Christopher Lenz ließ im Derby Herthas Dodi Lukebakio nicht zur Entfaltung kommen.
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Berlin-KöpenickChristopher Lenz ist dieser Tage ein gefragter Mann. Das Telefon des Linksverteidigers vom 1. FC Union mochte vor dem Duell mit Tabellenführer Borussia Mönchengladbach (Sonnabend, 15.30 Uhr, Stadion An der Alten Försterei) gar nicht mehr stillstehen. Und noch immer kommen neue Anfragen, ob Lenz nicht noch Karten für diesen oder jenen organisieren könne. „Am Ende musste ich ein oder zwei Bitten leider abschlagen“, gibt der 25-Jährige zu. Zwölf Ticketwünsche konnte der gebürtige Marienfelder aber erfüllen für das Duell gegen seinen ehemaligen Verein.

Lenz hätte in den vergangenen Wochen auch eine Loge in der Alten Försterei anmieten können, denn das Duell mit den Borussen ist das dritte Heimspiel in Folge, dass der frühere U19-Nationalspieler gegen einen alten Arbeitgeber bestreitet. Anfang November ging es im Derby gegen Hertha BSC, wo er seine komplette Jugendausbildung verbracht hat. In der Länderspielpause testeten die Eisernen gegen Holstein Kiel, wo Lenz in anderthalb Jahren als Leihspieler reifte.

Lenz bekam in Mönchengladbach keine Chance

An diese beiden Klubs hat der Linksverteidiger gute Erinnerungen. Bei Borussia Mönchengladbach, wo er vier Jahre in der U19 und der U23 kickte, ist   das anders. Noch heute, drei Jahre nach seinem Abschied vom Niederrhein, ist Lenz die Enttäuschung darüber anzumerken, bei den Gladbachern nie eine faire Chance im Profiteam bekommen zu haben. „Vielleicht hat es damals einfach nicht gereicht, vielleicht war ich noch nicht so weit“, sagt er und versucht sich in den Tagen vor dem Spiel zwar diplomatisch daran, keinen längst vergangenen Groll wieder heraufzubeschwören. Zugleich betont er jedoch: „Ich wäre in Mönchengladbach gerne Profi geworden. Doch leider habe ich von Trainer Lucien Favre nicht die Aufmerksamkeit und die Chance bekommen, die ich mir gewünscht hätte.“

Der Schweizer, heute Trainer bei Borussia Dortmund, setzte damals auf Kapitän Filip Daems und den schwedischen Nationalspieler Oscar Wendt. Lenz’ bitteres Highlight unter Favre: „Ausgerechnet vor einem Spiel gegen Hertha BSC fielen Daems und Wendt verletzt aus. Ich durfte von Montag bis Donnerstag mit der ersten Elf trainieren, war bereit für mein Debüt als Gladbach-Profi – doch Daems wurde doch noch fit und ich musste wieder in die zweite Mannschaft.“

Selbst als der Belgier 2015 in seine Heimat zurückkehrte, verpflichtete Mönchengladbach lieber Nico Schulz von Hertha BSC, als Lenz die Möglichkeit zu geben, sich zumindest als Ersatzmann für Wendt, mit dem er sich noch heute gut versteht, zu etablieren. Stattdessen wurde er in die U23 der Fohlen geschickt, sollte mithelfen, deren Aufstieg aus der Regionalliga West in die Dritte Liga zu verwirklichen. „Das war damals das große Ziel für Manager Max Eberl, deshalb durfte ich den Verein auch nicht verlassen, als es schon Interessenten für mich gab“, erklärt der Verteidiger, dem das seinerzeit jedoch zu wenig Ansporn war. „Ich musste einfach wechseln, um noch Profifußballer zu werden.“

Viele Freunde am Niederrhein

Zurück im heimischen Berlin fand Lenz dann sein Glück. Die Eisernen förderten ihn von Anfang an, organisierten das Leihgeschäft mit Kiel, damit sich der talentierte Linksfuß in einem ruhigen Umfeld weiterentwickeln kann. Dann ließen sie ihm in der Aufstiegssaison Zeit, von einem erfahrenen und vorbildlichen Profi wie Ken Reichel zu lernen und gaben ihm dann die Chance auf einen Stammplatz.

Noch immer hat Lenz viele Freunde am Niederrhein: Profis wie Lars Stindl, Nico Elvedi oder Patrick Herrmann gehören dazu. Und er betont geradezu beschwichtigen: „Für mich ist das am Sonnabend ein ganz normales Spiel. Ich gehe da ohne besondere Emotionen ran.“ Dennoch dürfte er Ambitionen haben, Borussia Mönchengladbach zu zeigen, was man sich entgehen hat lassen.