Der 1. FC Union spielt in der noch jungen Zweitligasaison 2018/19 (noch) nicht schön, aber immerhin doch schon sehr effizient. Das ist wohl der richtige Schluss aus dem 1:1 beim Erstligaabsteiger 1. FC Köln, das trotz leichter Feldvorteile für den Gastgeber wohl als leistungsgerecht eingestuft werden darf und für die Eisernen nach zwei Spieltagen immerhin Platz sechs in der Tabelle zur Folge hat.

Wobei auch gleich mal erwähnt werden darf, dass dieses Spiel in jedweder Hinsicht den Anspruch eines Zweitligaspitzenspiels nicht gerecht werden konnte. Statt Karnevalsfußball, der Spaß macht, gab es am Montagabend Fußball, der vor allem beim neutralen Beobachter jede Menge Durchhaltevermögen erfordert.

Felix Kroos erneut auf der Bank

Dass Urs Fischer im Vergleich zum Saisonauftakt gegen Aue in der Komposition der Startformation nur eine Korrektur vorgenommen hatte, war schon ein wenig überraschend. Nur Akaki Gogia musste für Simon Hedlund weichen, obwohl im Besonderen Manuel Schmiedebach und Grischa Prömel im zentralen Mittelfeld den Eindruck erweckt hatten, noch nicht eine gemeinsame Trainingseinheit bestritten zu haben.

So nahm Felix Kroos, der Siegtorschütze des vergangenen Wochenendes, erneut auf der Bank Platz, was für einen Spieler mit seinen Ansprüchen eine ziemlich nervige Angelegenheit sein muss.

Allerdings wirkten die Eisernen vor der Länderspielkulisse im Müngersdorfer Stadion, 50.000 Besucher wurden gezählt, zunächst tatsächlich weitaus griffiger als beim glücklichen 1:0 am vergangenen Sonntag. Immer wieder zwangen sie die Gastgeber zu Ballverlusten, wobei sich Hedlund, aber auch Marcel Hartel und Marvin Friedrich hervortaten. Der Meisterschaftsfavorit versuchte sich immer wieder an einem planvollen Spielaufbau, was sich aber spätestens an der Mittellinie in das übliche Zweitligatohuwabohu verkehrte.

Tanz ins Niemandsland

Um die Freunde der Torchance nicht zu enttäuschen, sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass Friedrich in der 6. Spielminute nach einer Kopfballablage die beste für Union hatte, aber sein Schuss per Beinblock entschärft wurde. Und dass die Kölner nach etwa einer halben Stunde durch Louis Schaub per Kopf und Jhon Cordoba per Flachschuss ihre Fans zumindest zu einem kurzen Zwischensupport animierten. Beim Flachschuss war Union-Keeper Rafal Gikiewicz erstmals richtig gefordert, parierte dabei zuverlässig. All das konnte aber noch unter der Rubrik „harmlos“ verbucht werden.

Was dann mit seiner Mannschaft passierte, muss Fischer zu denken geben. Ein, zwei Stockfehler, ein, zwei leichtfertig verlorene Zweikämpfe – und schon war das gewonnene Selbstvertrauen auch schon wieder dahin. Geradezu grotesk, was Prömel in der 41. Minute aufführte. In der Vorwärtsbewegung geriet ihm der Ball zwischen die Beine, und als er die wieder sortiert hatte, trat der Kölner Nutznießer Christian Clemens mit seinem Antritt eine Fehlerkette in der Union-Abwehr in Gang. Schmiedebach blieb zaghaft, und Gikiewicz spekulierte offensichtlich darauf, dass Clemens noch ein zwei Schritte mit Ball macht. Doch Clemens schoss und traf ins kurze Eck.

Wie man den aufkommenden Hemmungen am besten entgegenwirkt? Nun, das war gegen Aue zu beobachten: ein direkt verwandelter Freistoß. Ken Reichel versuchte sich unmittelbar nach der Pause an einer Wiederholung, scheiterte allerdings an Timo Horn beziehungsweise an der Querlatte, weil der Kölner Keeper den Ball an ebendiese lenkte.

Im Gegenzug wollte Nationalspieler Jonas Hector mal nachempfinden, wie sich das so anfühlt, wenn der Ball die Querlatte berührt. Gikiewicz erweckte dabei den Eindruck der Unentschlossenheit, tanzte zwei Schritte vor, einen zurück ins Niemandsland. Union wirkte so verletzlich wie gegen Aue.

Und wie gegen Aue hatte Fußballlehrer Fischer so eine Idee: Er reagierte mit einem Spielertausch auf die anhaltende Verunsicherung seines Teams, brachte Gogia für Redondo. Und siehe da: Gogia schoss zwar nicht selbst ein Tor wie Einwechselspieler Kroos, aber er bereitete mit energischem Antritt und präziser Flanke das von Sebastian Andersson vor.

Gogia war es auch, dem sich in der 75. Minute gar die Chance zum Siegtreffer eröffnete. Allerdings fehlte ihm ein halber Schritt, um gegen Horn mit einem Lupfer erfolgreich zu sein.