Union jubelt über den Führungstreffer.
Foto: Matthias Koch/imago

Freiburg i.B.Verwunderung im Kreis der Beobachter, nachdem vor dem Zweitrundenspiel im DFB-Pokal zwischen dem gastgebenden SC Freiburg und Union im Presseraum des Schwarzwald-Stadions die Zettel mit den Aufstellungen gereicht worden waren. Wie mutig! Vielleicht sogar ein bisschen übermütig. Das war die einhellige Meinung der Beobachter. Na, klar: warum nicht?! 

Das war offensichtlich die Meinung von Urs Fischer, der als Trainer des 1. FC Union beim Zweitrundenspiel im DFB-Pokal seine Startelf im Vergleich zum Ligaspiel beim FC Bayern gleich auf sechs Positionen verändert hatte. Ja, warum nicht, darf man im Nachhinein konstatieren: Denn durch einen platzierten, in der 87. Minute von der Strafraumgrenze abgefeuerten Schuss des überragenden Robert Andrich und dem entscheidenden Treffer von Christian Gentner nach einem Konter in der Nachspielzeit siegten die Eisernen 3:1 beim Ligakonkurrenten, stehen zum ersten Mal seit 2013/14 wieder im Achtelfinale des nationalen Pokalwettbewerbs.

Wie schon beim 2:0-Erfolg im Ligaspiel gegen die Breisgauer im Stadion An der Alten Försterei ließ der Schweizer Fußballlehrer sein Team in einem 3-4-3 agieren. Keven Schlotterbeck durfte an alter Wirkungsstätte den Abwehrchef geben, im zur Seite standen in der Abwehrkette Marvin Friedrich, der für den leicht angeschlagenen Christopher Trimmel die Spielführerbinde trug, sowie Michael Parensen. Letztgenannter verletzte sich aber bereits nach 14. Minute, wurde durch Nicolai Rapp ersetzt. Im Mittelfeld? Kein Christian Gentner! Kein Felix Kroos! Dafür aber Manuel Schmiedebach und Julian Ryerson. Im Sturm gab Anthony Ujah, der Zwei-Millionen-Euro-Einkauf aus Mainz, den Stoßstürmer, flankiert von Marcus Ingvartsen und Joshua Mees.

Letztgenannter, da gab es wohl auch zwischen den Beobachtern und Fischer keine zwei Meinungen, machte ein sehr gutes Spiel. Und das nicht nur wegen seines Kopfballtreffers zum 1:0, den Ujah mit einer bestens getimten Flanke vom rechten Flügel vorbereitet hatte, sondern vor allen Dingen wegen seiner fortdauernden Präsenz. Wie aufgedreht wirkte der 23-Jährige, übte Druck auf die Freiburger aus, unterstützte aber auch Christopher Lenz in der Rückwärtsbewegung.

Aufstellung für Stadtderby gegen Hertha BSC noch nicht bekannt

Ob er am Sonnabend im Stadtderby gegen Hertha BSC erneut von Beginn an ran darf, ist allerdings dann doch nicht gewiss. Marius Bülter, der nach 88 Minuten für Mees ins Spiel kam und Gentners Treffer vorbereitete, darf nämlich inzwischen für die Position auf dem linken Flügel die Bezeichnung Stammkraft für sich in Anspruch nehmen.

Für die Verabredung mit dem Stadtrivalen darf ein noch intensiverer Kampf um jeden Meter und jeden Ball erwartet werden als beim Kräftemessen mit dem Sportclub. Wenngleich sich die beiden Teams in diesem 94 Minuten andauernden Pokalfight natürlich schon einiges abverlangten. Mitunter wurden Zweikämpfe an der Grenze zur übertriebenen Härte geführt, mitunter kam das Spielerische zu kurz. Aber aus Sicht der Unioner war dies im Nachhinein nur Nebensache. Genauso wie der Gegentreffer, der nach einem Eckball von Vincenzo Grifo, einer kleinen Schläfrigkeit von Keven Schlotterbeck schließlich durch Robin Koch per Kopf erzielt wurde.

Das Fazit dieses Pokalabends lautet jedenfalls: Nach dem ersten Drittel der Saison in einem gar nicht so unwichtigen Pflichtspiel auch den Reservisten eine Chance zur Bewährung zu geben, ist im Erfolgsfall, der ja tatsächlich eingetreten ist, gut fürs Binnenklima, kann auf lange Sicht allerlei positive Effekte hervorrufen, weil so eine tief greifende Rotation ja auch den Konkurrenzkampf verschärft. Bravo, Urs Fischer! Der Schweizer scheint ein richtig gutes Gefühl für diese Mannschaft zu haben.