Union Berlin bleibt nach Braunschweig-Pleite ratlos.

Menschen sind keine Maschinen. Das ist ein von Sportlern oft vorgetragener Satz, wenn hohe Erwartungshaltungen nicht Schritt halten mit dem Dargebotenen. Tagesform, jugendliche Formschwankungen und ähnliches werden dann als Erklärungen angeführt. Manchmal auch der Druck durch Wochen der ausbleibenden Erfolge. Der geneigte Beobachter nickt zustimmend und denkt sich, wird schon wieder. Der weniger geneigte kommt zu dem simplen Schluss: Die können das einfach nicht.

Der Hinweis, dass humanoide Athleten oft komplex, aber keine Apparate sind, ist ebenso richtig wie wenig förderlich. Wenn bei einem Prozess mangelhafte Produkte entstehen, reicht oft eine Fehleranalyse, um das Problem zu beheben.

So kann man kein Zweitligaspiel angehen

Ein Verfahren, das für Spitzensport bedingt anwendbar ist, wie der jüngste Auftritt des 1. FC Union in Braunschweig lehrte. Denn dem 0:1 (0:1) gegen eine sich gegen den Abstiegskampf wehrende Eintracht gingen ja Wochen der Analysen und Versuche voraus, in denen Köpenicks höchster Übungsleiter André Hofschneider jeden Stein umdrehte, um die im Kader vorhandene „Qualität auf den Rasen“ zu bringen. Noch in der Vorwoche wähnte sich der frühere Mitaufstiegsfavorit auf gutem Wege, als Spitzenreiter Düsseldorf beim 1:3 in der Alten Försterei keine Chance besaß. Nun herrscht Ratlosigkeit angesichts des neuerlichen Rückschlages. „Woran es liegt? Ich weiß es nicht. Jeder hatte wieder nur mit sich zu kämpfen. Es ist schon verwunderlich, dass wir nicht an das Düsseldorfspiel anknüpfen konnten“, sagte Steven Skrzybski.

Die so viel beschworene Qualität scheint sich eher vom Wörtchen Qual herzuleiten, denn von ihrem Potenzial. „Wir haben vieles von dem vermissen lassen, was wir letzte Woche in die Waagschale geworfen haben. Wir werden jetzt etwas länger brauchen, um dieses Spiel in den Köpfen aufzuarbeiten, denn so kann man kein Zweitligaspiel angehen“, haderte Hofschneider mit seinen Schutzbefohlenen.

Das Bemühen will den Eisernen keiner absprechen

Die konnten sich ihren blassen Auftritt auch nicht so recht erklären. Auf Erkrankungen unter der Woche oder fehlende Akteure (Felix Kroos) wollte es keiner schieben. „In der letzten Woche gegen Düsseldorf hatten wir noch über 20 Torschüsse“, sagte Christopher Trimmel. „Da muss hier mehr kommen. In der ersten Halbzeit gab es zu viel Pingpong, viele Fehlpässe. Wir müssen ruhiger spielen.“ Nun drückt es allen aufs Gemüt, dass jeder die Fehler erkennt, aber keiner weiß, wie sie abzustellen sind. Alle Erklärungen klingen seit Wochen wie eine Schallplatte mit Sprung.

Das Bemühen wollte keiner den Eisernen absprechen. Doch allein das festzuhalten klingt wie der berühmte Eintrag ins Klassenbuch eines Pennälers. Dabei ist den Profis der Druck genommen worden, aufsteigen zu müssen. Nicht, dass es in dieser Zweiten Liga nicht noch möglich wäre, aber es redet keiner mehr von den Bossen darüber. Ein Drittel der Saison steht noch aus. Mit sechs Heim- und fünf Auswärtsspielen. Letztere fast alle gegen Kellerkinder. Aber was heißt das schon in dieser verrückten Spielklasse.