Eigentlich hatte André Hofschneider nur ein Mal Grund zu Applaus: Als der Trainer des 1. FC Union nach dem Abpfiff in Bielefeld zu den eigenen Fans marschierte und ihnen dankte. Da hatte Union beim Aufsteiger 0:2 (0:0) verloren, nett mitgespielt, den Sommertag genossen, aber mehr nicht. Höchstens genau das getan, was Hofschneider verhindern wollte: die Saison locker auslaufen lassen.

Dabei schien der 1. FC Union sich von Beginn an daran zu machen, der Weisung seines Trainers zu folgen. Der hatte angemahnt: „Wir haben uns in den letzten Wochen viel aufgebaut und werden versuchen, das nicht in den letzten Spielen einzureißen.“

Dazu hatte er ein spielstarkes Mittelfeld auf den Platz geschickt, mit Dennis Daube, Eroll Zejnullahu, Felix Kroos und Damir Kreilach in der Raute. Gerade der beherzigte des Trainers Weisung. An ungefähr jeder gefährlichen Aktion der ersten Hälfte durfte er sich Anteile zuschreiben. Allein Kreilach hätte gegen Arminia 2:0 in Führung gehen können. Zunächst wusste sich der Bielefelder Abwehrmann Julian Börner nicht anders gegen Kreilach zu helfen, als den im Strafraum von hinten umzuschubsen. Und es gehörte schon die großzügigste aller Auslegungen von gesunder Härte von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus dazu, die Aktion nicht mit einem Elfmeter zu ahnden (22. Minute). Sieben Minuten später legte Benjamin Kessel zurück in den Sechzehnmeterraum, wo Kreilach in leichter Rückenlage den Ball aus elf Metern an die Latte schoss.

Defensive Schlampigkeit

Union presste sehr offensiv bei den gleichfalls jenseits von Gut und Böse agierenden Bielefeldern. Doch bei allen guten Offensivaktionen, die die Spielweise hervorbrachte, offenbarte sie auch wie es zu dem großen Ausrutscher in der ansonsten überzeugenden Hofschneider-Bilanz kommen konnte: Vier der fünf Spiele vor dem Bielefeld-Ausflug hatten die Unioner ohne Gegentor abgeschlossen, in dem einen allerdings, in Nürnberg, waren sie 2:6 untergegangen. Auch gegen Bielefeld eröffnete die Defensive der Eisernen immer wieder den Bielefeldern erstklassige Möglichkeiten: Zunächst verhalf ein großer Patzer von Toni Leistner Bielefelds Mittelstürmer Fabian Klos zum Ballbesitz an der Strafraumgrenze. Den Heber-versuch konnte Unions Keeper Jakob Busk parieren (9. Minute). Kurz darauf flankte Emanuel Pogatetz quer durch den eigenen Strafraum ins Aus. Und in der 33. Minute ließ Michael Parensen auf seiner linken Seite David Ulm kurz vor dem Strafraum einsam warten, dessen Schuss landete nur am Innenpfosten und sprang ins Feld zurück.

Dabei ist es ein Irrtum zu glauben, nach der Klärung von Auf- und Abstieg spiele sich der Rest der Saison allein im Bereich der frühsommerlichen Erholung ab. Jede Platzverbesserung honoriert die Deutsche Fußball-Liga mit etwa 300 000 Euro Extraprämie, also dem Jahresgehalt eines Spielers. Daher hatte Hofschneider erinnert: „Wir sind Sechster und können aus eigener Kraft dort bleiben. Das ist ganz klar das Ziel vor den letzten beiden Spielen. Wir schauen natürlich auch Richtung Platz fünf und vier. Wenn die beiden vor uns patzen, wollen wir da sein.“ Patzt Union, wollen die folgenden Teams aber auch da sein.

Das wiesen die Bielefelder nach dem Wiederanpfiff energischer nach als die Eisernen. Der zuvor schon einige Male gefährlich vor Busks Tor aufgetauchte Ulm nutzte einen Konter in der 53. Minute, als Christoph Hemlein sich auf der rechten Seite vom braven wie harmlosen Zejnullahu eskortieren ließ, wie die Experten gern sagen, den Ball scharf durch den Sechzehnmeterraum in die Mitte spielte, wo Daube dem Tempo des Gegenangriffs Tribut zollte und hinter sich Ulm zum 1:0 eingrätschen ließ.

Auch danach ließen die Unioner Ulm zu zwei weiteren guten Möglichkeiten kommen. Hofschneider wollte anschließend mit den Hereinnahmen von Christopher Quiring für Bobby Wood und Adrian Nikci für Kroos (63.) die Kehrtwende provozieren. Union erarbeitete sich dann noch bei zwei Schüssen von Sören Brandy (72./88.) gute Möglichkeiten, mehr allerdings nicht. Stattdessen düpierte schließlich Klos in der Nachspielzeit doch noch einmal Busk: Er tunnelte ihn zum 2:0 der Bielefelder (90.+3).