied gerückt. Auch für die neue Spielzeit wurde ihm das offenbar so suggeriert. Subotic will aber wichtig sein für ein Projekt. Und wenn er dieses Gefühl nicht mehr so hat, ist es entsprechend Zeit für Luftveränderung. Eine Rolle mag auch spielen, dass er mit dem erreichten Klassenerhalt das ursprüngliche Projekt als erfüllt ansieht und sich daher neue Reize setzen will und muss. 

Umso größer dann das Erstaunen, dass er am Sonnabend dann noch in der ersten Halbzeit beim 2:0-Testspielsieg gegen Dynamo Dresden  (Tore: Mees/50., Becker/62.) für die Köpenicker auflief. Es sind ja schon ganz andere Transfers an einer plötzlich aufgetretenen Verletzung gescheitert.  Wer erinnert sich nicht an den Fall von Leroy Sané, dessen Kreuzbandriss einen Wechsel erst mit einem Jahr Verzögerung über die Bühne gehen ließ.  Befindlichkeiten, auf die Fischer aber keine Rücksicht nehmen wollte. „Es war klar so abgesprochen“, zeigte der Schweizer sich erstaunt über das Erstaunen der Beobachter. 

Ich habe vieles gesehen in meinem Leben. Aber so eine Fanszene, wie es hier gibt, das ist schon etwas Einmaliges.

Neven Subotic 

Typisch Fischer. Typisch für Subotic war dann, dass er sich persönlich noch einmal kurz von den Reportern in der Alten Försterei mit einem Statement verabschiedete. Von den Fans geht es ja derzeit nicht. „Ich glaube, es ist für mich und für den Verein der richtige Schritt, sich um die Zukunft zu kümmern. Für mich persönlich gilt es jetzt, das Beste aus dem Leben zu machen. Ich habe noch ein paar Jahre in diesem Geschäft. Und die will ich zu 100 Prozent angehen. Und dafür im nächsten Schritt einen neuen Verein finden“, so Subotic.

Es läuft also auf eine völlig harmonische, einvernehmliche Trennung hinaus. Was in dieser Branche ja auch nicht immer alltäglich ist. „Ich schaue zurück auf ein sehr erfolgreiches Jahr. Zweifelsohne. Das war für uns als Unioner ein historisches Jahr. Und das war es in allerlei Hinsicht. Viel mehr, als wir es erwartet hatten. Das nehme ich mit und bedanke mich bei allen. Vor allem vorneweg bei den Fans. Ich habe vieles gesehen in meinem Leben. Aber so eine Fanszene, wie es hier gibt, das ist schon etwas außerordentlich Schönes und Besonderes“, sagte Subotic.