Als Krisenmanager gefragt: Union-Präsident Dirk Zingler.
Foto: Matthias Koch

BerlinEs ist das Wort, das im Fußball von den Protagonisten tunlichst vermieden wird. Doch gestern nahm es Unions Präsident Dirk Zingler selbst in den Mund, das Wort Krise. Denn angesichts von Corona ist  tatsächlich auch im Fußball ein Notfallprogramm gefragt, die Ausbreitung des Virus muss verhindert werden. Im Hinblick   auf das Heimspiel der Eisernen gegen den FC Bayern am Sonnabend (18.30 Uhr) in der Alten Försterei gibt es dahingehend   dringliche Fragen.

Wird der Kick abgesagt?

Nein, das Spiel findet statt. Aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Lediglich akkreditierte Journalisten und TV-Stationen bekommen Zugang zum Stadion. Eine Pressekonferenz oder eine Mixedzone, in der Spieler nach der Partie ihre Meinung kundtun könnten, wird es nicht geben.

Gibt es eine Übertragung im Free-TV?

Nein. Bislang wird der Bezahlsender Sky nur die Spieltagskonferenz über seinen frei zugänglichen Kanal „Sky Sport News HD“ zeigen. Das Highlight des 26. Spieltages bleibt in den verschlüsselten Pay-TV-Kanälen. Der 1. FC Union bietet als zusätzlichen Service, dass der Audiokommentar für Sehbehinderte über die Homepage abgerufen werden kann.

Wie sollen sich die Fans verhalten?

Union fordert alle Anhänger ausdrücklich auf, nicht zum Stadion zu kommen. Am Mittwochabend in Mönchengladbach hielten sich ja zahlreiche Anhänger vor dem Stadion auf. „Die Menschen sind zwar frei in ihrer Entscheidung, aber wir als Veranstalter stehen hier in der Pflicht“, sagt Zingler. Die Eisernen werden es aber laut Pressesprecher Christian Arbeit ihren Fanklubs ermöglichen, ihre Zaunfahnen und Banner vor dem Spiel im Stadion zu platzieren.

Wird Union versuchen, sich entgangene Einnahmen wieder zu holen?

Grundsätzlich werden gerade alle Dauerkarteninhaber informiert, wie sie ihr Geld für das Bayern-Ticket wiederbekommen. Rechtlich wird Union auch alle Möglichkeiten prüfen, wie entstandener Schaden ersetzt werden kann. Staatliche Entschädigungen hält Zingler für falsch. „Grundsätzlich muss die Bundesliga solche Situationen aber für eine   Zeit verkraften können“, meinte Zingler und verwies im gleichen Atemzug auf ganz andere Probleme. Viele Unternehmen wären ja abhängig vom Ligabetrieb Fußball. Als Beispiel nannte er die Bäckerei Scholz, die Union immer mit Brötchen beliefert. Für die geht als Familienunternehmen ein Riesenauftrag verloren. Auch die zahlreichen Hilfskräfte, die an Spieltagen arbeiten, sind auf die Einnahmen angewiesen. „Wir haben hier bis zu 1 000 Menschen am Start. Auch auf 450-Euro-Basis. Die brauchen dieses Geld zum Leben“, so Zingler.

Werden alle Spieler täglich getestet?

Nein. Das wäre nicht praktikabel. Da müsste ja quasi jeden Tag aufs Neue getestet werden. Union hat aber seine Mannschaftsärzte in Stellung gebracht, die mit allen Akteuren bei Bedarf sofort weitere Vorgehensweisen ins Auge fassen.

Wie geht es weiter?

Am Montag tagt die Deutsche Fußball Liga (DFL) in Frankfurt am Main. Dort soll über das weitere Vorgehen entschieden werden. Auch wenn Zingler sich nicht in die Karten sehen lassen wollte, kann man davon ausgehen, dass für Union weitere Geisterspiele keine Option sind. „Für uns als Union spielen Zuschauer eine ganz besondere Rolle“, erklärte Zingler.   Die Position der Köpenicker wird also darauf hinauslaufen, dass man für eine Aussetzung des Ligabetriebes wirbt, bis sich die Situation entschärft hat. Dass dies aber den internationalen Spieltagskalender betrifft, ist jedem klar. Eine Verschiebung der Europameisterschaft wäre hilfreich, um Platz für Ausweichtermine zu schaffen.   Die Bundesliga vorzeitig für beendet zu erklären, so wie das im Eishockey der Fall war, scheint derzeit keine Alternative zu sein.